(SZ)Wenn wir Parodisten wären, würden wir jetzt den Jaroslav Hašek parodieren, dass der Rauch aufginge, und das läse sich dann so: "Also sie ham uns den Karel vorgeschlagen", sagte die Bedienerin zu Herrn Schwejk, der sich gerade die Knie gegen den Rheumatismus mit Opodeldok einrieb. - "Was für einen Karel, Frau Müller?", fragte Schwejk, "ich kenne zwei..." - "No, gnä' Herr, den Karel Gott, den mit der Biene Maja, den was sie die goldene Stimme von Prag nennen." - "Jeschuschmaria", schrie Schwejk auf, "das is aber gelungen!" Nun, wir sind keine Parodisten, aber wo Schwejk Recht hat, hat er Recht: Dass eine Prager Künstlerinitiative nun den Sänger Karel Gott für das Amt des tschechischen Präsidenten vorgeschlagen hat, ist insofern wirklich gelungen, als in dem Wort "gelungen" jene Schlitzohrigkeit mitschwingt, die wir anderen dem Tschechen jederzeit und unbesehen zutrauen. Was ist dieser Karel Gott überhaupt für einer, und wie passt er in all die böhmischen Versatzstücke, die sich die Jahrhunderte über in unseren Köpfen angesammelt haben? Die Szenerie reicht vom Powidltatschkerl und ähnlichen Gemütswerten bis weit hinein in Kafkas kalte Welten. Kenner weisen bei solchen Gelegenheiten gerne darauf hin, dass kavka auf Deutsch "Dohle" bedeutet; Gott hingegen erhielt 24-mal die "Goldene Nachtigall", die auf Tschechisch viel schwerer geht als die Dohle: zlaty slavik. Hat man bemerkt, welch eine Fülle von Obertönen in "Gott hingegen..." mitschwingt? Das hat etwas Feierliches, ja Numinoses, und wenn auch Namensscherze sonst verpönt sind, so erfreuen wir uns doch an der Tatsache, dass Gott, also Karel Gott, eigentlich Karel Gottar heißt und dass auf dem "r" von "Gottar" mit einigem Pech sogar ein Hacek sitzen könnte: Gottar. Künstlerisch ist Karel Gott schwer einzuordnen. Einerseits hat er bei Konstantin Karenin studiert, dem noch der große Schaljapin das Singen beigebracht haben soll, andererseits hatte er zeitlebens Probleme mit der Intonation. Der Liebe seiner Fans hat das keinen Abbruch getan: Als in diesem Blatt einmal das Wort "trällernd" auf ihn gemünzt wurde, forderte eine Ickinger Leserin "mit Nachdruck, dieses ,Trällern` öffentlich zurückzunehmen". Das Schlitzohrige des Vorschlags ist möglicherweise gerade darin begründet, dass von Schlitzohrigkeit im Schwejkschen Sinne nicht die Rede sein kann: Weder fällt der sehr tapfere und auf seine Art auch überaus gewitzte Vaclav Havel unter diese Kategorie, noch hat sich Karel Gott mit seinem unleugbaren Talent, es sich mit keinem zu verderben, dafür qualifiziert. Derweil stagniert die Präsidentensuche in Prag auf hohem Niveau, sodass wir uns am besten mit Jaroslav Hašek vertagen. Nach der Wahl um sechs im "Kelch"! Das heißt auf Tschechisch U Kalicha, und wer schon mal einen Tisch besetzen will: Na bojisti Nr. 12. Außerdem in dieser Ausgabe: [26]Bericht : Tschechiens Koalition über Kandidaten zerstritten