(SZ)Es ist ja leider so, dass der Normalbürger kaum einmal Gelegenheit bekommt, die Welt zu retten. Wobei das nicht nur daran liegt, dass es ihm keiner erlaubt, oft fehlt ihm auch schlicht die Zeit. Morgens rennt er ins Büro, tagsüber sitzt er dann dort, abends ist er meist zu geschafft, um nochmal loszuziehen. Hätte nicht die Brauerei Krombacher vor Monaten versprochen, mit jedem Kasten Bier, den man ihr abkauft, rette man einen Quadratmeter zentralafrikanischen Regenwald, der Normalbürger hätte gar nichts tun können. Nun, in Zukunft kann er nicht einmal mehr das. Das Oberlandesgericht Hamm hat der Brauerei den Werbespot verboten. Es gab zwei Wettbewerbsvereinen recht, hinter denen womöglich andere Brauereien steckten. Sie hatten argumentiert, die Reklame lege nahe, man sei gegen den Regenwald, nur weil man kein Krombacher trinke. Das ist natürlich Unsinn. Man kann sehr wohl Krombacher trinken und trotzdem gegen den Regenwald sein. War es nötig dafür ein Gericht zu bemühen? Und nebenbei, nur aus kleinlicher Rechthaberei, eine große Idee zunichte zu machen? Sicher hätte sich der Verbraucher auch für andere Dinge erwärmt, hätte man ihm nur ein Angebot gemacht. Es kann doch jeder mittun. Warum nicht für jeden Kasten einer anderen Biermarke einen Quadratmeter Ozonloch schließen? Einen Elbdeich erhöhen? Einen Chinesen aus der Todeszelle befreien? Oder zwei Kästen nehmen und noch einen Panda-bären retten? Der Bürger kann so viel tun, ohne dass er was tun muss. Er lebt einfach weiter wie bisher, nur eben mit mehr Sinn. Wenn also Bier helfen kann, die Welt zu retten, muss nicht ein Schluck gehen durch unser Land? Andererseits hat das Gericht auch gesagt, es sei in dem Werbespot nicht genügend erklärt worden, wie das eigentlich gehe: Regenwald retten mit Bier. Und da, muss man sagen, hat das Gericht wiederum recht. Vielleicht ist der Verbraucher oft auch zu leichtgläubig. Womöglich war die Aktion gar nicht abgesprochen. Ja, was sagt der Zentralafrikaner eigentlich dazu, wenn man eines Tages als hellhäutiger Normalbürger in seinem Regenwald steht, um sich mal die Quadratmeter zeigen zu lassen, die er schon gerettet hat? Und um dann eventuell einen Kurzurlaub anzuschließen? Möglicherweise ist es dem Zentralafrikaner gar nicht recht, wenn man sich einmischt. Er macht das ja auch nicht. Oder hat man davon gehört, dass auf seinem Kontinent irgend etwas für den deutschen Normalbürger unternommen würde? Oder in China? Vertilgt man dort größere Mengen einer bestimmten Reismarke, um die deutschen Rentenbeiträge zu senken? Nein, in Wahrheit funktionieren solche Aktionen nur in Deutschland. Weil man hier bereit ist, auch aus schlechtem Gewissen heraus zu trinken, wenn es nur einer guten Sache dient.