(SZ)So manche Vergangenheit ist eine rechte Last, bisweilen sogar eine Erblast, die einem unverlierbar anhaftet wie die Erbsünde. Goethe, dem wir Deutschen unter anderem das Erbe verdanken, als Volk der Dichter und Denker zu gelten, hat auch darum gewusst, als er in geschraubten Versen die Einsicht vererbte: "Amerika, du hast es besser / Als unser Kontinent, das alte / Hast keine verfallene Schlösser / Und keine Basalte." Seither ist aber auch Amerika in die Jahre gekommen und hat im Lauf der Zeit angehäuft, was Goethe ihm noch glaubte absprechen zu können: ein Erbe, von dem derselbe gelegentlich einmal dekretierte, dass man es erwerben müsse, um es zu besitzen. Gegen diese Weisheit haben nicht nur die später geborenen Buddenbrooks verstoßen, die damit den Verfall einer einst hoch angesehenen und wohlhabenden Kaufmannsfamilie einleiteten und beschleunigten, sondern auch mancher andere Filou oder Tunichtgut, der in bürgerlichen Familien deshalb gerne den etwas unscharfen Verwandtschaftsgrad eines Onkels zugeteilt erhielt, auch wenn es sich bei ihm um den eigenen Bruder handelte. Zu solchem Onkel gewissermaßen komplementär ist die Erbtante, die, wie der Name sagt, keine eigenen Erben, stattdessen aber beispielsweise eine hochherrschaftliche, antik möblierte und in einem großen Garten gelegene Villa hat und außerdem noch in dieser Idylle die Witwenpension eines Syndikus der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft verzehrt. Damit ist auch schon das Problem umrissen, das Nichten und Neffen beharrlich zu schaffen macht, denn von der Tante war bislang nichts zu kriegen außer muffigem Baumkuchen, den selbst Sultan, der neurotische Rehpinscher nur akzeptiert, wenn er zuvor mit bestem Portwein beträufelt wurde. Nun droht aber auch jene stille Hoffnung zu schwinden, die manche Familie größte Freude heucheln lässt, wenn besagte Erbtante nebst Sultan zu Besuch kommt. In Florida nämlich können Haustierbesitzer, wie schon in einem guten Dutzend weiterer Staaten der USA, ihr Vermögen ihren gefiederten, gepanzerten, geschuppten oder felligen Lieblingen dergestalt hinterlassen, dass sie es einem einschlägigen Treuhandfonds übergeben, der sich nach dem Ableben des tierlieben Besitzers um deren weiteres Wohlergehen sorgt. Wie man sich das vorzustellen hat? - Vielleicht leben Hund und Katz in schöner Eintracht in einem artgerechten Altersheim, wo sie dank bester Pflege so alt werden, wie sonst nur Papageien und Schildkröten. Nicht ausgeschlossen, dass dieses schöne Beispiel auch bei uns Schule macht, denn in den nächsten Jahren soll die gigantische Summe von einer Billion Euro vererbt werden. Und davon soll Sultan nichts, die nichtsnutzigen Nichten und Neffen aber alles bekommen!?