(SZ) Weihnacht, du trautes Fest, du Insel im Meer des trostlosen Alltags, du Plattform, auf die wir uns retten vor den Stürmen des Lebens und vor der Gewerkschaft, die rätselhafterweise nach einem italienischen Komponisten benannt ist, der nicht einmal organisiert war. Überhaupt fast alles ist neuerdings rätselhaft und in ständiger Bewegung; was dennoch bleibt, das stiften der Bundesverband der deutschen Christbaumverkäufer sowie die Deutsche Presseagentur: Diese mit ihrer jährlichen Umfrage: Was machen Prominente an Weihnachten? Offen gestanden, wir wären verloren ohne solche Orientierungshilfe. Nehmen wir nur die diesjährige Befragung und darin den fulminanten Rat des Quizmeisters Pilawa,für den das Gelingen des Festes, wie bei vielen von uns, davon abhängt, dass das Mütterlein mit silbrigem Glöckchenklang zur Bescherung bittet. Was aber, wenn zur Unzeit das prominente Handy klingelt und Pilawa, weil er die Klänge verwechselt hat, ins Wohnzimmer stürmt, wo er noch gar nicht erwünscht ist? Eine große Sorge, kein Zweifel, aber noch kein Grund zur Verzweiflung. Unser Pilawa hat nämlich gegenüber der Presseagentur verlautbart, dass er am Heiligen Abend einfach sein Handtelefon abschaltet, und diese Agentur war großzügig genug, uns diese seine Entscheidung wissen zu lassen. Danke, dpa, danke Ihr Zeitungen allüberall im Land, die Ihr diese Umfrage weiter verbreitet: Wer immer von uns sich im letzten Jahr an der leider modisch gewordenen Medienbeschimpfung beteiligt hat, wird nun innehalten und sich schämen müssen. Allerdings, dpa, kann es sein, dass Du Deine Umfrage ein wenig konventionell ins Werk gesetzt hast? Gut, Du hast bei Dr. Kohl nachgefragt und überraschend erfahren, dass er das Fest dieses Jahr in Oggersheim feiern wird, hast bei dem Fußballspieler Fredi Bobic herausgefunden, dass sein Baum diesmal mit blauen Kugeln geschmückt wird und nicht mit roten wie noch im letzten Jahr. Diese Recherchen hätten wir gewiss nicht missen wollen. Und doch ... sie hätten noch mutiger sein, noch tiefer in der Mitte der Gesellschaft bohren können. Es fehlen einfach zu viele Persönlichkeiten, deren Wort und Vorbild in Deutschland zählen. Was ist, nur als Beispiel, mit Dieter Bohlen und der Rolle der Wunderkerze beim Liebesspiel? Oder Boris Becker - wo feiert am günstigsten der staatlich geprüfte Steuervermeider? Auch wüsste man gerne, was sich unser Freund, der Menschenfresser von Rotenburg, an Heiligabend zum Essen gewünscht hat und ob vielleicht ein Grill auf dem Gabentisch steht. Aber leider, wenn die Fragen spannend zu werden drohen, dann versagt diese Presseagentur. - Sollte das nächstes Jahr so bleiben, dann könnte es gut sein, dass wir Weihnachten 2003 auf eigene Faust zu feiern versuchen.