(SZ)Auch wenn Frau Karin Stoiber auf dem Titelblatt des Städtemagazins Wolfratshausen in Schürze Weihnachtsplätzchen fertigt, die Weihnachtsbäckerei steckt in der Krise. Was früher undenkbar war, ist vielerorts schon die Regel. Da sagt eine Frau und Mutter: "Heuer backe ich keine Weihnachtsplätzchen" - und niemand protestiert. Sie bäckt dann doch, aber weniger. Dafür kauft sie Spekulatius oder Zimtsterne im Supermarkt und lässt die Familie testen; sie veranstaltet vielleicht sogar einen Doppelblindversuch mit selbstgebackenem und gekauftem Heidesand. Dann kann es passieren, dass die Testpersonen keinen Unterschied feststellen, ja oft sogar dem Heidesand aus der Großbäckerei den Vorzug geben. Gegen solchen Frust hilft auch das Bayerische Kochbuch nicht mehr, in dem die Oberregierungs-Landwirtschaftsrätin a.D. Maria Hofmann schreibt: "Schönes und gutes Kleingebäck aus eigener Herstellung ist immer wieder der Stolz und die Freude tüchtiger Hausfrauen. Mit welcher Freude sind Kinder mit am Werk, wenn gebacken wird, und mit welchem Eifer werden alte, familiengebundene Rezepte hervorgeholt?" Eben. Diese Rezepte aus oft dürftiger Zeit sind nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber jenen Kreationen, die in Backwarenfabriken von Keksdesignern entwickelt werden. Einer von ihnen erzählte im Fernsehen, er mache bis zu 45 Versuche, bevor mehrere Damen und Herren mit hygienischen Plastikhäubchen auf dem Kopf nach gründlichem Riechen und Schmecken einem neuen Plätzchentyp die Produktionsreife bescheinigen. Und so habe er schon zwölf Sorten erfunden. Da staunt so manche Laienbäckerin und legt den Rührlöffel weg. Was soll sie da noch das Risiko von Coburger Schmätzchen, von Pomeranzenbrötchen, Nürnberger Busserln, Albertkeksen, Muskazienern, Olgaringen oder Hildatörtchen eingehen? Die dann womöglich noch bis Ostern liegen bleiben, obwohl die Mahnung des Bayerischen Kochbuches, Kapitel Kleingebäck/Weihnachtsgebäck, ernst genommen wurde: Den echten Bedarf bedenken und individuelle Bedürfnisse berücksichtigen! Es soll viertausend verschiedene Kleingebäcke geben, vom Vitalkeks, einem Fitnessprodukt für Körperbewusste, bis zu einer Verarbeitungsform aus Marzipan (mit etwas Zimt abgeschmeckt) und Nougatfüllung, wo mancher schon beim Lesen ein ungutes Gefühl im Magen verspürt. Und hier könnte sich eine Wende andeuten. Vielleicht kommt von daher die Rettung für die Hausbäckerei. Kreativität, Perfektion und Raffinement, mit denen die Plätzchenprofis uns verwöhnen, können ja auch Überdruss auslösen und eine Sehnsucht nach der bewährten altdeutschen zuckerstarrenden Kokosmakrone nach Hausfrauenart. Und wäre sie auch zerflossen oder angebrannt.