(SZ)Wenn die einschlägigen Forschungen der AZ stichhaltig und repräsentativ sind, dann haben die langen Unterhosen in Immobilienmakler-Kreisen so etwas wie eine echte Heimat. Das Blatt wollte den gesellschaftlichen Status der vormals "Unaussprechlichen" eruieren, insbesondere, versteht sich, deren Bedeutung auf dem Feld des Sexuellen, und befragte dazu sechs Leute. Vier von ihnen hielten Distanz zu den Beinkleidern, ganz im Gegensatz zu den übrigen zwei, der Immobilienmaklerin Susanne S. (39), die lange Unterhosen "sehr erotisch" findet, und dem Immobilienkaufmann Gabriel K. (53), dessen Frau sie für "sexy" hält. Herr K. ist fein heraus, denn nun kann er die Buxen zu Hause anlassen, wohingegen Frau S. mit ihren erotischen Träumen alleine dasteht, weil ihr Mann keine langen Unterhosen trägt (der kleine Sohn schon, aber das ist in diesem speziellen Kontext irrelevant). Dass der langen Unterhose eine sexuelle Komponente innewohnt, ist unstrittig, mag sie gleich weniger manifest sein als bei der kurzen Unterhose. Diese ist, wie man hört, mittlerweile überaus vorzeigbar geworden, jedenfalls als Retro-Short oder gar Tanga, nicht jedoch in der Variante Boxer- Short, denn die ist so was von out - kaum zu sagen. Das erotische Moment war bei allen Unterhosen freilich immer eine Art Sekundärtugend, philosophisch gesprochen ein Akzidens. Als Wesen und Substanz schätzte man an ihnen das Wärmende beziehungsweise, da sie ja keine eigene Wärme produzieren, das warm Haltende, und in dieser ihrer Funktion - im Kerngeschäft sozusagen - kommen sie gegenwärtig ganz groß heraus. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge ist Deutschland eine "Eisstation", und in Eisstationen hat man andere Sorgen als die, ob man "Liebestöter" trägt oder nicht. Die Tage des Zögerns sind vorbei, zumal da inzwischen auch die "gefühlte Kälte", einst als Wehleidigkeit verpönt, öffentlich genannt wird und man sich zu ihr wie zu einer sympathischen kleinen Schwäche bekennen darf. In der S-Bahn sieht man mehr und mehr Männer dezent ihre Hose ausschlenkern, weil ihnen innen die Unterhose hochgerutscht ist. Unser Rat: Fixiere deren Beinröhren unten mit kräftig anliegenden Wollsocken! Man sieht, es lässt sich leben in der Eisstation. Leider gilt das auch für Mücken und Miniermotten, die nach altem Volksglauben strenge Winter kaum überstehen. Die Biologische Bundesanstalt hingegen glaubt, dass die Plagegeister auf die Kälte pfeifen. Anders sei es bei Schaben. Die könne man bekämpfen, indem man Heizung und Wasser abstelle und sein Haus kräftig durchfriere. Da wird sich zwar die ganze Nachbarschaft das Maul zerreißen ("Die müssen ja jede Menge Schaben haben, schon vier Tage die Fenster auf!"), aber man hat endlich eine Gelegenheit, mehrere lange Unterhosen übereinander zu tragen.