(SZ) Wenn an trüben Vorkriegstagen von irgendwo ein Lichtlein her kommt - die Botschaft nämlich von einer schönen, immerzu sich erneuernden, begehrenswerten Welt -, dann heißt der Ursprung höchst prosaisch Computermesse CeBIT. Sogar Schröder, weiß Gott sorgengeplagt, raunzte dortselbst vor aller Welt vergnügt und katergleich ins Mikrofon: Ich liebe dich. Die wohl gemeinte Doris aber stand dichtebei, auf Tuchfühlung. Was nicht alles erfunden wird, damit wir uns nicht mopsen! Knipsende Mobiltelefone in Gestalt von Massage-Stäben und neue "Generationen" megateurer Laptops, welche vor lauter Gigabytes kaum noch laufen können. Daten! Daten! Daten! (Mehr wird nicht verraten, die Leute sollen endlich inserieren). Doch ein Schatten fällt auf die elektronischen Heilsbotschaften. Bei uns zuhaus glotzen aus allen Ritzen archaische Textsysteme und alte, unidentifizierbare Netzgeräte massenhaft, ekelhafter als die Hausstaubmilbe. Sie wollen bleiben. Zweitens verbreiten Psychiater und Sucht-Experten die schockierende Nachricht, "computern" mache süchtig, vor allem das Internet. Eine halbe, womöglich eine Million Mitmenschen kommt nicht mehr los, isoliert sich. Das Netz ist ihr Himmel. Von dort oben stolpert man herab, blutunterlaufenen Auges und sozial verelendet. Wir vermuten den Suchtfaktor in der Zeitfresserei. Ehe man sich versieht, ist die Stunde der Langweile vergangen - auf flackernder Suche nach Irgendwas. In jenen Zusammenhang stellen wir, ohne dass es knirschte, eine analoge Information: Junge Menschen verstünden uns nicht mehr. Wir schrieben gleichsam an ihnen vorbei, behauptet der Zürcher Germanist Burger, nennt Redewendungen wie "Öl ins Feuer gießen" (an dieser Stelle übrigens streng verpönt) und zitiert eines der überforderten Opfer unseres vermeintlich ältlichen Idioms: "Was interessiert mich eine arme Kirchenmaus, wenn mich die Kirche nicht interessiert...?" Ha! Der Junge ist nicht allein. Öffentliche Sprache blutet aus, galoppierend verarmen Vorstellungswelten und Wortschatz selbst gebildeter Kreise, all das was Bibel, Märchen, griechische Mythologie, nicht zu vergessen Goethes Faust und Schillers Glocke einst haben einfließen lassen in Rede und Schrift es ist wie fortgeblasen, versickert. Fürs ganze Leben genügt mittlerweile die eine Wendung: ist etwas "mein Ding" oder nicht mein Ding! An dieser Stelle, links oben, stellt sich die Frage: Sollen wir nachgeben oder dagegenhalten? Letzteres natürlich. Eingedenk all dessen werden wir uns festklammern am sausenden Webstuhl der Zeit, wir werden, wo möglich, weiterhin das Kamel durch ein Nadelöhr zwingen, ein Menetekel Menetekel nennen und Krethi & Plethi aufbieten, wenn man uns ins Bockshorn jagen will. Honi soit qui mal y pense.