(SZ) Jetzt ist also eine Schneekanone für den Hausgebrauch erfunden worden, und das erinnert an Zeiten, als man nichts tun musste, um Schnee zu bekommen, nur warten. Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit? / Du wohnst in den Wolken, dein Weg ist so weit. Der Schnee war ein Geschenk des Himmels, sozusagen. Er schlich sich heran, wann er wollte, meist nachts, und bemäntelte alles mit einer weißen Decke, die unschuldig und rein aussah wie die Schneemänner, die man damals so baute. Die Schneemänner der frühen Jahre bestanden aus drei Kugeln, nach oben hin im Umfang abnehmend. Blumentopf als Hut, Rübe ins Gesicht, fertig! Niemandem wäre eingefallen, zwei weitere Kugeln zu formen, in der Absicht, eine Schneefrau zu kneten, womöglich eine Schneeschlampe oder gar ein Schneeluder. Das sind alles neue Erfindungen, Kreaturen einer Zeit, die den erdolchten Gartenzwerg hervorgebracht hat, die gefühlte Temperatur - und die Schneekanone für den Hausgebrauch. Der Schneemann hat nun einen Namen: er heißt Andreas Abler, kommt aus Oberstdorf, wo früher immer Schnee lag, bevor sich die Atmosphäre auch hier dermaßen überhitzte, dass Abler jetzt den Zeitpunkt gekommen sah, sein kühlschrankgroßes Schneegerät unter die Leute zu bringen. Man braucht eine 220- Volt-Steckdose, einen Wasserhahn und frostige Temperaturen, dann braut und schleudert die Maschine bis zu eineinhalb Kubikmeter Schnee in der Stunde. Im Sommer, sagt Abler, kann man den Apparat auch als Hochdruckreiniger verwenden und das Auto damit waschen. Abler ist Schnee- und Geschäftsmann, er sieht nur das Gute und verschweigt die Gefahr: es ist ja immerhin eine Kanone, die er da verkauft. Der nächste Schritt in einer Entwicklung, die die Militarisierung des Winters zum Ziel hat und eingeleitet wurde durch diese Sportart Biathlon, in der kleine Frauen gezwungen werden, sich Flinten umzuschnallen und damit durch künstlich beschneite Wälder zu rennen. Dabei atmen sie Wölkchen über sich und sehen aus wie Dampflokomotiven, sehr angestrengte Dampflokomotiven mit einem Gewehr hintendran. Hmm. Jetzt, wo es die kleinen Schneekanonen gibt, werden sie bald in den Rabatten stehen, und weil deutsche Nachbarn oft die bittersten Feinde sind, werden nicht länger nur Gartenzwerge entführt oder Hunde vergiftet: die Schneekanonen werden ausgerichtet sein auf das Grundstück des anderen. Alle Menschen werden Lawinen wachsen lassen auf den Dächern nebenan. Alle Winter werden laut, immerhin frisst die Kanone nicht nur so viel Strom, sondern dürfte auch so bedrohlich klingen wie eine Waschmaschine. Und alle Kinder werden singen: Schneeflöckchen, Weißröckchen, wohnst in der Kanon ' / Sie grummelt beim Nachbarn, wir hören sie schon.