(SZ) Als Friedrich Nietzsche eines Morgens zuerst seinen linken Fuß aus dem Bett gestellt hatte, fiel ihm prompt eine freudlose Bemerkung ein. "Wäre ich ein Gott", notierte er, "würden mich die Ehen der Menschen mehr als alles andere ungeduldig machen." Lange könnte man da ins Grübeln kommen, vor allem darüber, ob wir uns wirklich einen Gott vorstellen sollen, den man mit keifenden Eheleuten ungeduldig machen kann und ob es sich dann noch um Gott handelte. Andererseits, wäre es so, müsste man sich über die aktuelle Zunahme manch himmlischer Temperamentsausbrüche, über Taifune, Erdbeben, Überflutungen nicht länger wundern: zu wenig gute Eheberatung auf Erden. Allerdings stimmt vielleicht die Prämisse nicht. Soeben hat dpa eine Meldung mit dem Titel verbreitet: Heiraten macht glücklich, und die dürfte manches Paar irritiert haben, welches das noch gar nicht mitgekriegt hatte. Wie sich zeigte, stützte sich die Meldung auf den australischen Psychologen David de Vous, der in einer Studie herausgefunden hatte, es profitierten die Ehefrauen glücksmäßig von der Ehe genauso wie die Männer, nämlich sehr. Wie jetzt? Musste man das ernst nehmen? Oder hing alles damit zusammen, dass in Australien die Leute auf dem Kopf stehen und deshalb auch die Glückshormone dort an ungewöhnlichen Plätzen zusammenrinnen? Im Lichte Nietzsches muss der nächste Buschbrand in down under außer von der Feuerwehr sowieso umfassender untersucht werden: Wurde der heimkehrende Jäger einmal nicht genug gelobt, als er das erlegte Opossum nach Hause brachte? Oder hat er gar versucht, den Braten nachzusalzen? Gegen ein solches Misstrauensvotum für die Köchin hülfe kein Psychologe und kein Gott. Wie es der Zufall will, ist soeben (Du bist mein Augenstern) ein erhellendes Buch von U. und S. Lebert auf den Markt gekommen, in dem Ehe-Verläufe aus dreißig Jahren nachrecherchiert und bilanziert werden. Und die Bilanz? Es scheint nicht zu beweisen zu sein, dass die Unterbringung von immer mehr Eheschließungen in immer weniger Lebensläufen das Gesamtgewicht des Glücks in der Welt vermehrt; womöglich wird gar nichts besser, wenn auch der dritte Ehemann hintereinander dazu erzogen werden soll, seine schmutzigen Socken selbst auseinander zu rollen. Am interessantesten äußert sich ein Münchner Therapeut, der strikt von der Illusion abrät, man könne Ehe-Streit durch immer noch eine Aussprache heilen. Sein Rat (Warten, bis es vorbei geht) führt uns wieder in den fünften Kontinent, in dessen Weiten es sich ungestört warten lässt und wo der Ureinwohner viel zu maulfaul ist für ständiges Hinterfragen. Es ist also die Ruhe, welche die Ehen glücklich macht. Wenn sie dann noch hilft, den mürrischen Gott geduldiger zu machen...