[1] Wehe mir, denn es geht mir wie denen, die Obst einsammeln, die bei der Weinernte Nachlese halten: Keine Traube mehr gibt es zu essen, keine Frühfeige, nach der doch meine Seele verlangt! [2] Der Getreue ist aus dem Land verschwunden, und es ist kein Redlicher mehr unter den Menschen. Sie lauern alle auf Blut, jeder jagt seinen Bruder mit Netzen. [3] Zum Bösen brauchen sie beide Hände, um es ja recht gut zu machen; der Fürst fordert, und dem Richter ist es um den Lohn zu tun; der Große sagt, wie er es haben will, und danach drehen sie 's! [4] Der Beste von ihnen ist wie ein Dorn strauch, der Redlichste schlimmer als eine Dornhecke. Doch der Tag, den deine Wächter schauten, deine Heimsuchung ist gekommen; da werden sie nicht aus noch ein wissen! [5] Verlasst euch nicht auf den Nächsten, vertraut dem Verwandten nicht; bewahre die Pforte deines Mundes vor der, die in deinen Armen liegt! [6] Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter erhebt sich gegen die Mutter, die Schwie gertochter gegen ihre Schwiegermutter; die Feinde des Menschen sind seine [ei genen] Hausgenossen! [7] Ich aber will nach dem HERRN ausschau en, will harren auf den Gott meines Heils; mein Gott wird mich erhören. [8] Freue dich nicht über mich, meine Feindin! Denn wenn ich auch gefallen bin, so ste he ich doch wieder auf; wenn ich auch in der Finsternis sitze, so ist doch der HERR mein Licht. [9] Den Zorn des HERRN will ich tragen - denn ich habe gegen ihn gesündigt -, bis er meine Sache hinausführt und mir Recht verschafft; er wird mich herausfüh ren ans Licht; ich werde mit Lust seine Gerechtigkeit schauen. [10] Wenn meine Feindin das sieht, wird Schamröte sie be decken, sie, die zu mir sagt: "Wo ist der HERR, dein Gott?" Meine Augen werden es mit ansehen; nun wird sie zertreten wer den wie Kot auf den Gassen. [11] An dem Tag, da man deine Mauern baut, an dem Tag wird deine Grenze weit werden. [12] An jenem Tag wird man zu dir kommen von Assyrien und von den Städten Ägyptens und von Ägypten bis zum [Euphrat] Strom, von Meer zu Meer und von Berg zu Berg. - [13] Aber das Land wird zur Wüste werden um ihrer Bewohner willen, um der Frucht ihrer Taten willen. [14] Weide dein Volk mit deinem Stab, die Schafe deines Erbteils, die abgesondert wohnen im Wald, mitten auf dem Kar mel; lass sie in Baschan und Gilead wei den wie in uralter Zeit! [15] Ich will sie Wunder sehen lassen, wie zu der Zeit, als du aus dem Land Ägypten zogst! [16] Die Heidenvölker werden es sehen und zuschanden werden trotz aller ihrer Macht; sie werden ihre Hand auf den Mund legen, und ihre Ohren werden taub sein. [17] Sie werden Staub lecken wie die Schlange, wie die Kriechtiere der Erde; sie werden zitternd aus ihren Festungen her vorkriechen; angstvoll werden sie zu dem HERRN, unserem Gott, nahen und sich fürchten vor dir. [18] Wer ist ein Gott wie du, der die Sünden vergibt und dem Überrest seines Erbteils die Übertretung erlässt, der seinen Zorn nicht allezeit festhält, sondern Lust an der Gnade hat? [19] Er wird sich wieder über uns erbarmen, unsere Missetaten bezwin gen. Ja, du wirst alle ihre Sünden in die Tiefe des Meeres werfen! [20] Du wirst Jakob Treue erweisen und an Abraham Gnade üben, wie du unseren Vätern von den Tagen der Vorzeit her geschworen hast.