(SZ) Zu den Wirren dieser Zeit trägt der Umstand bei, dass im Alltag das Fremde und Bedrohliche lauert. Der freundliche Kollege von nebenan fährt zur Mittsommerzeit nach Schweden, um dort im Kreise Gleichgesinnter die Bäume anzuschreien und auf diese und andere Weise zu bekunden, dass er trotz der Bedrängnisse durch die vorgesetzten Dienststellen im Büro und daheim noch immer Mann ist. Die altgewohnte Regierung macht über Nacht böse Miene wie jener Generalsekretär, dessen sonst so sedierende Ausführungen plötzlich wie eine vorgehaltene Waffe wirken (die Rede ist von Herrn M., der, getragen von einer gewissen Traditionslinie seiner Partei, den Privatbesitz von Geld zu Gunsten des Staates abschaffen möchte). Und es gibt sonst ganz normal erscheinende Menschen, die aber Überraschungseier sammeln. Darin verbergen sich unter einer hauchdünnen Schokohülle Figuren von unansehnlicher Gestalt, darunter ein knalloranges Känguruh, das Boxhandschuhe und Kopfschutz trägt und dumm lacht. Warum jemand dieses Scheusal sein Eigen nennen möchte, muss dem recht und billig Denkenden ein Rätsel bleiben, eines, das wiederum Fragen über Motiv und Befinden der Sammelnden aufwirft. Der Inhalt der Eier kommt zunächst harmlos daher, trägt beschwichtigende Namen wie Happy Hippos oder Peppy Pingos. Anfangs ist es vielleicht nur ein Pinky Piggy, das oben auf dem Computer hockt. Bald aber schon hat sich eine Gruppe gebildet und aus der Gruppe ein Rudel und aus dem Rudel dann eine wilde Schar von Piggys und Törtels und Eierlaufschlümpfen und Regenkobolden, die den Arbeitsplatz ihres Besitzers grellfarbig überschwemmen, bis dieser das tut, was wir ihm schon immer unterstellt haben, nämlich gar nichts mehr. Was Hartz übersah: Zehntausende könnten in Lohn und Brot gebracht werden, gäbe man ihnen die Jobs jener, die in deutschen Büros nur noch willenlos Überraschungseier öffnen. Es war an der Zeit, diesem Missstand Einhalt zu gebieten. Deutschland, so lehrt uns Kapitel 1, Absatz 1 des Koalitionsvertrages, ist "ein Land mit dem Mut zur Veränderung". Und da die Regierung unter Veränderung und Steuererhöhung im Wesentlichen dasselbe versteht, lag die Lösung nahe: Wegen des geringen Schokoladenanteils des Gesamteis soll der ermäßigte Umsatzsteuersatz entfallen. Beachtenswert ist auch der geldwerte Vermögenszuwachs, den der Fiskus nicht außer Acht lassen darf. Berechnungsgrundlage: Je verstaubter die Figuren auf dem Schreibtisch unserer Kollegen, desto wertvoller und kostbarer erscheinen sie den Ei- Abhängigen. Jedenfalls, nach Franz Müntefering gesprochen: Kauft Eier für den Aufschwung, und gebt dem Staate, was des Staates ist, nämlich euer Eiergeld.