(SZ) Während die Nato in Prag über ihre Strategie für das 21. Jahrhundert palavert und die Amerikaner vor dem Irak eine Armada zusammenziehen, finden die wirklich wichtigen Kriegsvorbereitungen anderswo statt, im glücklichen Luxemburg: Dort tragen Militärköche einen internationalen Wettbewerb aus. Schon Napoleon wusste, dass eine Armee auf ihrem Magen marschiert. Gulaschkanonen sind so wichtig wie die Artillerie. Aber auch den Gegenbeweis lieferte unfreiwillig der große Korse. Als ihm die Russen nichts als verbrannte Erde überließen und kein Stück Brot mehr zu requirieren war, ging Moskau verloren. Und was in Waterloo auf dem Speisezettel der Franzosen stand, war so unerheblich, dass es zu Recht vergessen ist. Die Folgen kennt man. Seine Ration kann der Soldat freilich nicht trocken hinunterwürgen. "Kein Schnaps, kein Sturm", pflegten bosnische Soldaten ihre k. u. k. Offiziere im Ersten Weltkrieg zu mahnen. Die amerikanische Riege bereitet in Luxemburg Mahlzeiten unter dem Motto "Mardi gras" auf. Alles soll kreolisch sein wie in New Orleans. Es gibt Consommé mit Krabben und Mais, in Bourbon-Whiskey glasiertes Steak, Spargel und karamellisierte Zwiebeln. Da es im Verteidigungsfall nicht nur ehrenvoll, sondern auch süß sein soll, für das Vaterland zu sterben (Horaz), darf ein Dessert nicht fehlen: Brotpudding mit weißer Schokolade. Da könnte der Heldentod effektiv zum kleineren Übel werden. Als Tafelaufbau stehen in der Mitte drei Jazz-Musikanten, während die Chefs einen skulptierten Schwan mit Harfe hereintragen. Er sollte eigentlich aus Eis gemeißelt werden, besteht aber der besseren Haltbarkeit wegen aus Talg. Alle Menüs sind zur Erprobung an Offizieren gedacht. Für den gemeinen Mann haben die Lebensmitteltechniker der US-Armee gerade ein neues "Combat Sandwich" entworfen, wahlweise gegrilltes Huhn oder Peperoni. Es ist in braune Folie eingeschweißt und ohne Kühlung drei Jahre haltbar. Das Bundesamt für Wehrverwaltung kocht mit Kaninchenroulade, sautierter Leber sowie Schupfnudeln aus der Feldküche für Deutschland. Neben dem Sold sei vor allem das Essen für die Soldaten wichtig, sagt der Verpflegungsmanager des Amtes - ganz auf der Linie Napoleons. Schon bei den letzten Einsätzen der Bundeswehr, vor Luxemburg, hat sich der Verdacht erhärtet, dass sie wohl nur noch zu Nachschubleistungen in der Lage ist, nicht mehr zur Erfüllung des ursprünglichen Kampfauftrages. Sie fliegt Mineralwasser nach Kabul, heuert ausländische Chartermaschinen an, bestückt ihren Fuhrpark mittels Leasing und will dieses Verfahren bald auch auf ihre Waffensysteme ausdehnen. Viele Köche bemühen sich, den Brei im Letzeburger Land nicht zu verderben. Die Franzosen sind übrigens nicht dabei.