(SZ)Es fliegt was in der Luft. Das ist in apokalyptischen Zeiten üblich und insofern auch jetzt ganz in Ordnung. Indessen fliegen neuerdings Sachen herum, die in der Luft absolut nichts verloren haben, nicht einmal in Endzeiten - umso schrecklicher ihre Wirkung. In Augsburg etwa kam kürzlich eine Lederhose geflogen und legte, indem sie auf dem Oberleitungsdraht der Trambahn landete, den Verkehr für kurze Zeit still. Der Vorfall ist zeichenhaft: Zwar gehört die Lederhose zu den "Beinkleidern", aber in Wahrheit ist sie eine Behausung, und Behausungen fliegen nicht, auch nicht in Augsburg. Ähnlich gespenstisch die Sache in England. Dort fand ein Pensionist im Garten eine Flunder, drei Kilometer von der Küste entfernt, lebend! Kein Mensch weiß, wie sie den Weg zurücklegte, nicht einmal der Pensionist, obwohl der über zwanzig Jahre bei der Marine war. Wenn es mit rechten Dingen zuginge, wären Lederhose und Flunder derzeit in Gesellschaft von Abermillionen fliegender Kinder, die es Harry Potter gleichtun wollen. Das hängt mit Quidditch zusammen, einem Spiel für Hexen und Zauberer, bei dem es die drei Ballarten Quaffel, Klatscher und Goldenen Schnatz gibt, jedoch nur eine Methode, um damit virtuos umzugehen: Man muss auf einem Besen fliegen können. Abgesehen davon, dass das Besenreiten erst gelernt sein will, legt die Wirklichkeit dem Märchen ein zusätzliches Hindernis in den Weg. Die global verfügbaren Besen reichen für die flugwilligen Kinder nämlich bei weitem nicht aus, und der ärmliche, aber ehrenwerte Beruf des Besenbinders ist im Zuge diverser High-Tech-Offensiven einfach ausgestorben. Bleibt zu hoffen, dass die letzten paar Besen nicht in die Hände respektive unter die Hintern der SPD geraten und es ihr am Ende doch noch ermöglichen, in familienpolitischer Verblendung "die Lufthoheit über den Kinderbetten zu erobern". Es ist, da wir gerade beim Fliegen sind, kürzlich wissenschaftlich bewiesen worden, was jedermann seit einer Ewigkeit weiß: dass ein Stein, der flach übers Wasser geworfen wird, desto öfter aufhüpft, je schneller er geworfen wird. Herausgefunden hat dies Lydéric Bocquet, Physikprofessor zu Lyon, und er hat auch ein Beispiel durchgerechnet. Wenn man den Weltrekord von 1992 (38 Hüpfer) nachstellen wollte, müsste man einen Stein von 10 cm Durchmesser mit einer Startgeschwindigkeit von 40 km/h und mit 14 Umdrehungen pro Sekunde werfen. Welchen Durchmesser hat eigentlich eine Flunder? Wir fragen das, weil nicht auszuschließen ist, dass die erwähnte englische Flunder von einem Zauberer mit ungeheuerem Tempo und Drall derart landeinwärts geworfen wurde, dass sie nach vielleicht 150 Hüpfern im Garten des Marinepensionisten landete. Für den Flug der Augsburger Lederhose ist das freilich noch lange keine Erklärung.