(SZ) Ja, meine Güte, ja doch: Es ist ganz entsetzlich kalt draußen. Das haben jetzt wirklich alle, alle mitbekommen. Denn selbst Menschen, die in den vergangenen zwei Wochen die geheizte Wohnung nicht mal zum Brötchenholen verließen, dürften den öffentlich geführten Klagen über diese "kältesten Dezembertage seit Beginn der Aufzeichnungen des Wetterdienstes" kaum entronnen sein. Sechsundzwanzigeinhalb Grad unter Null wurden am bayerischen Funtensee gemessen. Und dann noch der altböse "Windchill", die notorische "gefühlte Kälte", wenn Bruder Boreas seine frostigen Zähne tiefer ins Gesichtsfleisch schlägt. Wo es unter windstillen Bedingungen null Grad hat, da spüren wir bei mäßigem Wind angeblich minus dreizehn, bei kräftigem minus siebzehn und bei Orkan bittere minus neunzehn Grad Celsius. Einmal abgesehen davon, dass sich bei einem Orkan wohl nur Exzentriker über die niedrige Temperatur des Windstoßes beschweren dürften, der sie gerade in den Tod reißt: Dadurch, dass man (bevorzugt vom warmen Büro oder Wohnzimmer aus) "Es ist so kalt da draußen!" kreischt, wird es draußen - diese Binse sei hier gestattet - sicher nicht wärmer. Alle, die nicht existenziell vom Frost betroffen sind, sollten ihr temperaturbezogenes Zagen daher einstellen. Mancher jedoch, der kein warmes Heim sein Eigen nennt, zittert derzeit auch bei Flaute tatsächlich um sein Leben. Deshalb hat die Tierschutzorganisation Peta eine Aktion gestartet, bei der im englischen Liverpool Pelzmäntel an Obdachlose verteilt werden. Gespendet von Menschen, die sie nicht mehr tragen mögen, sollen die Nerz- und Zobel-Creationen weniger Begüterte vor dem Erfrieren bewahren. Nun wird der Rohstoff für Rauchwaren meist durch unschöne Tötungsarten wie die anale Elektrokution der tierischen Spender gewonnen, weswegen Peta die Herstellung von Pelzmänteln sonst bekämpft. Nur die besonders harten Lebensbedingungen der Beschenkten rechtfertigten die Aktion, so eine Sprecherin. Damit die Obdachlosen sich reinen Gewissens in ihre Chinchillas mummeln können, sind deren Ärmel mit weißen Farbstreifen versehen worden. Das soll anzeigen: Es geht um den Wärmefaktor, nicht um die Kostbarkeit des Fells. Leider haben es die Tierschützer versäumt, einen konsequenten Schnitt zu machen und die Mäntel auch ein wenig auf zeitlos umzuschneidern. Nun droht ihren Trägern zwar nicht mehr der Kältetod, und sogar die verbleibenden, durch keine noch so große Not zu erweichenden Pelzgegner dürften versöhnt sein. Aber wer auch immer in der nächsten Wintersaison die jetzt noch als dernier cri gehandelten Mantelmodelle erneut aufträgt, wird missbilligende Blicke modebewusster Liverpooler auf sich ziehen. Nicht der Streifen, sondern des überholten Schnittes wegen. Muss das sein?