Project Gutenberg's Heloise : ein kleiner Roman, by Karoline von Woltmann

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Title: Heloise : ein kleiner Roman

Author: Karoline von Woltmann

Editor: Karl Ludwig von Woltmann

Release Date: February 15, 2015 [EBook #48262]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HELOISE : EIN KLEINER ROMAN ***




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  Heloise

  ein kleiner Roman

  herausgegeben
  durch
  Karl Ludwig von Woltmann.

  Berlin,
  bei Johann Friedrich Unger.
  1809.




Vorrede.


Im Jahr 1804 erschien ein liebliches Produkt, Euphrosyne, worin
zarter und tiefer Geist die schnsten Geheimnisse des weiblichen Herzens
ausgehaucht hatte.

Aber eine drftige Fabel und nichtige mnnliche Charaktere waren eine
unangenehme Erscheinung in dem reinen Aether, welcher durch genialisches
Gefhl und gedankenvolle Phantasie hingestrmt war.

Jene herbe Masse ist nun hinweggenommen, und eine bestimmte Wirklichkeit
ist nur in soweit angedeutet, als die Empfindung, derselben wie eines
Anlasses bedarf, um sich auszusprechen. Das Gefhl ist sich hier selbst der
Gegenstand, und das Heldenmige in dieser Dichtung ist nicht der Geliebte,
sondern die Liebe.

Dadurch wird zugleich das tiefste Geheimni des weiblichen Herzens
verrathen, nmlich, da es mehr um die Liebe, als den Geliebten sorget, es
jener in ihrer schnen Eigenthmlichkeit bedarf und in ihr selig ist, wenn
der Geliebte in der Wirklichkeit dem Bilde des zarten und tiefen Busens
auch wenig entsprechen sollte.

Alles hat das weibliche Gemth, welches hier redet, durch die Liebe
begriffen, und diese ist das Genie, welches hier schaffet.

Das jugendliche Herz, dem zuerst eine Wirklichkeit gegeben wurde, aus
welcher die Phantasie schlechterdings keinen Geliebten bilden konnte,
giebt seine Liebe an die Natur und die Sehnsucht. Dadurch bekommt sie etwas
Allgemeines und Wehmtiges, und so ist der Grundton der ganzen Dichtung
angegeben, welcher selbst aus dem Jubel ber den gefundenen Geliebten
hervorhallt. Er bleibt wie ein Glockenklang, der von dem Grabe herkommt, in
welches die Freuden dieser Liebe frh versinken sollen.

Selbst diesen Freuden entzieht sich die Geliebte, um der Freundin
wohlzuthun. Das weibliche Gemth kann die Wonne der Liebe, nur nicht die
Liebe aufopfern, um Pflicht und Wohlwollen zu ben.

Die Sprache dieses Buchs ist wie die Liebe selbst. Heloise heit seine
Ueberschrift; denn dieser Name ist Symbol fr die weibliche Liebe geworden.

Berlin im December 1808.

  Woltmann.




I.


So hat denn der Tod das Band einer unglcklichen Ehe gelset, und ich bin
Wittwe, bin frei. Ist es Betrbni, was ich empfinde? Die Freude wenigstens
ist meinem Herzen ferner, als der Gram: ich bin sanft zur Wehmuth gestimmt.

Auch wenn man nicht glcklich im ehelichen Verhltni war: so schlingen
doch tausend Erinnerungen, worin des Gatten Bild verwebt ist, tausend
kleine Gewohnheiten, die auf ihn Bezug hatten, ein Band um Vermhlte,
dessen Auflsung dem fhlenden Herzen schmerzlich wird. Das Licht der
gesenkten, verlschenden Fackel, fllt auf das Gute des Sterbenden, auf
unser Unrecht gegen ihn; und der Schatten des Todes bedeckt seine Fehler.
Ich habe nie am Abend meinen Gemahl verlassen knnen, wenn er mich
beleidigt oder gekrnkt hatte, ohne ihm vershnt eine gute Nacht zu
wnschen; und nun sollte er den langen Todesschlaf schlummern, ohne da
ich ihm vergbe, ihn von ganzem Herzen beweinte? Ich habe nie seinen
Tod gewnscht: das Gefhl des Daseyns, das ich am Busen der ewigen Natur
dankbar mit jedem Athemzug der balsamischen Luft in meine Seele trank; das
Gerusch der leisen ahnungsvollen Stimmen der lebendigen Schpfung, das
mich oft in Trume wiegte, und meinen Geist in schwellender Sehnsucht nach
einem unbekannten Etwas, durch das weite Weltall hinauf zum Vater der Liebe
trug; dies alles soll er nicht mehr empfinden? diese Luft nur das Gras auf
seinem Hgel berhren? diese Tne sollen ber sein Grab verklingen, ohne
da sie ihn wecken; und ich soll ihn nicht beklagen? mich nicht anklagen,
da durch mich sein Daseyn nie so s ward, als ich es ihm htte machen
knnen? Nein, Guter! ich darf nicht sagen, Geliebter! wenn dein Geist von
mir wei, so nimm in meinen Thrnen, in Deinem unentweihten Andenken, den
letzten Zoll der Freundschaft, der Achtung!

Es ist mir, als mte er in jenen Gefilden, eine Ahnung von meinem Kummer,
und Freude daran haben. Wir alle scheiden doch ungern aus dem Lebensreiche,
ohne betrauert zu werden; und sanft und freundlich geleitet der Gedanke an
den Schmerz der Hinterlassenen, uns hinab in das stille Land des Friedens.




II.


Meine Lage wird sich verndern, und ungern vertausch ich das Land mit der
Stadt, ungern meine stille Freiheit mit den Fesseln, worin die Gesellschaft
mich schmieden wird. Hier sah ich Menschen, wann ich wollte, und kehrte in
meine Einsamkeit wieder zurck, so bald es mir gefiel. Diejenigen, welche
mich umgaben, waren lebendig genug, mich so lange zu fesseln, als sie
gegenwrtig waren; doch ihre Abwesenheit lie keine Leere in meiner Brust
zurck. Ich fand mich immer gern selbst wieder, unter meinen Bumen, meinen
Blumen, am Busen meiner ewigen Freundin, der Natur. Wenn vor mir die Sonne
gro und glnzend hinuntersank; wenn leichte Abendflocken sich um sie
drngten, und von ihrem Scheideblick angelchelt, sanft verglhend durch
den stillen Himmel zogen; vor mir alles Glanz und Glut war, und hinter
mir das Thal von dunkelblauen Bergen eingeschlossen, in duftiger, ruhiger
Dmmerung schwamm, wie eine schne Vergangenheit; zu meiner Rechten
der Strom den Abendhimmel in klaren Wellen zwischen den ppigen Ufern
dahintrug: wie habe ich mich da selig, nher allem Groen und Guten
gefhlt! Wie strebte mein innerstes Wesen, hinauszudringen aus dem Kerker,
sich ganz in sie zu ergiessen, sie ganz zu fassen, die gttliche Natur.
Diese Freuden mu ich nun entbehren, und welchen Ersatz beut mir die Stadt?

Ich bin ungerecht! komme ich nicht zu einer Freundin, die meine Jugend
erzog?

Schnes Land, das ich verlasse, freundlicher Flu, ahnungsvolle Berge,
schnes himmlisches Land, ein Land der Sehnsucht wirst du mir seyn, wenn
ich entfernt von dir nun leben werde.




III.


Jenen Augenblick vergessen? und wre es mglich, sein Glck zu vergessen?
Wie oft, in Gedanken, habe ich ihn aufs neue durchlebt; meine Seele hat ihn
aus dem Flug der Zeit gerettet, und ewig festgehalten.

Es war der schnste Sommermorgen. Bunte Schmetterlinge flatterten im
Sonnenstrahl zwischen dem klaren Himmel, und der tausendfarbigen Wiese
umher, schwangen sich auf, und sanken nieder, wechselsweise vom Himmel
und von der Erde angezogen. Ich schlich ber die Wiese meinem Wldchen zu.
Lieblich spielte um mich das wechselnde Grn des Laubes, vom Winde
durch einander bewegt, Vgel schlpften durch die Zweige, ihr frischer
abendtheuerlicher Waldgesang ertnte nah und fern, und unterbrach die
Stille und das summende Geschwirr der Insekten. Und ich lie mich von
diesen Eindrcken allen, hinschaukeln in die selige Trumerei ihres
Genusses, dessen Flle immer regsamer, und durch das ferne Murmeln des
Waldbachs immer geistiger wurde.

Da lag der Held, ber die Quelle gebeugt: mit den edlen Zgen gaukelten
die Gewsser, und er lschte seinen Durst, den klaren Kristall mit der Hand
schpfend. Seine Flinte ruhte im Grase, und zwei schne Doggen spielten um
ihn her.

Ohne Theilnahme hatte ich von seinem Aufenthalt in der Gegend gehrt. Ich
sah ihn zum ersten mal, und doch war er mir, als htte ich ihn schon lange
gekannt. Er begleitete mich aus dem Gebsch; als wir die Wiese erreicht
hatten, verlie er mich mit groem Blick, und verschwand bald in den
Bumen.

Erst als er fort war, empfand ich die Leere, welche nun in mir war. Immer
wiederhohlte ich mir seine Worte, und ahmte die liebe Stimme nach.

Er verlie die Gegend: ich sah ihn nicht wieder. O Theurer! wo du auch
weilest, meine Seele ist bei dir!




IV.


Die Vernderlichkeit unsrer Empfindungen, unsrer Meinungen, unsrer
Ansichten, ist mir der demthigendste Beweis unsrer Unvollkommenheit. Julie
hat zuerst meinen Geist gebildet, bis zu meinem sechzehnten Jahre blieb
ich ihrer Leitung berlassen; und welchen Unterschied der Denkungsart haben
sechs Jahre bewirkt. Vergebens berhre ich Saiten, deren Einklang mich
einst beglckte, vergebens suche ich an ihrer Gestalt alle wohlbekannten
Zge auf: sie ist ganz verndert, auch ich bin nicht mehr dieselbe.
Herausgetreten ist sie in die Welt, ihr Ruhm hat sie schadlos gehalten
fr die Marter einer unglcklichen Ehe. Ihres Gatten Reichthum und Rang
ersetzten ihr die Quaal seiner Unertrglichkeit; sie ist ihm treu, und
allen ihren Pflichten.

Doch ein Gut verlangt das menschliche Herz, das seine Ansprche auf
Glckseligkeit befriedige, woran es mit ganzer Seele hange.

Der Mutter sind das Kinder; wenn alles fr sie verloren ist, auf diese
bertrgt sie ihre Ansprche, in diesen erblhn aufs Neue ihre Hoffnungen,
ihre Freuden. Die Jugend, welche ihr Schicksal schon dahin genommen,
besitzen ihre Lieblinge noch als Zukunft; dem sie entsagte, darauf drfen
ihre Kinder hoffen; sie segnet ihre Leiden, denn die Erfahrungen, welche
sie damit erkauft hat, tragen Frchte fr Jene.

Julie blieb kinderlos, und ihr Ansehen in dem Zirkel, der sie umgiebt,
der allgemeine Ruf der Liebenswrdigkeit und Tugend, welcher ihr Haus
zum Sammelplatz des ausgezeichneten Verdienstes, wie der ausgezeichneten
Thorheit macht, die Achtung, der Beifall der Herrschenden, haben sie fr
eheliches Glck, fr Mutterfreuden schadlos halten mssen.

Auch mir ward beides nicht; doch wie verschieden war unsre Lage. Ich folgte
dem Manne, den ich nicht liebte, nicht lieben konnte, auf ein einsames
Landgut; mich entschdigte die Natur um mich her. Eine se Schwrmerei,
Sorgen fr das Wohl meiner Unterthanen, und das Bild, das verschwebende
Bild jenes Mannes, das bei mir vorberzog, und eine unendliche Sehnsucht in
mir zurcklie: sie haben mein Herz erfllt, mich beschftigt und beglckt.
Ich kannte die Ruhe, und ich hatte sie nicht mit Leiden erkauft: wie
duftige Wolkengebilde schwanden die Tage an mir vorber, und jeder gewhrte
mir den unendlichen Genu der Sehnsucht. Aus diesem Frieden eilte ich zu
der Freundin, von der ich vor sechs Jahren mit allem Schmerz mich trennte,
und sechs ereignireiche Jahre liegen zwischen uns, die mit ihrem Wechsel
und ihren Erinnerungen, unserem Wesen eine andre Richtung gaben.




V.


Das unertrgliche im ehelichen Leben sind nicht die groen Fehler, wozu
eine heftige Leidenschaft verleitet; in ihnen ist eine Groheit, deren
Gefhl die Phantasie unter den Leiden, welche von ihnen kommen, erhebet.
Jene kleine Schwachheiten der Mnner sind es, die immer wiederkehren, und
in allen ihren Schattirungen, immer neu und zuwider sind; die das
Gefhl verletzen, das Herz erklten, jede schne Blte des Enthusiasmus
vernichten, bis de Leere an die Stelle des Wohlwollens tritt.

Stolz ist der allgemeine Hauptzug im Charakter der Mnner, aber gem der
Kraft des Gemthes, wird er die Veranlaung zu den grten, oder gemeinsten
Handlungen. Der starke Mann erhebt durch seinen Stolz die edelsten
Krfte der Seele, wie die Eiche die edelsten Sfte der Erde hinauf in die
Himmelsluft treibt. Bei dem Schwchling, von beschrnkten Ansichten, von
geringer Erregbarkeit, artet der Stolz in Starrsucht aus, oder in Selbsucht
und Eitelkeit, und qult die Guten, welche ihm nahe sind, und gegen deren
Einflu ihn ein kaltes Herz schtzt, zu welchem nur Schwchen fhren.




VI.


Ich werde nie Gewalt ber Menschen erlangen, die mir lieb sind. Julie hat
keinen Einflu auf meine Denkart, und doch folg' ich, aus Furcht ihr wehe
zu thun, fter ihrer Neigung als der meinigen. Sie legt so viel Gewicht auf
die Kleinigkeiten der Gesellschaft, und ich so wenig; sie findet so ganz
ihr Glck darin, ich mu ihr nachgeben, ich wrde sie krnken, tht' ich
es nicht, und opfere so wenig, es zu thun; -- und doch, wie manche schne
Stunde bringe ich ihr zu Liebe in der Gesellschaft hin, die ich wie gern
und selig auf meinem einsamen Zimmer, mit meinen Erinnerungen, mit meinen
Bchern verschwrmt htte. Am liebsten kehrte ich zurck auf mein Landgut,
aber Julie, deren Freundschaft der Gedanke unglcklich machen wrde, da
man etwas ber meine dortige Einsamkeit reden mgte, aus welchem Grunde sie
auf mein Herkommen drang, hlt mich hier zurck. Vergebens sehne ich mich
nach der stillen Freiheit meiner Wlder, nach meinen ahnungsvollen Bergen,
welche die Erde hinauf zum Himmel heben, auf deren starker Brust er liebend
ruht.




VII.


Stille, mein Herz, er ist da! ich hab' ihn wieder, ich hab' ihn gesehen,
ich werde ihn tglich sehen! -- ihn sehen -- o gtiger Himmel, wie reich
an Freuden ist mein Daseyn! Hat sich meines Lebens schnster Traum
verwirklicht?




VIII.


Es giebt kein himmlischeres Gefhl, als mit der Hoffnung eines Glckes
erwachen. Hell und freundlich, ein ganzes kleines Leben, liegt der Tag
vor uns da. Mit sehnender, lieblicher Unruhe tritt man rasch und freudig
hinein, und jede kommende Stunde windet eine neue Blume in den schwellenden
Freudenkranz, bis endlich die schnste erscheint, in der _seine_ Nhe das
berglckliche Wesen mit all ihrem Zauber ergreift. Wie erwartete ich den
Nachmittag mit Sehnsucht: kein Augenblick verging, ohne das Bild dieser
Stunde, ohne sein Bild! Bei jedem Wagen, der vorfuhr, bei jedem Tritt im
Vorgemach, zuckte ein ses Bangen durch meine Glieder, und fesselte den
Athem in meiner Brust. Und als er kam! wie strmte mein Herz, wie rang mein
Bewutseyn, wie war ich berwltigt von aller Liebe.

Und Julie empfing ihn kalt, und hflich wie jeden Fremden. Ihre Klte
gab mir Besonnenheit. Es giebt Gemther, die auch nichts ergreift! nie
berschreiten sie die Grenzen des Anstandes, und selbst das Herz treibt sie
nicht darber hinaus.

Er sa mir gegenber, ich hrte seine Stimme, und wie ein mchtiger Strom
ergriff mich ihr Umfang, ihre Gewalt. Die Gedanken schienen mir grer,
khner die Bilder, von seinen Tnen getragen. Seine Gestalt, wie erhaben!
welche Glut auf seinen Wangen, seinen Lippen! Fest stand er, als sei die
Erde sein Gebiet, das Haupt wiegte sich auf dem geschwungnen Halse, khn
und frei strebten die Augenbraunen ber die groen Feuerblicke. Ich konnte
mich nicht losreissen von dem Zauber der Hoheit; ich wollte sprechen,
allein mir fehlte die Luft; und ein flchtiges Roth, flog bei jedem
einzelnen Wort, das ich sagte, ich fhlt' es, flammend ber mein Gesicht.
Schweigend staunte ich ihn an, wie man dem Fluge des Adlers in den Wolken
aus tiefem Thale nachschaut. Und als er fort war, -- o welche Unruh,
welches Treiben.




IX.


Ich habe alle Wesen lieber, seit er mir theuer ist. O! ich kann begreifen,
wie ein hheres, unendlich hheres Wesen, als ich, mit diesem Gefhl Welten
ins Daseyn rief, und erhlt. Das Geheimni der Schpfung, der Gottheit ist
mir enthllt; meine Liebe trgt mich hinauf zu dem Gott der Liebe. Seinen
Athem trink' ich in der reinen Himmelsluft, die meine Brust strkt, wenn
sie diese allmchtige Empfindung nicht mehr fat. Es giebt eine Seligkeit,
die keines Menschen Brust trge, knnt' er sie nicht an deinem Herzen,
unendlich liebende Natur, ergiessen, knnt' er sich nicht das Leblose damit
zum Freund beseelen.




X.


Der schnste Herbstmorgen blickte vom Himmel. Wie ein duftiger weisser
Schleier umhllte Nebel die Stadt; je hher die Sonne stieg, desto
glnzender ward er, und endlich traten golden die Thrme, und ferne
Bergwipfel daraus hervor. Immer tiefer sank der Nebel, und wogte und ballte
sich in den Thlern, zwischen den Bergen. Einzelne Massen ri der Wind
lo, und trieb sie, wie luftige Geisterbilder durch den Aether. Bald war er
verschwunden und glnzte in tausend kleinen Sonnen auf den Grashalmen. Laut
schmetternd begrte das Hfthorn den hellen Morgen.

Sein muthiges Ro stampfte und wieherte, Herz und Sinne waren frisch, Geist
und Seele lebendig! Ach und seine Blicke, seine seligen Blicke, sagten sie
nicht mehr als alle Sprache? O drfte ich sie deuten.--




XI.


Der Garten war erleuchtet, und der Schein der Lampen spielte grn und
golden an den Blttern. Im reinen Aether schwamm der Mond, und warf sein
ruhiges Licht auf die geschmckte bewegliche Masse, die in den Gngen und
Slen wogte; und hell, als wre der Tag hieher geflchtet, schimmerte das
Schlo und ertnte vom Wiederhall rauschender Freude. Nie hab' ich sonst
den Tanz geliebt; er ist ein Fest der Liebe, sie allein verleiht ihm Sinn
und Bedeutung. Aber welch ein Entzcken, von _ihm_ und immer von _ihm_
bemerkt dahin zu schweben, welch ein Meiden und Suchen, welche Freude, wenn
der Augenblick kommt, da eine Berhrung der Hand, flchtig, vorbereilend,
zitternd verrth, was das Herz empfindet; und mit _ihm_ zu tanzen,
auf Augenblicke getrennt, sich immer wieder zu finden, wie Planeten
in verschlungenem Wandel einander zu umkreisen, von schwellenden Tnen
getragen; nur leise im Vorberschweben Hndedruck und Blick zu
wechseln, und dann, von ihm gehalten, von seinem Arm umschlungen, rasch
dahingetragen, von derselben Luft gekhlt!




XII.


O Du! Du! was hat Deine Liebe aus mir gemacht. Ich bin mir selbst in meinem
Innern fremd, und doch find' ich mich in jedem Gedanken, in jedem Gefhl
wieder. Eine unendliche Klarheit erfllt meine Seele, neue khne Gedanken
und Wnsche und Bilder steigen darin auf: neue Krfte beflgeln meinen
Geist, ich erstaune ber mich, und doch ist mir so wohl, so unaussprechlich
wohl? So mag den Verklrten seyn, die aus dem dmmernden Todesschlummer
voll lieblicher Lebenstrume in seligen Gefilden erwachen. Ungewohnt
der neuen Vollkommenheit gebrauchen sie schchtern Krfte, die sie nicht
ahneten. Ja, der Keim zu dem was ich mich jetzt fhle, er lag in meiner
Brust, doch _seine_ Liebe, _seine_ beglckende Liebe, hat, wie eine schne
Sonne, ihn hinauf ins Leben gelockt!




XIII.


Diese Wonne, diese unendliche Wonne, seine eigne Seligkeit, tausendfach
im Glck des Geliebten zu genieen! So langsam gedeiht, was man oft mit
Aufopferung fr das Wohl anderer thut; und hier trgt ein Wort, eine se
kleine Handlung, wozu das Gefhl unaufhaltsam hinreit, trgt jede Blte
im Augenblick des Entstehens die lohnende Frucht. Ich lieb' ihn mehr, mgt'
ich meinen, seit meine Liebe ihn glcklich macht. Gern gehe ich in das
Gewhl der Welt hinaus, gern suche ich die Einsamkeit mit der Flle von
Seligkeit in meiner Brust, die mich durch alle Himmelsrume jauchzend
trgt. Ich habe neue Sinne bekommen fr alle Freuden, fr alles Leid; und
trag' ich es nicht mehr, dann nenne ich _seinen_ Namen, das ewige Jubellied
meines Herzens, den einzigen Ausdruck fr das Unaussprechliche.




XIV.


Ich bin so glcklich, so berschwenglich glcklich; wie kann man einem
so glcklichen Wesen zrnen! So lange nun hab' ich ein einsames Daseyn
gefhrt, und nun sollt' ich den Genu, ihm meine Liebe zu zeigen,
darzuthun, da ich stolz auf das Gefhl bin, ihm Freude zu machen, um
nichts geben? Sollte ich die Liebe, wie einen schnen duftigen Strauch vor
mir blhen sehn, und seine reinen Himmelsblten nicht pflcken? mein
Daseyn anders, als in dem Seinigen haben? Mein reines freies Gefhl in
konventionelle Formen zwngen, und der Welt Theil daran geben? Sie hat
keinen daran, alles, alles ist von ihm und mir: ich will nicht von jedem
Unertrglichsten Glckwnsche hren, ber ein Glck, das keiner ahnet.
Ich bin frei, ich werde, ich kann ihn whlen, meiner Liebe steht nichts im
Wege, das sie zum Opfer verlangte, sie krnkt Niemand, sie zerreit keine
Verbindung; warum soll ich mir den unschuldigen Genu versagen, da er sie
als eine freie Gttergabe von mir empfange? Und doch thut es mir weh, Julie
nicht zufrieden zu wissen -- sie ist so gut -- sie meint es so gut mit
mir.--

Knnte sie nur empfinden, wie glcklich ich bin, wie glcklich!




XV.


Ich glaube nicht, da eine Liebe, welcher eine groe Pflicht, welcher auch
nur das Glck eines Wesens geopfert wurde, ganz glcklich seyn kann.
Sie erfllt ja das Herz mit so unendlichem Wohlwollen gegen alle, alle
Geschpfe.

Den ersten heftigen, leidenschaftlichen Ausbrchen der Seligkeit folgt eine
ruhige Stille. In Gesprchen entfaltet sich die Seele, kein Gedanke bleibt
dem Geliebten verborgen, und ein unendliches Vertrauen tauschet Herz gegen
Herz. Wie lieb und immer lieber wird er in solchen Augenblicken, welchen
Genu gewhrt jedes seiner Worte, jede kleine Gewohnheit, jeder Ausdruck,
den er gern gebraucht, welcher namenloser Liebreiz ist in seinem Sprechen,
seinem Gehen, seinen Bewegungen. Ich knnte Tage lang ihm so mit meinen
Blicken, mit meiner Seele folgen, und in der grten Einsamkeit ganz allein
mit ihm wrd' ich glcklich seyn; denn wer ergrndet je den geheimnivollen
Zauber seiner Liebenswrdigkeit? O mein Gott! rufe ich oft mit Thrnen
und drcke die Hnde auf meine beklemmte Brust, warum mir, mir so viel
namenloses Glck! -- Und der Wunsch, das glhende Gebet, da solches Glck
allen Seelen werden mge, wirft mich vor den Allmchtigen nieder.

Knnte ich so selig seyn, trbte der Gedanke an eines Geschpfes Unglck,
das ich verschuldet htte, mein Bewutseyn?




XVI.


Es giebt kein seres Gefhl als die Bande, womit die Liebe zu ihm mich an
diejenigen fesselt, die ihm theuer sind; keinen holderen Schmerz, als die
Theilnahme an Leiden, die ihn einst gekrnket. Wie lieb ich seine Aeltern
habe, die ich doch nicht kenne, seine Geschwister, seine Untergebene,
die groen Schaaren die sein Geist anfhrt. Unser Gesprch bringt uns oft
zurck in die Vergangenheit, mit stiller Wehmuth blicken wir aus unsrer
schnen Gegenwart darauf hin. Die Erinnerungen verlebten Kummers,
verklungener Freuden gehen an uns vorber, wie liebe traurige Freunde. Er
hat eine Freundin verloren, und sprach von ihr mit besiegtem, unvergessenem
Schmerz. Es war mir als wren wir mit einander erwachsen, als htten
wir von Kindheit auf mit einander gelebt. Mein Herz zitterte, da wir uns
trennten. Ich warf mich an mein Fenster, und badete die glhende Brust
in der Nachtluft. Meine Phantasie wandelte die fliehenden Wolken, in die
Gebirge seines Vaterlandes, und zeigte mir bald diese, bald jene Scene
aus seiner Kindheit. Ach! alle meine eignen Gedanken ketten mich
unaussprechlicher an ihn.

Wie ich so lag, hrte ich Schritte ber meinem Haupte, die zum Fenster
eilten. Es war sein Tritt. Er stahl sich aus der Mnnergesellschaft, zu
welcher er bei Juliens Gemahl geladen war, in die Einsamkeit, den Schein
der Kerzen aus meinem Gemach auf den nchtlichen Rasen zu erblicken.

Die Natur schwieg, Sterne traten aus den zerrissenen Wolken, ich hrte das
Gerusch seiner Bewegung in dem Fenster ber dem Meinen; der Baum verbarg
mir die dunklen Umrisse seiner Gestalt, aber ich fhlte seine Nhe; ich
wagte nicht ihm zuzurufen; ein kleines Gedicht fiel mir ein, das ich einst
irgendwo gelesen, ich sang mit leiser Stimme: nur bei Dir weilt meine
Seele! Er vernahm mich, er flsterte meinen Namen durch die Aeste. Da
hrte ich Schritte die zu ihm traten, eine fremde Stimme, und lauter
vernahm ich die seine, in einem ernsten Gesprch.

O welch ein Entzcken, seine Rede zu belauschen! knnte ich ihn unsichtbar
umschweben, welch ein Glck! Ich htte gewnscht zu sterben: beklagt, von
ihm beklagt zu werden, und um ihn zu schweben, ein waltender Geist!




XVII.


Jedes Verhltni der brgerlichen Gesellschaft ist in seinem Ursprung so
rein, so schn, so auf die natrlichsten Gefhle gegrndet, da das
dunkle Gefhl hievon, ihm selbst in dem ausgeartetsten Zeitalter seine
Ehrwrdigkeit erhlt. Nie habe ich das so lebendig empfunden, als seitdem
ich liebe, und am lebendigsten empfinde ich es von dem ausgeartetsten aller
brgerlichen Verhltnisse, von der Ehe. Sie ist ein Versuch des edelsten
Bedrfnisses, die Freuden vollkommenerer Naturen auf die Erde zu
verpflanzen, dem hchsten Gefhl der Sterblichen, der Liebe, seine einzige
Unvollkommenheit zu nehmen, den Wechsel.

Immer um den Geliebten leben, zu Einem Zweck mit ihm verbunden,
unauflslich an ihn gefesselt, Mutter seiner Kinder seyn, Kummer und
Lust mit ihm theilen, seinen Namen fhren, und alles doppelt und dreifach
lieben, was uns umgiebt, weil alles ihm angehrt; nur durch den Tod von ihm
getrennt, und bei dem Volke, das den Sinn der Natur am treusten in seinen
Mythen und Gesetzen aufbewahrt, nicht einmal durch den Tod!

Wehe dem, der den edlen Zweck verlugnend, dieses Verhltni, zum Dienste
der Habsucht, des Hochmuthes herabgewrdiget hat.




XVIII.


Ich bin weit ernster gestimmt, seit ich ihn liebe, und ich wei selbst
nicht, wie es kmmt. Der Zweck des Lebens, die Vollkommenheit, das Glck,
wird mir immer deutlicher, und bringt mich den Menschen nher. Ich bin
besonnen und ruhig. Sonst war die Gegenwart mir ein reiches Gebiet, der
Augenblick beherrschte die Stimmung meiner Seele. Bald ri mich eine
unerklrliche Sehnsucht fort, bald berlie ich mich einer eben
so unbegreiflichen Freude. Die Zukunft erschien mir nicht, mit der
Vergangenheit, der Gegenwart, und allen Schicksalen der Welt, weit umher,
ein groes Ganze; es waren einzelne Stcke, die sich nach jedesmaliger
Laune meine Phantasie ausgemahlt hatte: bunt oder schwarz, dunkel oder
hell. Das ist jetzt Alles viel anders.




XIX.


Es geschieht so viel Groes um mich her, und nur in Bezug auf _seinen_
Antheil, auf unsre Liebe, nehme auch ich daran Theil. Dieses Schicksal der
Welt kann uns trennen.--

O warum ist grade der Muth die Eigenschaft des Mannes, welche das
weibliche Herz am unwiderstehlichsten fesselt! Sie giebt uns ein Gefhl von
Bewunderung, von Sicherheit der Schutzbedrftigkeit, im Arme des Geliebten,
das unser Wesen in Schwung, Kindlichkeit, und ruhige Hingebung auflset.
Vertrauend legen wir unser Geschick in die Hnde des Starken, wie ein Kind
seine Schtze in den Schoo der Mutter niederlegt.




XX.


Ja, ich war zu glcklich! Ein Maa von Seligkeit, wie ich geno, ist unsrem
armen Geschlecht nicht beschieden; und die Zukunft rcht so gttliche
Stunden. O Gott! konnte dieser glckliche Zustand nicht dauern, warum
endete ihn nicht mein Tod? Warum trug dieser, ein freundlicher Engel, mich
nicht sanft aus einem Himmel in den andren?

Noch fasse ich den Gedanken nicht: ohne ihn seyn! und meine Seele schaudert
davor zurck, wie vor dem Hauche der Vernichtung.




XXI.


Immer nher rckt die furchtbare Stunde des Abschieds; ich kann sie nicht
aufhalten; unthtig sitze ich hier und sehe dem Schlage entgegen, der all'
mein Glck zertrmmern soll. Die Stunde ist noch nicht bestimmt, und die
Hoffnung ruhet so fest an meinem Herzen, das mir ist als drfte ich noch
hoffen. Ich wei es, ich wei es gewi, da er mich verlt; allein es ist
mir wie der Tod, gewi und unglaublich. Die Kraft kann den Gedanken ihrer
eignen Vernichtung nicht denken, das wre vernichtet seyn, und denken
ist leben: und auch die Hoffnung schwindet erst mit dem Leben. Aber meine
Freuden sind mir doch getrbt, jede seiner Liebkosungen lockt mir Thrnen
in die Augen, und wie ein drohendes Gespenst mischt sich die Furcht, ihn zu
verlieren, zu dem Glcke, ihn zu besitzen.




XXII.


Morgen frh! O wie wnschte ich sonst der Nacht Flgel, wie froh habe ich
dem ersten Sonnenstrahl von meinem Lager entgegengelauscht, wie freudig ihn
begrt, wenn er mein Zimmer rthete; dem Klange der Glocken, gelauscht,
die erst ganz entfernt, dann nher und nher die Morgenstunde lauthallend
verkndeten, und mich gefreut ber das Gerusch des Tages, das in den
Gassen erwachte. Mein Zimmer ward hell, und heller, und ich verhllte mein
Haupt in die Kissen vor der einbrechenden Klarheit, und mahlte mir mit
Farben der Phantasie den schnen Tag der vor mir lag. So schlief ich oft
unter lachenden Bildern wieder ein, und der Schlaf lag mit seinen Trumen
ber meinen Sinnen wie ein duftig gemahlter Schleier, den ich mit einem
Blick zerri, da ich frisch und freudig hinaus in das Leben trat, wo
mich die schne Wirklichkeit liebend umfing. Das ist dahin, -- die Glocken
werden schlagen, der Tag wird diese einzige Nacht verscheuchen, die noch
zwischen mir und dem grenzenlosen Elende liegt. Die Stunde, ach die letzte!
wird im ganzen Gefolge ihrer Schrecken erscheinen. O da ich einschliefe,
und nie wieder erwachte.




XXIII.


Schon acht Tage ist er fort, und ich trage meinen stummen Schmerz in der
zerrissenen Brust umher. Die Zeit schleicht dumpf und trbe ber mein Haupt
dahin; die Gegenstnde, welche er berhrte, haben sich nicht verndert,
allein ihre Seele ist entflohen, sie starren mich wie Leichen an. Htte ich
ihn doch nur ein einziges Mal gesehen, nur Abschied von ihm genommen; htte
ich meine Natur gezwungen, dem Schmerze nicht zu erliegen; ich htte mit
dem letzten Blick, sein Bild in meine Seele gesogen, und unter diesem
lieben Bilde wre mir der Tod erschienen; denn gewi, er htte mit seinem
letzten Ku auch das Leben von meinen Lippen gekt. Warum mute ich zu
dieser langen qualvollen Angst erwachen aus dem Todesschlaf, der mich
umhllte? Hier bin ich nun, weich gebettet, die Freundschaft wacht bei
meinem Krankenlager; und er, der se Freund, ruht vielleicht, sein Haupt
auf harten Steinen.

Ich mogte nie eine Freude allein geniessen; seit ich ihn kenne, ist mir
keine geworden als nur von ihm: und mich umgeben alle Bequemlichkeiten des
Lebens, und alle fehlen ihm. Unfreundlicher! warum mignnt er mir, sein
Schicksal zu theilen.




XXIV.


Ich segne die Krankheit, die mich in den ersten schrecklichsten Tagen des
Leidens auf Juliens Umgang beschrnkte. Nichts ist schmerzlicher, als das
gleichgltige Treiben der Menschen um uns her, wenn alles dahin ist, was
diesem Treiben Seele und Bedeutung verlieh. Die Natur ist freundlicher, sie
schmiegt sich gern an unsre innere Sinnen, und nimmt von unsrem Gefhl die
Seele, welche sie belebt.

Ein lieblicher Herbsttag lockte mich heute, zum ersten Mal seit seiner
Entfernung, ins Freie. Alles trug den Anstrich sanfter Trauer; die Sonne
stand so bla am Himmel, und warf matte Strahlen auf die Erde, gleich einem
Kranken, der sich mhsam aufgeschleppt von seinem Lager, sich den nach ihm
verlangenden Freunden zu zeigen. Das einst ppige Laub rauschte erstorben
unter meinen Futritten, und hie und dort zitterte falb ein spt erzeugtes
Blatt, das kaum die linde Luft zrtlich bewegte, einsam im rauhen Nord am
Stamme. Ich schlich langsam dahin; Thrnen berstrmten mein Gesicht, als
ich umblickte.

Trift mich nicht das allgemeine Loos alles Glckes, aller Liebe? Erst sinkt
eine Blte, ein Blatt nach dem andern von des Lebens blhendem Getriebe,
und zuletzt sinken wir nach; und wie Wenige haben soviel Glck genossen,
als mir ward. Mit der Dmmerung kehrte ich auf mein Zimmer zurck, und mein
Schmerz war linder geworden.




XXV.


Mein Ruf! Was bin _ich_ denn ohne _Ihn_? durch ihn erhielt mein Leben einen
Zweck, fr ihn opfere, leide ich alles.

O der Theure, mitten in Gefahren, Entwrfen, und Sorgen, denkt er immer
an seine Freundin, sorgt er um sie. Mit welchem namenlosen Schmerz, mit
welcher namenlosen Freude habe ich die theuren Zge seiner Schrift an meine
Lippen gedrckt: die todten Buchstaben lebten, er hatte sie berhrt, sein
Geist, der Geist seiner Liebe athmete aus jeder Zeile.

Von den Bergen fhrt der Bogen einer Brcke hinab in das Thal. Das Gewhl
des Tages war vorber: oben und in der Tiefe waren seine Schaaren gelagert.
Und zwischen ihren Trupps, auf dem steinernen Rand des Gewlbes, schreibt
er an mich, sorgt er mich zu beruhigen, da keine Kunde des Tages mich
frher erreiche, als die, da er siegte, da er lebt, und mich liebt. Wie
ist die Quelle unendlichen Schmerzes, auch die unendlichen Genusses, und
welche se Gabe empfing der Mensch in der Kraft, selbst aus dem Kummer
Freude zu ziehn.




XXVI.


O es ist nicht sein Ruhm, der mir ihn theuer macht. Er knnte der
Unbekannteste seyn; so wie ihn mein Herz fhlt, wird er darin leben, und
ich stiege in jeden Stand mit ihm hinab. Aber da ich sein Lob von Aller
Zungen hre, den Abglanz meiner innigsten Verehrung in Aller Augen
strahlen sehe, das freut, das entzckt mich, das zieht mich wieder in die
Gesellschaft zurck. Sorgsam lenke ich die Unterredung, bis sie auf dem
Punkt ist, wohin ich sie haben mgte; dann entziehe ich mich ihr, und
versenke mich schweigend in die Wonne, von ihm sprechen zu hren, dessen
Andenken meine ganze Seele erfllt; sein theures Bild belebt sich, Schauer
der Lust durchzucken mein Herz. O er kann nicht ahnen, ich kann ihm nicht
sagen, wie namenlos theuer er mir ist. Sagt es ihm kein geistiges Flstern,
fhlt er es nicht an der Luft, die sich liebend an ihn schmiegt, wie auf
dem leichten Fittig der Gedanken meine Seele ihn immer umschwebt? Schon
oft, wenn ich in stiller Nacht, allein auf meinem Zimmer so sehnend an ihn
dachte, hab' ich auf jedes leisestes Gerusch gelauscht, gewhnt, die Zge
seines Bildes bewegten sich, und diese unendliche Sehnsucht mte seinen
Geist zu mir ziehen. Ich denke, ich sehe, ich geniesse ja Alles, nur in
Bezug auf ihn. In dem Himmel, wo mein Blick tief und tiefer in Unendliches
dringt, bis die Gestirne sich von der Flche lsen, und mein Auge ihren
Wandel erkennt, seh ich das Bild unsrer Liebe: in den Wolken, die drohend
aufziehen, das Schicksal, das uns trennt, _seine_ Gefahr. Er! dies
beseligende Gefhl, ist fr mich berall in der reichen Schpfung.




XXVII.


Ich werde ihn sehen! freue dich, mein Herz, du sollst wieder an dem
seinigen schlagen. O holder Winter! Frhlingszeit meiner Hoffnung!
Glcklicher Sieg, der du ihm Rast gewhrest, und mir die Wonne, zu fliegen
an seine Brust. So lange habe ich nun unthtig hier geschmachtet, kein
Sehnen beflgelte den Zug der langsamen Stunden; doch bald, bald kann ich
den Augenblick beschleunigen, der mich zu ihm bringt. Der Athem fliegt
schnell aus der vollen berseligen Brust, die ihn nicht fassen kann vor der
Flle der Hoffnung.




XXVIII.


Ich mu mich beschftigen, um den freudigen Aufruhr in meiner Seele zu
stillen, der mich in ser banger Unruhe umher treibt. Ich habe viele
kleine Arbeiten vorgenommen: sie sind ihm bestimmt. Es ist mir, als wre
ich ihm so nher, und bei der leichten Beschftigung, die meinen Geist
nicht fodert, lae ich mich sanft hintreiben von dem Strome meiner Gedanken
und Gefhle. Und alle wollen zu ihm! Dann springe ich auf, mein Auge
durchforscht auf der Karte die Gegenden, wo er waltet, ich folge dem
Lauf der Strme, ich lese von der Lage, von den Sitten, den Freuden, den
Eigenthmlichkeiten der Orte, wo er verweilt hat. Ich sehe ihn in jeder
Lage, worin sein Beruf ihn versetzt.

Gestern ging ich, nur von einem Bedienten begleitet, zu Fu hinaus vor die
Stadt; das enge Zimmer hatte nicht Raum fr meine Glckseligkeit. Ich ging
nach einer Mhle, wo ich gern bin, seitdem er fort ist. Die Mllerfamilie
lebt so glcklich, so eintrchtig, und heiter; der kleine Hausstand athmet
einen Geist der Behglichkeit und Reinheit, der meinem Herzen wohlthut;
denn die Liebe stimmt das Herz empfnglicher fr den Eindruck jedes
guten Glckes; und bei allem Kontrast dieses stillen Lebens, und seines
thatenvollen, ist doch von seiner Art in diesem Glck. Alle dort s
vertrauerten Stunden traten vor mein Gemth, als ich ber den hartgefrornen
Anger dahinschritt. Mit reger, langentbehrter Hoffnung eilte ich rasch
vorwrts, und je weiter ich kam, je mehr verschwand meine Freude. Die
Todtenstille umher, die kein Laut des Lebens unterbrach, das Knistern des
Eises, das hie und dort sich von dem Ufer des Flusses lste, der wie ein
emaillenes Band in der matten Beleuchtung der Sonne ruhete; die fernen
Drfer und Berge, wie farbige Nebelgebilde, auf den hellen Grund gehaucht;
der Mhlbach, der erstarrt sich nicht mehr rauschend mit funkelnden Wellen
ber die Rder strzte, und durch sein Erlenbett dahin ri; die Bltter der
Erlen, die sonst im glnzenden Grn, angehaucht von der Flut ber mir in
lieblichem Schauer der Khlung zitterten, und nun farblos und modernd den
Boden bedeckten: die Bilder des Todes wurden mchtiger, als das lebendige
Gefhl der Freude in meiner Brust. Es mu auf diese Wiedervereinigung doch
eine neue Trennung folgen, vielleicht gefahrvoller, schmerzlicher, lnger;
und die Stunden, die mich dem Glcke nher bringen, nhern mich auch
dem Trbsal. Ach, es ist das Gespenst unsrer Unvollkommenheit, und der
Vergnglichkeit alles Menschlichen, das uns zurck in Furcht reit, wenn
eine Freude uns lichtbeschwingt in den Himmel der Liebe zu seligen Geistern
trgt. O! da ich bei dir wre! alle diese Widersprche wrden sich in
ein stilles unendliches Gefhl von Glck lsen. Jetzt kann ich eine bange
Ahnung nicht unterdrcken.




XXIX.


Warum trgt jede Lebensblte fr mich nur Frchte des Entsagens? Ich stand
an der Pforte eines unnenbaren Glckes, und Julie wird krank, so krank, da
sie meiner sorgenden Pflege nicht entbehren kann; und an ihrem Krankenbett
martern mich getuschte Hoffnung und Sorge fr ihr Leben. Wie schn ist
das brgerliche Verhltni auf solche Stunden berechnet, wo der Mensch
des Menschen bedarf, auf Stunden des Seelen- und Krperleidens, das nichts
lindert, als Liebe.

Wenn sie so meine Hand drckt, und ihn und mich beklagt, da wir getrennt
sind, ich nun bei ihr verweile: so kann ich nicht begreifen, wie es mglich
wre, sie zu verlassen, und empfinde nicht, welches Opfer ich ihr bringe,
wegen der Freude, ihr ntzlich zu seyn, ihren Zustand zu erleichtern. Doch
wenn die Einsamkeit auf Augenblicke mich umgiebt; sein Bild vor die
stille Seele tritt: er allein, nach aller Anstrengung, nach allen Kmpfen,
gefesselt von seinem Stand, voll vergeblicher Sehnsucht nach mir; wenn ich
seine Klagen lese: dann breite ich die Arme hinaus in den leeren Horizont,
dann fhle ich, wie glcklich ich seyn knnte, und meiner Seele grauset vor
dem Gefhl der Einsamkeit.




XXX.


Die Zeit geht dahin, und entfaltet sich anders, als das Bild, was uns von
ihr vorgeschwebt, da sie noch Zukunft war. Selbst wenn unsere Hoffnungen
erfllt werden, gleicht die Erfllung ihrem Bilde nicht. Wie anders
schwebten diese Tage mir vor; und keine Zeit wird kommen, die mir ein
Glck brchte, hnlich dem von ihr getrumten. Ihn fhrt der Sturm der
Begebenheiten zu neuer Gefahr: ich bange in doppelter Angst, um ihn und
Julien. Man wird leicht aberglubisch, wenn man liebt. Das Bedrfni, alles
auf den Geliebten zu beziehen, macht, da man auch dasjenige, was man nicht
unmittelbar auf ihn beziehen kann, zu seiner Liebe, als ein Zeichen vom
Schicksal rechnet; aber es giebt Augenblicke, wo ein Vorgefhl der Zukunft
unverstndlich durch die Seele klingt; und das ganze Leben ist anders
gestimmt, und findet den vorigen Ton nie wieder.




XXXI.


Juliens Herz, das mich liebte, ist erstarrt. Ruhig und fest, wie sie durch
das Leben ging, trat sie dem Tode entgegen. Wir tauschen: war ihr letztes
Wort, ich leitete deine Kindheit in das Leben hinaus, du leitest mein
Leben zu Grabe.

Morgen wird sie beigesetzt, und nach kurzer Zeit ist jede Spur ihres
Daseyns, aus dem Kreise, welchen sie belebte, verschwunden. Nur die
Erinnerung desselben, die leise Spur ihres lebendigen Wirkens, umschweben
noch einige Zeit die Gegenstnde, welche ihr angehrten, wie der Nachhall
einer verklungenen Harmonie noch melancholisch durch die Lfte zittert.
Eine Trennung, die lngste, schmerzlichste, ist doch nicht gleich dem Tode:
der Geist begleitet den Geschiedenen, in die Kreise seines Wirkens, und
das Wiedersehen liegt innerhalb des freudigen Gebietes der Mglichkeiten
im Sonnenstrahl der Hoffnung. Doch jenseit des Grabes ist alles still und
dunkel, und unser Leben versinkt in Nacht, wie ein Stern aus dem Bogen des
Himmels.




XXXII.


Die Kirche war schwarz behngt, weie Kerzen brannten auf dem Altar, und
mischten ihr trauriges Licht zu dem trben Tage, der durch die dunklen
gemahlten Scheiben einbrach. Eine dumpfe Kellerluft schwebte unter den
gothischen Gewlben; das Requiem begrte die Verstorbene in ihrer stillen
Wohnung, mit feierlich schwellenden Tnen, aus der starken Brust der Orgel,
wie ein Willkommen der lngst Verschiedenen.

Unter meinen Fen ruhete nun auf immer, die ich noch vor wenig Tagen
empfindend und lebend in meine Arme schlo. So weniger Zeit bedarf es, ein
Leben auszulschen, und wie vieler Jahre, wie vieler Kmpfe, ehe es zum
wahren Leben erblht. Wohin ich blickte, trafen meine Augen auf Spuren von
Zerstrung, auf Bilder von Vergnglichkeit. Eingesunkene Leichensteine mit
verwitterten Innschriften; zertrmmerte Grabmhler und Beichtsthle; und
kein Laut aller Klagen, die an diese Gewlbe geschlagen, erinnerte an
jene, welche nun schon lange ausgelitten hatten, und vergessen waren. O
wie erschien mir in diesem Augenblick auch mein Leben nur ein flchtiger
Moment, und nicht des Schmerzes, nicht der Freude wehrt. Alle ihre Klagen
hat der Ewige gehrt, in seinem Herzen steht, was Aeonen von Geschlechtern
litten, sein Himmel wlbte sich ber Alle, und immer aufs Neue ruft sein
Athem Atome in das Leben. In solchen Augenblicken verschwindet der
eigene Kummer aus der Erinnerung; und verliert sich in die Masse fremden
Schmerzes, wie ein Moment in Jahrtausende verrinnet; sein dunkles Gefhl
lutert nur die Andacht der Seele.

Da warf ich mich nieder vor den Allmchtigen, und legte das Mitgefhl fr
alle meine Nebengeschpfe, legte das dringende Gebet fr meines Geliebten
Glck an sein Vaterherz. Es war ein himmlisches Gefhl, welches mich vor
ihn niederwarf, ich fhlte in dem Augenblicke Kraft, die Leiden einer Welt
auf meine Brust zu laden und zu tragen.

Aber wenn auch meine Stunde erschienen ist, zurck an den Busen der Natur
soll man meinen Krper legen, auf Erde gebettet, mit Erde zugedeckt; ein
Opfer den Elementen, von denen er genommen ist, kein Raub der Verwesung in
gemauerten Gewlben.




XXXIII.


Hier bin ich wieder auf dem Lande. Der Frhling haucht mich mit wrmerem
Lebensathem an, und die Natur regt sich, von ihrem Winterschlaf erwacht.
Die in der Stadt verlebten schnen Tage sind wie versunken, und nur an
dem Schmerz der Trennung, der in meiner Seele zuckt, empfinde ich, da sie
waren.

O Du! la mich von diesen trben Bildern, an deine Brust, zu deinem Geiste
mich retten: und fhre die Ruhe der Nationen Dich bald in meine Arme
zurck. Es ist seltsam, aber auch dieser Gedanke erhebt nicht mein Gemth.
Ich kenne fr ihn kein Leben, als ein unsttes, verwickeltes in groen
Geschften; ich kann fr ihn kein anderes denken; wird ihm je Rast seyn
fr die Liebe, je ein stilles Glck der Huslichkeit? Und wenn es wre,
so schn als die Vergangenheit war, wird selbst eine solche Zukunft nicht
werden. Es fehlt ja Julie. Sie war mir theurer, als ich es geglaubt; das
Gute erschien bei ihr nicht unter lieblichen Formen, worin es im Augenblick
sich der Phantasie freundlich anschmieget: sie war streng und kalt; aber
sie war wahrhaftig gut, und tiefer empfinde ich das jetzt, als wenn ich es
von jeher lebhaft empfunden htte. Warum dringt keine Stimme in die Tiefe
ihrer Gruft, ihr zu sagen, wie ich sie geliebt, wie ich sie betraure?




XXXIV.


Der Schmerz ber Juliens Verlust, ergriff mich in den ersten Augenblicken
nicht so heftig, allein er nagt an meinem Herzen, und Trauer hat mein Wesen
umzogen. Wir hangen doch unaussprechlich an den Freunden unsrer ersten
Jugend. Alle die frohen Tage der Unbefangenheit, nach denen man sich nicht
zurcksehnt, weil sie so wenig glcklich als unglcklich waren, aber auf
die man mit sanfter Rhrung hinabblickt, schlingen mit frommen Kinderhnden
unauflsliche Bande um die Herzen. Mit Julien ist mir das letzte Leben
aus jenen Tagen versunken, gebannt in die Vergangenheit, das Gebiet meiner
Freuden. O sehr oft mu ich mich dorthin retten, dort Trost schpfen, denn
alles ist trb und dumpf um mich her; was mich gefreut hat und beglckt,
ist verwandelt.

Es ist ein trauriges Gefhl zu bemerken, wie das Leben fortgeht, seine
Freuden sich immer ferner und ferner zeigen, und keine neue mehr die alten
gewohnten ersetzen. Diese Empfindung ist so lebendig in mir, ohnerachtet
meiner Jugend; wie mag dem Alter seyn, das alle seine Freuden sterben sah,
und nichts mehr wnschet und hofft, nichts vor sich sieht, als den Tod, und
immer klagt: es war. Ich hre mit herzlicher Theilnahme, wenn Greise zu
mir von ihrer Vergangenheit sprechen. Das hchste Liebesglck ist die wahre
Jugend unseres Lebens; wer im vierzigsten Jahr zum erstenmal glcklich
liebt, lebt dann erst seine Jugend: wer nie glcklich geliebt hat, hat sie
nie gekannt. O der goldenen Zeit! wird sie zurck kehren? wird mein Leben,
wie jene seltenen Rosen, noch eine Blume aus der Blume treiben? Es ist, als
sagte eine dunkle Ahnung mir: hoffe nicht. O kehre zurck, mein Geliebter!
an deinem starken Herzen ist Ruhe; aber er hrt mich nicht, und ich bleibe
allein mit meinem Gram.




XXXV.


Mich dnkt, wre ich sein, trge ich den Namen, dessen Klang mir, im
gleichgltigsten Thun, sein geliebtes Bild vorriefe, ich wrde glcklicher
seyn. Ich htte Theil an seinen Sorgen, ich gehrte bestimter zu seinem
groen Leben. Und er, kann er mich lieben, wie ich ihn? Wehet mein Bild
nicht nur flchtig zwischen den Sorgen hindurch, die ihn bekmmern? erflle
ich seine ganze Seele?

Wo ist der Muth der Glckseligkeit hin, da ich verschmhte, sein Weib zu
seyn? Inniges Glck! nach dem alle meine Wnsche nun streben.




XXXVI.


Der Gedanke an ihn erfllt meine ganze Seele, und hat eine Welt in meinem
Innern gebildet, worin ich lebe, leide, und glcklich bin, wo die Wehmuth
meine ernste liebe Gefhrtin ist. Ungern trete ich in die Wirklichkeit
hinaus, in welcher fremde Gegenstnde den Einklang meiner Empfindungen
unterbrechen. Ich bin an stille Ruh gewhnt, und nun ich diesem gewohnten
Gefhl auf einige Tage entsagen mu, bin ich unmuthig, und nhme gern das
Versprechen zurck, welches mich dazu verbindet.

Ich habe eine einfache altdeutsche Tracht fr mich zum Maskenkleide
gewhlt, die keine Blicke auf mich ziehen wird. Ehedem schmckte ich mich
gern, es war fr ihn, es machte ihm Freude, mich schn zu finden. Oft
gestand ich mir freudig, wenn ich dann ganz angekleidet vor den Spiegel
trat, da ich schn sei. Ich begann Sorgfalt auf meinen Anzug zu
wenden: durch ihn ward mir das Unertrgliche zur Lust. Jeder Abend, jede
Gesellschaft, wozu ich mich schmckte, waren Feste der Liebe. Seit er fort
ist, habe ich alles vernachliget, ich will nicht bemerkt seyn. Sein bin
ich, und fr ihn auf mich selbst eiferschtig.




XXXVII.


Eine Empfindung, welche ich in dieser Strke nicht ahnete, mit der sie mich
hier unablig qult, ist der Kontrast zwischen der stummen Trauer, worin
ich dieses Haus verlie, und dem Festgeprnge, in welchem ich es wieder
erblicke. Zum letzten Mal, als ich den Saal betrat, geschah es um Abschied
von der geliebten Leiche Juliens zu nehmen. Damals waren die Wnde schwarz
bekleidet, silberne Ampeln brannten statt der kristallenen Kronen, und
warfen ein traurig schwankendes Licht umher. Jeder Futritt drhnte dumpf
durch den weiten Saal, und kein Laut unterbrach die Stille, als das leise
Weinen ihrer Leute um den offenen Sarg. Ein Lchlen der Verklrung schwebte
ber ihre bleiche Form, und von der oberen Wand blickte ihr Gesicht, mit
frischen Lebensfarben gemahlt, fhllos in den Gram ihrer Hinterlassenen.

Nun fhrte mich ihr Gemahl eben dorthin, die Anstalten zu seinem Feste zu
sehen. Das Pochen und Zurufen der arbeitenden Handwerker lrmte wst;
die Bedienten liefen geschftig umher, ihr Bild, ihr Andenken war
hinweggenommen, ein sdlicher Frhling umblhte die Wnde, alles athmete
Lebensgenu und Freude.

Hier sprechen mich von jeder Stelle die Geister lngst gestorbener schner
Stunden an; hier habe ich das berschwengliche Glck genossen, um welches
meine Sehnsucht klagt. Wie wenig sagt dies laute Festgeprnge meiner
Stimmung zu. Ich habe mir ein Zimmer, in einem entlegenen Flgel zum
Garten, erbeten, wo ich auf Augenblicke _ihm_ leben kann.




XXXVIII.


So oft habe ich gewnscht, da unsre Geister, von _einer_ Vorstellung
erfllet, auf einen Punkt mit all' ihren Krften gebannt, sich losringen
knnten von den Banden des Krpers, und dahin eilen, wohin die Sehnsucht
sie zieht.

War es ein Spiel der erhitzten Phantasie, war es eine Tuschung, welche
mir die Gewhrung dieses sen Wunsches vorspiegelte? Es war die schnste
Sommernacht; Glhwrmchen schimmerten im dunklen Grase, als wren Sterne
dem Boden entblht: dmmernd schwamm das Mondlicht um die Bsche; ein
khler Wind rauschte in den Wipfeln der Bume, trug auf seinen Luftwellen
die Dfte der Orangerie, der blhenden Gewchse zu mir herein, und wogte
wie ein Liebesmeer um meine Brust. Die Flammen der Kerzen wankten, die
Vorhnge bewegten sich leise, drauen neigten sich die Wipfel, und lindes
Leben regte jeden Gegenstand umher, regte sich auch in meiner Brust. Ein
reines Gefhl des Daseyns hatte sich meiner Lebensgeister bemchtigt, die
Gegenwart umfing mich mit stillem Zauber. Da rauschte es lauter auen in
den Bschen; eine dunkle Gestalt wallte im Mondlicht an meinem Fenster
vorber. Er! er! schlug mein Herz. Eine Sekunde blickte sie mich an;
ich strzte zum Fenster; alles war ruhig, unbeseelt von der Spur eines
lebendigen Wesens lag die stumme Nacht. O Geliebter! war es dein Geist, der
die Liebende grte?




XXXIX.


Ich bin nicht mehr dieselbe, die ich war, als ich diese Wohnung verlie.
Jene Tuschung der ersehntesten Hoffnung, jener erste Verlust, der mir ein
Stck meines Lebens in Julien hinwegnahm: sie haben mich in die Tiefen
des Lebens gefhrt, wo die Schwermuth hauset. Damals fhlte ich zuerst
den Schmerz, da alle Verbindungen, die der Mensch im Jugendmuthe, als zu
seinem Seyn gehrend betrachtet, wandelbar sind. Ich fhle nun meine
Liebe nicht mehr ber dem Schicksal, und sehne mich, sie durch engere
Verhltnisse zu sichern. Der Gang meiner Vorstellungen ist verwandelt; das
Spiel mit jeder Lebensfreude, welches mich sonst dahinri, betrachte ich
jetzt aus der Ferne, als ein Schauspiel.




XL.


Ja ich will zu ihm, ich mu sein werden: jede Gestalt, jedes Gesprch, die
unbeseelten Rume erinnern mich, da ich nicht bin, wo ich seyn sollte;
da ich zu ihm gehre, auf dem Gebiet seines Besitzthums, einsam mit seinem
Bilde, oder an seiner Brust.

Es ist keine Wahrheit, keine Zuverlssigkeit im Leben, als von einem
entsprechenden Herzen. Wir sagen unsre innerste Meinung, und wer versteht
ganz was wir ausdrcken, als wer den Keim unsres Wesens, in seiner Liebe
fhlt; vor dem das Bild unsrer Lebensereignisse in seiner ganzen Folge
daliegt, aus welchen sich unsre Meinungen entwickelt haben, durch welche
sie ihr Kolorit erhielten? Die brgerlichen Verhltnisse erscheinen in
ihrem Mibrauch so leer, da die Flle eines natrlichen Gefhls, der
Uebermuth seiner Kraft wol verleiten mgen, sie zu verschmhen: allein sie
sind die nothwendigen Bedingungen, wodurch allein das Gefhl vollkommen das
Leben zu beglcken vermag, und die Betrachtung und die Erfahrung, leiten
immer auf sie zurck.




XLI.


Mein Herz schlgt heftiger von Hoffnung; die Flle der Bilder umdrngt
wieder meinen Geist, und verscheucht die gewohnte Schwermuth.

In den drftigen Rumen des Hauses, welche er ahnungslos betreten hat,
in gewohntem Geschft wird ihm das Blatt gereicht werden, auf welchem die
Namen der Angekommenen stehen. Gleichgltig und ernst wirft er den Blick
darauf; erkennt geliebte Zge; sein Gesicht glht, sein Auge flammt auf,
forscht voll Unruh, und ich, ich, die Seine, fliege an seine Brust.




XLII.


Ich nehme alle Grnde zusammen, mir jene grlichen Schauer zu erklren,
aber mein Herz bleibt in der Tiefe gebunden. Denn dort finde ich die
Vorstellung seiner Gefahr. Ach sie ist wirklich! und mehrt die Angst, statt
sie zu zerstreuen.

Flchtig und freudig hatte ich von allen Erinnerungssttten meines
Landgutes Abschied genommen; sicher, sie beglckter wieder zu sehen. Es war
Abend geworden, ich eilte zur Quelle, wo ich den Geliebten zum ersten Male
erblickt hatte. Wie oft, wenn die Wsser mit immer neuem Leben aus
dem kiesigten Grunde empormurmelten, habe ich sie lange betrachtet, in
schwrmerischer Hoffnung, sein Bild knne von dieser Lebendigkeit wieder
vor meine Blicke gezaubert werden. Die Schatten der Dmmerung lagen
grau durch den Wald, keine Stimme unterbrach mehr sein Schweigen; leises
Rauschen, Flstern entstand, und verlohr sich im Entstehen weiterhin, und
der Quell, wie ich nahte, seufzte laut und lauter mit unartikulirten Tnen.
Ein sonderbares Grauen stahl sich durch meine Brust, ich hatte ihn fast
erreicht, ich vermogte nicht weiter zu gehen; alle Hoffnungen der Liebe
waren ausgelscht, das Bild meines verschiedenen Gemahls, das Bild von
Julien traten starr, mit nie empfundener Lebendigkeit vor meine Seele,
es war als wren die Pforten des Todes gelset. _Sein_ Bild erhielt sich
nicht, ich flchtete nach dem Schlosse zurck! und nun bin ich hier, und
kann mich nicht von diesen Todten trennen, und es beklemmt mein Herz, da
ich es nicht kann.




XLIII.


Ich habe keine Begleitung auf meiner Reise gewnscht. Ganz allein, wie
ich sein bin, wie mein Gefhl und Muth mich zu ihm fhren, will ich zu ihm
treten. Feld und Wald, und geschftige Menschengruppen, schwinden an mir
vorber, als ob sie eileten, zurckzubleiben und mich zu ihm zu frdern.
Schon wird die Gegend mir fremder, die Wolken fliegen mit Winken abwrts
zu ihm: ehe die Sonne dort unter ist, habe ich die Stelle erreicht, wo der
Pfad sich trennt, wo die Hgel sich erheben, jene Gefilde, wo er gewaltet,
nachdem mein Auge ihn zum letzten Mal erblickt hat. Ich werde von ihm
hren, ich werde Menschen treffen, die ihn spter sahen, als ich! Diese
Gegend! wie oft habe ich sie auf der Karte durchmessen, und Abends, ehe ich
ruhte, jeden Standpunkt mit den Augen gekt, und vielmal gesegnet, wo er
nun weilte.




XLIV.


Die Abspannung nach der Tuschung eines heftigen Strebens, erlaubt den
Krften nicht sogleich, sich auf neue Gegenstnde zu spannen, und das
Gemth versinkt in Hoffnungslosigkeit und Leere.

Dies sage ich mir wol; aber es bleibt, als drfte kein Freudentag mehr
heranbrechen.

Ich bemerkte genau die Landschaft umher. Nicht weit von dem Flecken, wo
die Wege sich trennen, erhebt sich in zwei Hgelreihen das Land; von den
jenseitigen die nach Mittag laufen, sphlt das Bchlein in das Thal
hinab, ber welches jene Brcke fhret, auf der er Nachts beim Scheine
der Wachtfeuer mir zuerst schrieb. Mein Auge ma die wohlbekannten
Entfernungen, und fand nicht den Ort. Ich glaubte mich getuscht zu
haben, ich hoffte und hoffte; aber immer fremder wurde mir die Gegend;
ich zweifelte, ob mein Kutscher den Weg verfehlt habe, oder ob mich meine
Vorstellung von dieser Gegend getuscht, wie so oft die Phantasie nie
gesehenen Dingen ein falsches Bild leihet. Die Sonne stand tiefer, schon
wollte ich umlenken lassen, als pltzlich mir zur Rechten ein Schlo an dem
Rcken eines Hgels erschien. Auf einem Schlosse in hnlicher Lage hatte
er mehrere Tage zugebracht, es sollte das Ziel meiner Tagereise seyn, mein
Herz schlug wieder auf.

Der Weg fhrte vorber, ich befahl dem Kutscher zu halten, einen Weg
dorthin zu suchen: zu Fu, von meinem Bedienten begleitet, streifte ich in
den schnen Abend, queer durch das Feld auf das Gebude zu. Die Entfernung
hatte mich getuscht, der Weg dehnte sich weiter wie ich ging, die Sonne
ging unter, und pltzlich lag vor mir ein weiter See und trennte mich vom
Ziel. Nun war ich gewi, da der Weg verfehlet sei; die Ufer waren zu weit,
sie zu Fu zu umgehen: in der bittersten Tuschung stand ich an der Flche.
Die niedrigeren Gegenstnde verloren sich schon in dunkelgraue Massen,
am fernen Horizont erlosch die Abendrthe, und ihre letzten blarothen
Streifen spiegelten sich in dem ruhigen Wasser: die Gegend lag in Schweigen
begraben, nur das Schilf neigte sich flsternd im Winde, und die Wellen
brachen sich an den Ufern. Mein Herz sank mir in der Brust zurck, es
war als ob Nacht, wie ber die Natur, sich ber mein Leben breitete; die
Einsamkeit der Flche erfllte mich mit nie empfundener Sehnsucht, Thrnen
strmten ber mein Gesicht.

Indem erhuben Waldhrner sich vom gegenseitigen Ufer mit klagenden Tnen.
Ein fernes Echo fing die dahinschwindenden Melodien auf, welche dann, ber
die Fluth zu mir kommend, verhallten, als snken sie in die Wellen hinab.
Ein Nachen nahete, und mein Bedienter rief den Schiffenden uns einzunehmen.
Sie lenkten zum Ufer und waren bereit; ich stieg in den schwankenden
Nachen. Der Name des Schlosses war nicht der wohlbekannte, die Besitzer
hatten es gegen einen sicherern Auffenthalt vertauscht, und diese beiden
Zurckgelassenen, ein Schiffer und ein Jger, trieben hier unverletzt ihr
stilles Gewerbe.

Mir war einsam, wie noch nie. Auf der grauen Weite, leicht getrennt vom
Tode, mit fremden Menschen, von denen ich nichts, die nichts von mir
wuten, die das Schicksal in Verborgenheit frchteten, durch Verborgenheit
ihm entgingen, welches er lenkt, der Entfernte, der meiner Seele der
Nchste ist.

Hier stehe ich nun an dem Fenster des unbekannten Gebudes, der Mond
umkreit mit weiten Bahnen die luftigen Thrme, und flimmert im See. Ich
erharre das Morgenroth, das mich Ihm nhern soll; noch ziehen alle Sterne
empor, und keiner sinkt abwrts zu ihm.




XLV.


Das Wunderbare, das dem Leben den immer neuen Reiz giebt, ist der Wechsel
von Lust zu Schmerz, von Schmerz zu Lust; es kehrt sich nicht an unsre
Stimmungen, es wlzt seine Wogen und trgt uns dahin.

Oft ist Prfung was uns als ein heiteres Glck begrt, oft ist das was
wir Unglck nennen, eine Stufe zum Glck. Glck, und Unglck, sind nur
Benennungen von dem augenblicklichen Eindruck eines Ereignisses;
Mancher klebt daran und verkmmert sein Leben; demjenigen, der das Ganze
berschaut, verfliesset alles wie Wolkengebilde in heiteren Aether.

Trb schaute ich in den Nebel, der erst allmhlig sichtbar durch das
Morgenlicht aus dem See aufstieg; der Morgenstern zitterte, hoch am Himmel
erlschend; ein kalter Schauer fuhr ber die Natur, nicht als ob er
einem neuen Leben voraufflge: als ob er kme, alles Leben zu lsen. Die
Schlobewohner hatten den Weg bis zur rechten Strae als weit beschrieben;
ich warf mich ohne Erwartung in den Wagen, kein Bild vom Abend des Tages
schwebte mir vor, und fast gleichgltig schlo ich die Augen dem Morgen.
Wir waren keine halbe Stunde gefahren; und pltzlich erregt mich der Zuruf
meines Bedienten, der Wagen hlt, er ffnet den Schlag, und sagt: nun
werden wir wol auf der rechten Strae seyn. Ich blicke hinaus, die Gegend
schwimmt im Morgenlichte, das Bchlein sprudelt ins Thal, der Bogen der
Brcke spiegelt sich in die Fluth, die Bume regen beseelt ihre Aeste,
ein Schfer kommt mit seiner Heerde ber den Anger, und sein Horn schallt
frisch dem Tage entgegen. Ich sprang aus dem Wagen, ich berhrte den Stein
des Brckenrandes, worauf seine Hand geruht; mir war, als bebte er mit
lebendigen Pulsschlgen unter meiner Berhrung.

Mit langsamem Entzcken durchstreifte mein Auge jeden Theil des Gefildes;
meine Phantasie hatte mich nicht belogen. Ich htte weilen mgen, und
hinweg eilen; es kamen die Tage vor meinen Geist, wo ich an seiner Hand
hier seyn wrde, und das Bild trieb mich zu ihm.

Der Schfer nahete, sein Gesicht war mir bedeutend; vielleicht hatte er
ihn gesehen! Ich wagte nicht zu fragen, aber ich nahm im Gefhl der
Mglichkeit, seine Blicke von desselben Antlitz, ich nahm sie von jeder
Gestalt, jedem Gegenstand der uns begegnete. Bald erschien das verfehlte
Schlo mir wirklich, ich kannte die Gegend wie aus der lebendigsten
Erinnerung. Ich lie den Wagen zurckschlagen, die entflohenen, die
nahenden Gegenstnde zu geniessen; der Tag strmte um meine Brust, und alle
Gedanken flogen mit freudigem Rufen zu ihm!




XLVI.


Immer lebendiger wird sein Bild, immer mehren sich die Spuren seines
Wirkens; mir ist, als ob er mir entgegen kme, und mit der Entfernung
schwinden die Bilder der Trennung. Hier bin ich in Rumen, die er betreten
hat, ich stehe vor den Zgen meines Namens, die seine Hand in das Glas,
irrend in Gedanken, geschnitten hat. Mit Thrnen betrachte ich das Denkmal
seiner Liebe, und immer inniger umdrngen mich die neuen Bilder aus seinem
Leben; so bekannt und so neu. Er hatte flchtig erwhnt, wie er die Nacht
nach einem Tage voll Arbeit und Gefahren, auf einem Meierhoff, nahe dem
Schlachtfelde zugebracht. Die Sonne neigte sich zur Nacht, als ich vor
einem Hause anlangte, das Lindenbume friedlich beschatteten, und das sich
an einen waldigen Hgel lehnte. Ein Mann mit einem Kinde auf dem Arm stand
vor der Thr, und sein freundlicher Gru gab mir Vertrauen, ehe er geredet.
Ich lie halten, und fragte ihn, ob er mich wol nach dem Schlachtfelde in
der Nhe fhren knne, welches ich zu sehen wnschte? Er erwiederte: gern;
doch nthigte er mich, auszusteigen und mich zuvor bei ihm zu erfrischen.
Mit klopfendem Herzen trat ich ber die hohe Schwelle, in das niedrige
gerumige Zimmer; und mit der Freude, womit ein Wirth, wenn etwas
Bedeutendes seinem Hause widerfuhr, die Nachricht davon, dem Fremden,
gleichsam als Gastgeschenk mitzutheilen pflegt, erzhlte jener mir
sogleich, da in diesem Zimmer, nach der gewonnenen Schlacht der Feldherr
bernachtet habe. Sein Kind stand neben ihm und blickte mich neugierig an,
wie es zu dem Helden aufgeblickt haben mogte. Ich sahe seinen hohen Wuchs,
wie er, sich bckend, ber die Schwelle steigt, an der Spitze seines
Gefolges; wie er auf und ab schreitet, fr alles sorgend; und dann zum
Fenster tritt, in die Abendsonne schaut, und mein Bild ihm flchtig
erscheint; mein Bild! das seinem lieben Herzen Freude giebt.




XLVII.


Whrend wir nach dem Schlachtfelde gingen, erzhlte der Meyer mir kleine
Zge aus den Stunden _seines_ Auffenthaltes: wie _er_ alles Besitzthum
geschtzt, die Truppen vertheilt, die Verwundeten untergebracht, zwischen
dem Lagerfeuer umherwandelnd, jedem zugesprochen habe: die Einwohner
beruhigend, die Seinen lobend, streng und ermunternd. Auch von seiner
eigenen Lage whrend der Schlacht, erzhlte der Meyer; von seiner
Ungewiheit und Angst; wie der Donner des Geschtzes sie entsetzt, wie er
sein Haus verrammelt habe, und mit Weib und Kind gebangt, der Feind werde
siegen, oder Fliehende wrden sich nach dieser Seite wenden.

Mir schlug das Herz von dem genherten Bilde der Gefahr, in welcher _er_
unablssig schwebt. Ich mute oft still stehen und Athem sammeln. Endlich
stiegen wir einen Hgelrcken hinan, und erblickten eine einzelne Kapelle,
verdet in der Nhe. Der Mann sagte, da hier ein Trupp sich vor Beginn der
Schlacht vertheidigt habe. Ich begehrte hinein zu gehen, und er bat mich,
dort allein zu verweilen, bis er nach seinen Heerden gesehen habe, welche
in der Nhe geweidet wrden. Ueber eingesunkene Grber trat ich zitternd
in das Innere des Heiligthums. Es trug alle Spuren der Zerstrung, die hier
gewthet hatte. Fenster und Thren waren zertrmmert, Kugeln steckten in
dem Gemuer, und der weisse aufgewhlte Estricht, trug unverkennbare
Spuren von Blut. Die Abendrthe fiel durch die dunklen Zweige einiger
Hollunderbsche hinein, und bekleidete den nackten Altar mit Himmelsglut.
Alles war still, nur die Luft suselte durch das Gezweig, und das dumpfe
Gebrll der Heerden, scholl von fern: ich warf mich vor dem Altar nieder,
mit nie empfundener Angst habe ich an der Stelle, wo die Gefahr ihn
umschwebt hat, fr seine Sicherheit gefleht.

Mein Fhrer kam zurck, und lngs dem Rcken der Hgel, den Pfad entlang,
auf welchem die Vertriebenen gejagt waren, gingen wir zum Schlachtfeld.
Manche Erhhung des Bodens bezeichnete den gewaltsamen, schmerzhaften Tod
der Fliehenden und ihrer Verfolger neben einander; und pltzlich sahen wir
die Ebene, in einen Halbzirkel von Bergen gedrngt, auf dessen Mitte wir
standen, vor uns. Ein einzelner Baum wehte am Abhang: dort hatte _er_
gehalten, als Alles von den Bergen hinabgetrieben war: so deutete mir der
Landmann: im Grunde standen die Feinde wieder gesammelt.

Mein Herz war in der Tiefe erschttert; Grabhgel zu meinen Fen; und
hier, wo ich stand, war der Tod um ihn gewesen. Ich sah ihn auf seinem
Pferde; seine Boten eilen, und kommen; das Geschtz kracht, das Geschrei
bertubt die Feldmusik; die wilde Scene erneuerte sich vor mir.

O! der Krieg ist kein schrecklicher Gedanke, wenn man ihn als _ein_ groes
Schicksal von Vlkern betrachtet; des Einzelnen Loos ist, dem Zwecke des
Ganzen geopfert zu werden: aber wenn das Bild des Einzelnen vor die
Seele tritt, seine Verhltnisse, seine Art, sein Schmerz; dann wird die
menschliche Natur von einer solchen Nothwendigkeit zerrissen, die sie
vertilgt. Ich konnte mich des Schauders nicht bemeistern. Was ist sein
Beruf! Sein Bild verliehrt sich in dem grlichen Gewhl, und das Entzcken
der Liebe kommt nicht in mir auf.




Die Vorstellung des Krieges hatte Heloisens Gemth tief erschttert. Alle
Bilder des huslichen Glcks, die in ihrer Fantasie heimisch waren, fhlte
sie von schreckensvollen Vorstellungen vernichtet, und es war umsonst, da
ihr Verstand das Heil der Schlachten fr das Allgemeine der Menschheit
zu fassen vermogte, da ihr Herz Kraft hatte, durch eine solche Ansicht
erhoben und beruhigt zu seyn, seine Kraft war von der Liebe dahin genommen.
Das Bild ihres Geliebten erschien ihr unaufhrlich, demselben Schicksal
erliegend, das so viele Geliebte, Gatten, Vter, fern von der Heimath und
den Geliebten getroffen; eine Tuschung entstand unbewut, als ob ihre
Nhe ihm ein schtzender Talisman seyn wrde, und sie strebte mit von Angst
vermehrter Eil ihn zu erreichen.

Die kleinen Auffenthalte der Reise vermehrten ihre Bangigkeit, wie die
Gewalt der Schreckbilder, welche ihre Seele umlagerten, durch die Gesprche
an den Orten wuchs, wo sie genthigt war zu verweilen.

Gegen Abend hatte sie das Stdtchen noch nicht erreicht, wo sie ihn zu
treffen hoffte, und bei dessen Namen ein augenblicklicher Friede, ihr
Luft zu hohlen, vergnnte. Das Wechseln der Pferde verursachte neuen
Auffenthalt, sie ertrug das Harren nicht lnger in Mssigkeit, und befahl
da der Wagen in der grten Eil nachkomme, indem sie die Strae zu Fu
voraufeilte.

Auf der Mittagsseite, umschrnkte das Thal eine Felsenwand, in welcher die
Natur Wlbungen gebildet hatte, und lngs den Felsen zog sich ein Dorf
hin. Ihre Aufmerksamkeit erregten Menschengruppen, die an den Wlbungen
lauschten, nach Untergang deuteten, woher der Wind strich, und sich lebhaft
unter einander besprachen. Sie wandte sich, um ihren Bedienten zu fragen:
was der Anblick bedeute? indem schlug ein dumpfes Hallen kaum vernehmlich
an ihr Ohr. Der Bediente hatte den Kopf zum Boden gebeugt, und erwiederte:
in diesem Augenblick msse in der Nhe ein Gefecht vorfallen, denn was
man hre, sei wie Laut von Geschtz, und an den Felsen mgte der Hall noch
vernehmlicher seyn, vom gehemmten Luftstrom.

Heloise schauderte in sich herab, in unergrndlichem Weh; ihr entstanden
Luft und Krfte, sie mute sich an einem Baumstamm halten; der Wind strich
schrfer ber das Feld, und der schreckliche Hall erschallte deutlicher
und rasch wiederhohlt. Er spannte ihre Seele wieder, sie htte Alles hren
mgen, bei Allem gegenwrtig seyn, die Bilder einer Schlacht verlohren ihre
Gruel vor dieser Pein der Ungewiheit.

Indem nahte ihr Wagen. Ihre zusammentreffenden Leute unterredeten sich ber
das, was sie gehrt, voll Besorgni vorwrts zu gehen, auf die Gegend zu,
woher das Geschtz schallte; ein Landmann kam von den Felsen ber den Anger
gelaufen, und rieth, die junge Dame solle umkehren, sich nicht in Gefahr
geben. Heloise befahl mit der hchsten Gewalt, vorwrts. Sie warf sich
zurck in den Wagen, keinen Laut zu vernehmen; dann spannte sie alle
Gehrnerven an, da ihr keiner entginge; sie trieb zur Eil mit der grten
Hast.

Es wurde Nacht, der Schall des Geschtzes klang immer vernehmlicher, die
Drfer waren nicht nchtlich de: es wachten die Bewohner und riefen den
Reisenden zu: wo das Gefecht seyn msse; und ermahnten sie zu warten:
siegen die Unsrigen nicht, wendet der Feind sich nicht diesseits. Er habe
wahrscheinlich den General berfallen, der in dem Stdtchen gestanden. Es
war _sein_ Name. Was sollte ihr Sicherheit, da er in Gefahr schwebte. Sie
warf sich in dem Wagen auf die Knie, mit gerungenen Hnden, sie rief ihrem
Freund zu, da sie komme, sie flehte ihn, sie flehte Gott, sie flehte die
Luft um Schonung fr sein Leben; dann erstarrte ihr Bewutseyn, und nur ein
krampfhafter Schmerz wand sich durch ihre Sinne.

Einige peinvolle Stunden schlichen dahin: pltzlich hrte sie von auen: es
brennt!

Nicht zu fern an der Tiefe des Horizontes erschien das Feuerzeichen. Der
Hall des Geschtzes hielt bald darauf inne. Sie starrte in die Gluthstrme,
die aufstiegen und einsanken; dort war also die Gegend, dort, dort war er,
aber kein Laut drang mehr durch diese Entfernung; der Hall des Geschtzes
ertnte nicht lnger.

Es schien vorber! Ihr Schicksal war entschieden. Die Stille versenkte sie
in gnzliche Abspannung, es war nicht Ruhe; es war kein Leben mehr in ihrer
Seele. Sie dachte unaufhrlich _ihn_, doch sein Bild stand unbeweglich, die
Wallungen der Furcht und der Hoffnungen waren erschpft.

Aus diesem Gemthszustand ri sie das Rasseln der Rder auf gepflasterter
Bahn, welche die Nhe einer Stadt verkndete. Ihr Herz begann aufs Neue
zu schlagen; die Entscheidung nahete, sie sollte ihn finden, aber wie?
Es schlug hher und hher, da sein Arbeiten ihr den Athem raubte. Die
gothische Masse des Stdtchens erschien schwarz in dem Dunkel der Nacht,
der Wagen hielt am Thore, es war gesperrt, und lange dauerte es, ehe auf
Fragen von Innen, und Antworten ihrer Leute, das Thor endlich aufrasselte.
Sie fuhr durch das niedrige lange Gewlbe desselben; und als innen der
Wagen hielt, hrte sie, da ihr Geliebter, auf Kundschaft von dem Vorhaben
des Feindes, sich der Stadt durch Ueberraschung zu bemchtigen, demselben
entgegengegangen sei, ihn in die Flucht geschlagen habe; und die
Verwundeten, welche auf der entgegengesetzten Seite eingebracht wurden,
berichteten, da er noch in Verfolgung desselben begriffen sei; worauf er
sich wol wieder auf die Stadt, in die Linie der Armee zurckziehen wrde.
Es herrschte de Stille in diesem Theile der Stadt, aber je mehr sie dem
Mittelpunkte nahten, je mehr belebten sich die Straen; Seufzen, Gechz'
der Verwundeten, Geschrei der Helfenden, scholl aus dem Gedrnge, durch
welches sie mit Mhe zu einem Gasthof gelangten.

Betubt und zerstreut von diesen Nachrichten und diesem Anblick, eilte
Heloise in ein Zimmer, zu welchem der Lrm nicht zu dringen vermogte. Es
war ihr sonderbar, als sie sich gesammelt hatte, Licht gebracht wurde, und
sie nun die Rume erkennen konnte, da nun bald, da hier, sie ihn sehen
sollte. Sein Bild, die Vorstellung des Wiedersehens erregten in ihr die
gewohnte Ruhe der Liebe, das Vergangene mit seinen trben Ahnungen versank
vor der Hoffnung, die wie ein neues Morgenlicht aufzudmmern begann.

Sie lauschte auf jedes Gerusch, in Erwartung seinen Tritt zu hren. Auf
einmal schlug der Klang aller Glocken, dumpf und langsam an ihr Ohr. Es
fuhr wie der Tod in ihre Brust. Im Hause hrte sie Menschen die Treppe
herab eilen, Rufen und Jammern, sie hrte den Namen ihres Geliebten;
geblieben, todt, mehr konnte sie nicht unterscheiden, sie wollte fragen,
sie vermogte es nicht, ihre Leute strzten herein, und besttigten was sie
entsetzte; sie griff an ihr Herz, und sank leblos zurck.

Als sie aus der Bewutlosigkeit erwachte, war der erste Eindruck, da
es Tag sei, und der nchste, da _er_ nicht mehr sei. Und dieser ri mit
ungeheurem Schmerz sie wieder in das Leben zurck. Sie starrte umher,
da fiel ihr Auge auf ein Tuch, das mit Blut befleckt neben ihr lag.
Sie erkannte das Gewirk; es war ihre Arbeit, es hatte ihre Brust einst
verhllt, sie hatte es ihm geschenkt: sein letztes Lebensblut klebte daran.
Sie nahm es, sie drckte es an sich, ihr Schmerz brach in Thrnen aus.

So fand sie sein Waffengefhrte, sein Jugendfreund, als er stumm zu ihr
trat. Aber sie winkte ihn von sich, denn ein Geschick, wie das ihre, fat
sich nur in der Einsamkeit.

Aber wie allmhlig ihre Seele sich den Vorstellungen wieder erschlo,
ertheilte er ihr den einzigen Trost, dessen sie empfnglich war. Er
erzhlte ihr jeden Zug aus den letzten Lebenstagen seines Freundes; er
sagte ihr, wie viel sie ihm gewesen: wie, wenn der Drang des Krieges seine
Gedanken, seine Krfte fortgerissen, eine Erinnerung an Sie, die Gewiheit
ihrer Liebe, ihn mit all' der stillen Heiterkeit bereichert habe, welche
der Genu einer friedlichen Heimath gewhrt.

Seine letzte Rede war der Wunsch gewesen, da sie gleichsam als seine
Witwe, bei seiner Familie, an dem Ort seiner Geburt leben mgte: seine
Einrichtungen erhalten, seine Anstalten fortfhren. Seine letzte Bewegung
war, ihr Tuch von der Brust zu nehmen, es dem Freunde zu reichen fr sie.

Allmhlig erwachte Entschlu in ihrer Brust.

Einst nach einem solchen Gesprch erhub sie sich bewegter, und mit einer
gewissen Feierlichkeit; sie dankte ihm fr seine Freundschaft gegen den
Geliebten, die er ihm noch nach dem Tode, in der Sorge fr sie, bewahrt
hatte, sie sagte ihm, da sie diesen Ort verlassen werde, und verlangte
den letzten Bewei seiner Sorgfalt, da er sie zum Grabe ihres Geliebten
begleite.

Ihre Erschtterung bei diesen Worten, hielt ihn ab zu antworten, aber sie
hatte sogleich die Fassung wiedergefunden, und er vertraute der Kraft ihrer
Seele.

Der Sarg stand in dem Gewlbe der Hauptkirche. Der Gang schien sie zu
erschpfen, sie stieg die Stufen hinab mit Schwanken, und winkte, allein zu
bleiben. Er verlie sie ungern.

Wie sie sich von Zeugen befreit sah, schritt sie heftig auf den Sarg zu,
ihr Auge glhte von Liebe, ihre Brust schlug, sie sank auf die Knie, und
breitete wieder die Arme aus, voll Entzcken. Dann berhrte sie den Sarg
mit der Hand, mit der Brust, mit der Stirne, und blieb lange still in sich
verlohren.

Als sie zurckkamen, wartete ihr Wagen vor der Thr der Kirche. Sie reichte
seinem Freunde die Hand, sagte ihm Lebewohl, und da sie jetzt nach dem
Geburtslande des Geliebten eile.

Ueberall fand sie dort die Spuren seines Wirkens. Schmerz, Andenken und
Beschftigung traten an die Stelle des Liebesglckes. Sein Leben, das der
Sturm der Zeit dahingenommen, fhrte sie in seinem Geiste fort. Aber sie
blieb nicht lange einsam, denn in der Frische der Jahre, in der Kraft des
Gefhls, welches ihr Leben beseelt hatte, ehe es von der Zeit geschwcht,
von Ereignissen zerstreut worden, nahm der Tod auch sie hinweg.




[ Hinweise zur Transkription


Im Rahmen dieser Transkription wurde die Kombination aus "langem s" und "s"
in "" umgewandelt.

Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, einschlielich
uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Aufenthalt" --
"Auffenthalt", "bestimmte" -- "bestimter", "lassen" -- "lae", "weisse" --
"weie",

mit folgenden Ausnahmen,

  Seite 1/2:
  "dessen sen" gendert in "dessen"
  (ein Band um Vermhlte, dessen Auflsung dem fhlenden Herzen)

  Seite 13:
  "," gendert in "."
  (fr Mutterfreuden schadlos halten mssen.)

  Seite 92:
  "solte" gendert in "sollte"
  (ich nicht bin, wo ich seyn sollte)

  Seite 95:
  "Erinnerungsstten" gendert in "Erinnerungssttten"
  (von allen Erinnerungssttten meines Landgutes Abschied genommen)

  Seite 100:
  "lauffen" gendert in "laufen"
  (von den jenseitigen die nach Mittag laufen)

  Seite 104:
  "unbekanten" gendert in "unbekannten"
  (an dem Fenster des unbekannten Gebudes)

  Seite 116:
  "gesammlet" gendert in "gesammelt"
  (im Grunde standen die Feinde wieder gesammelt)

  Seite 125:
  "uud" gendert in "und"
  (auf Fragen von Innen, und Antworten ihrer Leute)]







End of the Project Gutenberg EBook of Heloise : ein kleiner Roman, by 
Karoline von Woltmann

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HELOISE : EIN KLEINER ROMAN ***

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damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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