(SZ) Gemeinschaften, sollen sie von Dauer sein, benötigen Symbole. Paare stecken sich den Ehering an, als Treuepfand und süßes Band. Selbst in der Rezession verneigt sich der japanische Arbeiter allmorgendlich vor dem Logo seiner Firma. Und den Kriegern aller Epochen sollte im Schlachtgetümmel das elende Sterben mit der Losung erleichtert werden, alles sei zu ertragen, solang noch die Einigkeit stiftende Fahne dem Heerhaufen frisch voranflattere. Speziell Pflanzen und ähnliche Naturalien laden zur Identifikation ein. So wählte die französisch-spanische Herrscherdynastie der Bourbonen als Hoheitszeichen eine Lilie. An deren Stelle trat später dann die - heraldisch betrachtet etwas weniger zugkräftige - Bourbon-Vanille. Ein weit machtvolleres Zeichen noch als Vanille und Fahne ist aber die Banane. Seit das Sowjetbanner mit seiner Sichel in den Orkus der Geschichte fuhr, gibt es kein Symbol mehr, das der Banane an Länglichkeit, Gelbheit und Gebogenheit gleichkäme. Vom Ästhetischen abgesehen ist die Banane zudem gleichermaßen Inbegriff deutscher Weltoffenheit und deutscher Einheit. Nicht umsonst erhob Deutschland zornig seine Stimme, als die EU vor gut zehn Jahren in ihrer Bananenverordnung der so genannten "Gemeinschaftsbanane", einem popeligen EU-Erzeugnis, Vorrang einräumte vor allen anderen Bananen. Offen und zollfrei sollte der deutsche Markt bleiben für die prächtigen Drittlandbananen aus Mittel- und Südamerika. Hatte man sich nicht kurz zuvor in Ost wie West ganz besonders darüber gefreut, nach dem Mauerfall endlich gerade diese leckeren Früchte, lang und dick wie Säuglingsarme, gemeinsam verzehren zu können? Und ist nicht auch die weit gereiste Knüppelbeere, an Stelle des Feuerzeugs oder der Flasche als Wurfgeschoss eingesetzt, die schmerzloseste Möglichkeit, dem Unmut über das Betragen des Torwarts Oliver Kahn Ausdruck zu verleihen? Die deutscheste aller Früchte, die Drittlandbanane, ist nun laut der britischen Zeitschrift New Scientist vom Aussterben bedroht. Ein Pilz namens Black Sigatoka hat die beliebte Bananensorte "Cavendish" befallen und bereits einen Großteil der Bananenfelder Amazoniens vernichtet. Stürbe tatsächlich die Banane, die uns eint, wäre das gleichbedeutend mit einer nationalen Katastrophe. Unliebsame Torhüter könnte man zwar zur Not mit den kleineren, aber als Projektil durchaus ebenfalls geeigneten EU-Bananen demütigen. Doch dahin wäre die fruchtige Exotik, welche die Chiquita-Banane schon Kraft ihres Namens in unser Leben gebracht hat. Nach Angaben der Firma Chiquita existiert zwar eine Banane, die sich als resistent gegen den allverschlingenden Pilz erwiesen hat. Die robuste Sorte hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie schmeckt nach Apfel. Außerdem in dieser Ausgabe: [26]Bericht : Ein Pilz bedroht die Bananen