(SZ) Die Botschaft kommt nicht unpassend, in diesen Tagen, da die zivilisierte Welt an bitterer Kälte, höllisch glatten Gehwegen und hoffnungslos verstopften Atemwegen laboriert. In Zukunft könnte, so lautet die Botschaft, der Schnupfen eine neue Wertigkeit haben, und alles, was mit ihm zusammenhängt, das Prusten und das Niesen, Rotz und Wasser werden womöglich kulturträchtig. Der Informatiker Pak Chung Wong vom Pacific Northwest National Laboratory in Washington ist es, der uns mit solchen Aussichten überrascht und kühn den ganzen Dreck zum potenziellen Datenträger deklariert. Nicht den Rotz und Dreck an sich, aber das, was ihn hervorbringt und sich wohlfühlt in Ausscheidungen aller Art - die Bakterien. Gemeinhin werden sie ja eher negativ gesehen, widerwärtig, krankheitserregend, heimtückisch. Dabei sind die Burschen unglaublich stabile Langzeitspeicher - und preiswert dazu! Herr Wong hat also das kleine Lied "It's a small world" genommen und in eine DNS-Kette umformuliert, und diese einer Bakterie einverleibt. Dort, in der Bakterie ist sie nämlich geschützt und kann überleben, Tausende von Generationen lang. Eigentlich ganz einfach, und man wundert sich, dass die Menschheit Millionen von Jahren auf so unsichere Datenträger wie Stein oder Holz zurückgriff, von Papier oder Siliciumchips ganz zu schweigen. Einmal fallen gelassen oder entflammt, einmal mit dem Magneten drübergewischt, und wertvollstes Wissen war weg. Natürlich ist das eine schöne Vorstellung für alle, die schon immer die Musik als etwas Organisches angesehen haben - Musik, die lebt, die pulsiert, wabert, durch Körperbahnen taumelt. Die Musik, das unbekannte Lebewesen, so hat es einst der verrückte SF-Autor Philip K. Dick beschrieben, in seiner Story vom Erfinder Doc Labyrinth, der Musik, um sie vor dem Aussterben zu schützen, in kleine flauschige Wesen verwandelte und sie im Unterholz aussetzte. Wo sie leider, darwinistisch sich anpassen, sich verändern mussten. Das Wagner-Tier fraß das Schubert-Tier, das Bach-Tier fing giftig zu stechen an. Und wenn man eins der Wesen zurückverwandelte und die Musik zu hören bekam ... Wir hoffen, der Professor Pak Chung Wong hat den Propheten Dick gelesen, bevor er sein Lied den Bäuchen der Bakterien anvertraute. Wir haben uns jedenfalls ein wenig mehr Achtung vor den niedrigen Wesen der Schöpfung vorgenommen. Es ist eine kleine Welt, gewiss, aber schon das Bach-Tier lehrte: "Natur und Gnade redt alle Menschen an: Dies alles hat ja Gott getan, dass sich die Himmel regen, und Geist und Körper sich bewegen." Die Bakterie ist die Botschaft, in diesem Sinne warnen wir vor rotzfrechem Umgang mit den Gaben des Körpers. Das Gedächtnis der Welt könnte dabei auf dem Spiel stehen.