(SZ)Wir hier in Europa, in der alten, eingestaubten, dekadenten Welt - wir verstehen ziemlich viel von dieser Sache. Wir wissen, wie rasch das Parfüm der Gesittung und Toleranz verfliegt, welches unsere Völker aufgelegt haben, seit sie in einer Union sich zusammentaten. Edel und kommerziell zufrieden stellend. Aber stinklangweilig. Weshalb der bestechende Gedanke "spalten statt versöhnen" langsam wieder an Boden gewinnt. Hier "Die acht"; dort "Die zwei" mit Putin im Rückraum. Das hat doch was? Erinnerungen werden wach an die Zeit, als sich heutige EU-Länder vor, während und nach ihren Feldschlachten mit Phobien beharkten, dass es nur so staubte. Zur Zeit der britisch-französischen Kolonialkriege Mitte des 18. Jahrhunderts (um den Zankapfel Nordamerika, notabene) - da war für jeden guten Briten der Franzos' ein echter Erbfeind. Die nährten sich von Wassersuppen und Salat, diese .. .äh ... Froschfresser! Endlich war's raus, Froschfresser hält sich bis heute, während man auf der Insel den alten Gassenhauer der Stärke trällert: Oh the roast beef of Old England. Später drehten sich die Erbfeindschaften. Hier zu Lande wurde das perfide Albion erfunden (Gott strafe es!), während wir, respektive unsere WM-Helden ein für allemal Krauts, Panzer und schnarrende Nazis geblieben sind. Aber ach, wie man sich gewöhnt! Dass die Phobien oftmals dreckigen Rassismus ausdrücken, belegt eine Zeile von hundert gleichen: Es war einmal ein Serbenland / ein Volk von Hammeldieben. Wie gesagt, wir kennen uns aus mit der Erzeugung und Verbreitung gesunder Vorurteile. Insofern fühlen wir uns berechtigt, Kritik zu üben am Großen Alliierten da droben ... da drüben. Wenn man sich dort ärgert, im Bush-House des gottgesandten Kriegers wider die Schurken dieser Welt, sich ärgert über jene europäischen Feiglinge, welche die schöne "Drohkulisse" mutwillig hin und herschieben, ja dann muss man den ... Franzosen ordentlich Saures geben. Perfide sind sie (siehe Albion), können nicht lesen, wundern sich über die seltsame amerikanische Angewohnheit, jeden Tag zu duschen - ja gut. Aber das ist lange noch nicht jener fetzige Tennessee- Journalismus, wie einstmals von Mark Twain beschrieben. Hingegen Chirac als "Pygmäe", als "Jeanne d'Arc mit Halbglatze" - zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Wo bleiben wir? Sachte. Bald werden Deutsche "dirty Schroeders" sein. Und Charles Krauthammer plädierte im Vox für "Hiebe" auf Frankreich und Deutschland. Hiebe - eine im alten Europa seinerzeit ungemein beliebte Weltkriegs-Metaphorik. Hiebe bedeuten natürlich "Militär- Schläge". Jener amerikanische Nonsens wäre zum Lachen, falls nicht ernst gemeint. Bis zur Besserung des Kriegsfiebers findet man uns an der Seite des unamerikanischen peaceniks Dustin Hoffmann.