\documentclass[a4paper,12pt,leqno]{article} \usepackage[T1]{fontenc} \usepackage[german]{babel} \renewcommand{\leq}{\mathrel{\vcenter{\halign{\hfil$##$\hfil\cr <\cr\noalign{\kern-8pt}=\cr}}}} \renewcommand{\geq}{\mathrel{\vcenter{\halign{\hfil$##$\hfil\cr >\cr\noalign{\kern-8pt}=\cr}}}} \begin{document} \thispagestyle{empty} \begin{center} \Large\bfseries Ueber die Fortpflanzung ebener Luftwellen von endlicher Schwingungsweite.\\[12 pt] Bernhard Riemann\\[12 pt] [Aus dem achten Bande der Abhandlungen der K\"{o}niglichen Gesellschaft der Wissenschaften zu G\"{o}ttingen. 1860.]\\[24 pt] \large\mdseries Transcribed by D. R. Wilkins\\[12 pt] Preliminary Version: December 1998\\ Corrected: April 2000 \end{center} \newpage \setcounter{page}{1} \title{Ueber die Fortpflanzung ebener Luftwellen von endlicher Schwingungsweite.} \author{Bernhard Riemann} \date{[Aus dem achten Bande der Abhandlungen der K\"{o}niglichen Gesellschaft der Wissenschaften zu G\"{o}ttingen. 1860.]} \maketitle Obwohl die Differentialgleichungen, nach welchen sich die Bewegung der Gase bestimmt, l\"{a}ngst aufgestellt worden sind, so ist doch ihre Integration fast nur f\"{u}r den Fall ausgef\"{u}hrt worden, wenn die Druckverschiedenheiten als unendlich kleine Bruchtheile des ganzen Drucks betrachtet werden k\"{o}nnen, und man hat sich bis auf die neueste Zeit beng\"{u}gt, nur die ersten Potenzen dieser Bruchtheile zu ber\"{u}cksichtigen. Erst ganz vor Kurzem hat \emph{Helmholtz} auch die Glieder zweiter Ordnung mit in die Rechnung gezogen und daraus die objective Entstehung von Combinationst\"{o}nen erkl\"{a}rt. Es lassen sich indess f\"{u}r den Fall, dass die anf\"{a}ngliche Bewegung allenthalben in gleicher Richtung stattfindet und in jeder auf dieser Richtung senkrechten Ebene Geschwindigkeit und Druck constant sind, die exacten Differentialgleichungen vollst\"{a}ndig integriren; und wenn auch zur Erkl\"{a}rung der bis jetzt experimentell festgestellten Erscheinungen die bisherige Behandlung vollkommen ausreicht, so k\"{o}nnten doch, bei den grossen Fortschritten, welche in neuester Zeit durch \emph{Helmholtz} auch in der experimentallen Behandlung akustischer Fragen gemacht worden sind, die Resultate dieser genaueren Rechnung in nicht allzu ferner Zeit vielleicht der experimentellen Forschung einige Anhaltspunkte gew\"{a}hren; und dies mag, abgesehen von dem theoretischen Interesse, welches die Behandlung nicht linearer partieller Differentialgleichungen hat, die Mittheilung derselben rechtfertigen. F\"{u}r die Abh\"{a}ngigkeit des Drucks von der Dichtigkeit w\"{u}rde das \emph{Boyle}'sche Gesetz vorauszusetzen sein, wenn die durch die Druckver\"{a}nderungen bewirkten Temperaturverschiedenheiten sich so schnell ausglichen, dass die Temperatur des Gases als constant betrachtet werden d\"{u}rfte. Es ist aber wahrscheinlich der W\"{a}rmeaustauch ganz zu vernachl\"{a}ssigen, und man muss daher f\"{u}r diese Abh\"{a}ngigkeit das Gesetz zu Grunde legen, nach welchem sich der Druck des Gases mit der Dichtigkeit \"{a}ndert, wenn es keine W\"{a}rme aufnimmt oder abgiebt. Nach dem \emph{Boyle}'schen und \emph{Gay-Lussac}'schen Gesetze ist, wenn $v$ das Volumen der Gewichtseinheit, $p$ den Druck und $T$ die Temperatur von $-273^\circ$C an gerechnet bezeichnet, \[ \log p + \log v = \log T + \mbox{const.} \] Betrachten wir hier $T$ als Function von $p$ und $v$ und nennen die specifische W\"{a}rme bei constantem Drucke~$c$, bei constantem Volumen~$c'$, beide auf die Gewichtseinheit bezogen, so wird von dieser Gewichtseinheit, wenn $p$ und $v$ sich um $dp$ und $dv$ \"{a}ndern, die W\"{a}rmemenge \[ c \frac{\partial T}{\partial v} \, dv + c' \frac{\partial T}{\partial p} \, dp \] oder, da $\displaystyle \frac{\partial \log T}{\partial \log v} = \frac{\partial \log T}{\partial \log p} = 1$, \[ T (c \, d \log v + c' \, d \log p) \] aufgenommen. Wenn daher keine W\"{a}rmeaufnahme stattfindet, so ist \[ d \log p = - \frac{c}{c'} \, d \log v,\] und also, wenn man mit \emph{Poisson} annimmt, dass das Verh\"{a}ltniss der beiden specifischen W\"{a}rmen $\displaystyle \frac{c}{c'} = k$ von Temperatur und Druck unabh\"{a}ngig ist, \[ \log p = - k \log v + \mbox{const.} \] Nach neueren Versuchen von \emph{Regnault}, \emph{Joule} und \emph{W.~Thomson} sind diese S\"{a}tze f\"{u}r Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoff und deren Gemenge unter allen darstellbaren Drucken und Temperaturen wahrscheinlich sehr n\"{a}he g\"{u}ltig. Durch \emph{Regnault} ist f\"{u}r diese Gase eine sehr nahe Anschmiegung an das \emph{Boyle}'sche und \emph{Gay-Lussac}'sche Gesetz und die Unabh\"{a}ngigkeit der specifischen W\"{a}rme $c$ von Temperatur und Druck festgestellt worden. F\"{u}r atmosph\"{a}rische Luft fand \emph{Regnault} \begin{quote} \begin{tabular}{crcrl} zwischen&$-30^\circ$C&und&$+10^\circ$C&$c = 0,2377$\\ ,,&$+10^\circ$C&,,&$+100^\circ$C&$c = 0,2379$\\ ,,&$+100^\circ$C&,,&$+215^\circ$C&$c = 0,2376$. \end{tabular} \end{quote} Ebenso ergab sich f\"{u}r Drucke von $1$ bis $10$ Atmosph\"{a}ren kein merklicher Unterschied der specifischen W\"{a}rme. Nach Versuchen von \emph{Regnault} und \emph{Joule} scheint ferner f\"{u}r die Gase die von \emph{Clausius} adoptirte Annahme \emph{Mayer}'s sehr nahe richtig zu sein, dass ein bei constanter Temperatur sich ausdehnendes Gas nur so viel W\"{a}rme aufnimmt, als zur Erzeugung des \"{a}usseren Arbeit erforderlich ist. Wenn das Volumen des Gases sich um $dv$ \"{a}ndert, w\"{a}hrend die Temperatur constant bleibt, so ist $d \log p = - d \log v$, die aufgenommene W\"{a}rmemenge $T (c - c')\, d \log v$, die geleistete Arbeit $p \, dv$. Diese Hypothese giebt daher, wenn $A$ das mechanische Aequivalent der W\"{a}rme bezeichnet, \[ AT (c - c') \, d \log v = p \, dv \] oder \[ c - c' = \frac{pv}{AT},\] also von Druck und Temperatur unabh\"{a}ngig. Hiernach ist auch $\displaystyle k = \frac{c}{c'}$ von Druck und Temperatur unabh\"{a}ngig und ergiebt sich, wenn $c = 0,237733$, $A$ nach \emph{Joule} $= 424,55$ Kilogr.\ met.\ und, f\"{u}r die Temperatur $0^\circ C$ oder $\displaystyle T= \frac{100^\circ\mathrm{C}}{0,3665}$, $pv$ nach \emph{Regnault} $= 7990^{\mathrm{m}},267$ angenommen wird, gleich 1,4101. Die Schallgeschwindigkeit in trockner Luft von $0^\circ$C betr\"{a}gt in der Secunde \[ \sqrt{ 7990^{\mathrm{m}},267 \mathbin{.} 9^{\mathrm{m}},8088 k},\] und w\"{u}rde also mit diesem Werthe von $k$ gleich $332^{\mathrm{m}},440$ gefunden werden, w\"{a}hrend die beiden vollst\"{a}ndigsten Versuchsreihen von \emph{Moll} und \emph{van Beek} daf\"{u}r, einzeln berechnet, $332^{\mathrm{m}},528$ und $331^{\mathrm{m}},867$, vereinigt $332^{\mathrm{m}},271$ geben und die Versuche von \emph{Martins} und \emph{A.~Bravais} nach ihrer eignen Berechnung $332^{\textrm{m}},37$. \medbreak \centerline{1.} \nobreak\medskip F\"{u}r's erste ist es nicht n\"{o}thig, \"{u}ber die Abh\"{a}ngigkeit des Drucks von der Dichtigkeit eine bestimmte Voraussetzung zu machen; wir nehmen daher an, dass bei der Dichtigkeit $\varrho$ der Druck $\varphi(\varrho)$ sei, und lassen die Function $\varphi$ vorl\"{a}ufig noch unbestimmt. Man denke sich nun rechtwinklige Coordinaten $x$,~$y$,~$z$ eingef\"{u}hrt, die $x$-Axe in der Richtung der Bewegung, und bezeichne durch $\varrho$ die Dichtigkeit, durch $p$ den Druck, durch $u$ die Geschwindigkeit f\"{u}r die Coordinate~$x$ zur Zeit~$t$ und durch $\omega$ ein Element der Ebene, deren Coordinate $x$ ist. Der Inhalt des auf dem Element $\omega$ stehenden geraden Cylinders von der H\"{o}he $dx$ ist dann $\omega \, dx$, die in ihm enthaltene Masse $\omega \varrho \, dx$. Die Aenderung dieser Masse w\"{a}hrend des Zeitelements $dt$ oder die Gr\"{o}sse $\displaystyle \omega \frac{\partial \varrho}{\partial t} \, dt \, dx$ bestimmt sich durch die in ihn einstr\"{o}mende Masse, welche $\displaystyle = - \omega \frac{\partial \varrho u}{\partial x} \, dx \, dt$ gefunden wird. Ihre Beschleunigung ist $\displaystyle \frac{\partial u}{\partial t} + u \frac{\partial u}{\partial x}$ und die Kraft, welche sie in der Richtung der positiven $x$-Axe forttreibt, $\displaystyle = - \frac{\partial p}{\partial x} \omega \, dx = - \varphi'(\varrho) \frac{\partial \varrho}{\partial x} \omega \, dx$, wenn $\varphi'(\varrho)$ die Derivirte von $\varphi(\varrho)$ bezeichnet. Man hat daher f\"{u}r $\varrho$ und $u$ die beiden Differentialgleichungen \[ \frac{\partial \varrho}{\partial t} = - \frac{\partial \varrho u}{\partial x} \] und \[ \varrho \left( \frac{\partial u}{\partial t} + u \frac{\partial u}{\partial x} \right) = - \varphi'(\varrho) \frac{\partial \varrho}{\partial x} \] oder \[ \frac{\partial u}{\partial t} + u \frac{\partial u}{\partial x} = - \varphi'(\varrho) \frac{\partial \log \varrho}{\partial x} \] und \[ \frac{\partial \log \varrho}{\partial t} + u \frac{\partial \log \varrho}{\partial x} = - \frac{\partial u}{\partial x}.\] Wenn man die zweite Gleichung, mit $\pm \sqrt{\varphi'(\varrho)}$ multiplicirt, zur ersteren addirt und zur Abk\"{u}rzung \begin{equation} \label{eqn-1.1} \int \sqrt{ \varphi'(\varrho)} \, d \log \varrho = f(\rho) \end{equation} und \begin{equation} \label{eqn-1.2} f(\varrho) + u = 2r,\quad f(\varrho) - u = 2s \end{equation} setzt, so erhalten diese Gleichungen die einfachere Gestalt \begin{equation} \label{eqn-1.3} \frac{\partial r}{\partial t} = - (u + \surd \varphi'(\varrho)) \frac{\partial r}{\partial x},\quad \frac{\partial s}{\partial t} = - (u - \surd \varphi'(\varrho)) \frac{\partial s}{\partial x}, \end{equation} worin $u$ und $\varrho$ durch die Gleichungen (\ref{eqn-1.2}) bestimmte Functionen von $r$ und $s$ sind. Aus ihnen folgt \begin{equation} \label{eqn-1.4} dr= \frac{\partial r}{\partial x} (dx - (u + \surd \varphi'(\varrho)) \, dt) \end{equation} \begin{equation} \label{eqn-1.5} ds= \frac{\partial s}{\partial x} (dx - (u - \surd \varphi'(\varrho)) \, dt). \end{equation} Unter der in der Wirklichkeit immer zutreffenden Vorasusetzung, dass $\varphi'(\varrho)$ positiv ist, besagen diese Gleichungen, dass $r$ constant bleibt, wenn $x$ sich mit $t$ so \"{a}ndert, dass $dx = (u + \surd \varphi'(\varrho)) \, dt$, und $s$ constant bleibt, wenn $x$ sich mit $t$ so \"{a}ndert, dass $dx = (u - \surd \varphi'(\varrho)) \, dt$ ist. Ein bestimmter Werth von $r$ oder von $f(\varrho) + u$ r\"{u}ckt daher zu gr\"{o}sseren Werthen von $x$ mit der Geschwindigkeit $\sqrt{\varphi'(\varrho)} + u$ fort, ein bestimmter Werth von $s$ oder von $f(\varrho) - u$ zu kleineren Werthen von $x$ mit der Geschwindigkeit $\sqrt{\varphi'(\varrho)} - u$. Ein bestimmter Werth von $r$ wird also nach und nach mit jedem vor ihm stattfindenden Werthe von $s$ zusammentreffen, und die Geschwindigkeit seines Fortr\"{u}ckens wird in jedem Augenblicke von dem Werthe von $s$ abh\"{a}ngen, mit welchem er zusammentrifft. \medbreak \centerline{2.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Die Analysis bietet nun zun\"{a}chst die Mittel, die Frage zu beantworten, wo und wann ein Werth $r'$ von $r$ einem vor ihm befindlichen Werthe $s'$ von $s$ begegnet, d.~h.\ $x$ und $t$ als Functionen von $r$ und $s$ zu bestimmen. In der That, wenn man in den Gleichungen (\ref{eqn-1.3}) des vor.\ Art.\ $r$ und $s$ als unabh\"{a}ngige Variable einf\"{u}hrt, so gehen diese Gleichungen in lineare Differentialgleichungen f\"{u}r $x$ und $t$ \"{u}ber und lassen sich also nach bekannten Methoden integriren. Um die Zur\"{u}ckf\"{u}hrung der Differentialgleichungen auf eine lineare zu bewirken, ist es am zweckm\"{a}ssigsten, die Gleichungung (\ref{eqn-1.4}) und (\ref{eqn-1.5}) des vorigen Art.\ in der Form zu setzen: \begin{eqnarray} \label{eqn-2.1} dr &=& \frac{\partial r}{\partial x} \biggl\{ d(x - (u + \surd \varphi'(\varrho) ) t ) \\ & & \qquad + \left[ dr \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} + 1 \right) + ds \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} - 1 \right) \right] t \biggr\} \nonumber\\ \label{eqn-2.2} ds &=& \frac{\partial s}{\partial x} \biggl\{ d(x - (u - \surd \varphi'(\varrho) ) t ) \\ & & \qquad - \left[ ds \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} + 1 \right) + dr \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} - 1 \right) \right] t \biggr\}. \nonumber \end{eqnarray} Man erh\"{a}lt dann, wenn man $s$ und $r$ als unabh\"{a}ngige Variable betrachtet, f\"{u}r $x$ und $t$ die beiden linearen Differentialgleichungen: \begin{eqnarray*} \frac{\partial (x - (u + \surd \varphi'(\varrho)) t)}{\partial s} &=& - t \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} - 1 \right) \\ \frac{\partial (x - (u - \surd \varphi'(\varrho)) t)}{\partial r} &=& \mathbin{\phantom{+}} t \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} - 1 \right).\\ \end{eqnarray*} In Folge derselben ist \begin{equation} \label{eqn-2.3} (x - (u + \surd \varphi'(\varrho)) t) \, dr - (x - (u - \surd \varphi'(\varrho)) t) \, ds \end{equation} ein vollst\"{a}ndiges Differential, dessen Integral, $w$, der Gleichung \[ \frac{\partial^2 w}{\partial r \, \partial s} = - t \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} - 1 \right) = m \left( \frac{\partial w}{\partial r} + \frac{\partial w}{\partial s} \right) \] gen\"{u}gt, worin \[ m = \frac{1}{2 \surd \varphi'(\varrho)} \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} - 1 \right),\] also eine Function von $r + s$ ist. Setzt man $f(\varrho) = r + s = \sigma$, so wird \[ \surd \varphi'(\varrho) = \frac{d\sigma}{d \log \varrho},\] folglich \[ m = - {\textstyle\frac{1}{2}} \frac{\displaystyle d \log \frac{d\varrho}{d\sigma}}{d\sigma}.\] Bei der \emph{Poisson}'schen Annahme $\varphi(\varrho) = a a \varrho^k$ wird \[ f(\varrho) = \frac{2a \surd k}{k - 1} \varrho^{\frac{k-1}{2}} + \mbox{const.}\] und, wenn man f\"{u}r die willk\"{u}rliche Constante den Werth Null w\"{a}hlt, \[ \sqrt{\varphi'(\varrho)} + u = \frac{k + 1}{2} r + \frac{k - 3}{2} s,\quad \sqrt{\varphi'(\varrho)} - u = \frac{k - 3}{2} r + \frac{k + 1}{2} s,\] \[ m = \left( \frac{1}{2} - \frac{1}{k-1} \right) \frac{1}{\sigma} = \frac{k - 3}{2(k - 1)(r + s)}.\] Unter Voraussetzung des \emph{Boyle}'schen Gesetzes $\varphi(\varrho) = a a \varrho$ erh\"{a}lt man \[ f(\varrho) = a \log \varrho,\] \[ \sqrt{\varphi'(\varrho)} + u = r - s + a,\quad \sqrt{\varphi'(\varrho)} - u = s - r + a,\] \[ m = - \frac{1}{2a},\] Werthe, die aus den obigen fliessen, wenn man $f(\varrho)$ um die Constante $\displaystyle \frac{2a\surd k}{k - 1}$, also $r$ und $s$ um $\displaystyle \frac{a\surd k}{k - 1}$ vermindert und dann $k = 1$ setzt. Die Einf\"{u}hrung von $r$ und $s$ als unabh\"{a}ngig ver\"{a}nderlichen Gr\"{o}ssen ist indess nur m\"{o}glich, wenn die Determinante dieser Functionen von $x$ und $t$, welche $\displaystyle = 2 \sqrt{\varphi'(\varrho)} \frac{\partial r}{\partial x} \frac{\partial s}{\partial x}$, nicht verschwindet, also nur wenn $\displaystyle \frac{\partial r}{\partial x}$ und $\displaystyle \frac{\partial s}{\partial x}$ beide von Null verschieden sind. Wenn $\displaystyle \frac{\partial r}{\partial x} = 0$ ist, ergiebt sich aus (\ref{eqn-2.1}) $dr = 0$ und aus (\ref{eqn-2.2}) $x - (u - \surd \varphi'(\varrho)) t =$ einer Function von $s$. Es ist folglich auch dann der Ausdruck (3) ein vollst\"{a}ndiges Differential, und es wird $w$ eine blosse Function von $s$. Aus \"{a}hnlichen Gr\"{u}nden werden, wenn $\displaystyle \frac{\partial s}{\partial x} = 0$ ist, $s$ auch in Bezug auf $t$ constant, $x - (u + \surd \varphi'(\varrho)) t$ und $w$ Functionen von $r$. Wenn endlich $\displaystyle \frac{\partial r}{\partial x} = 0$ und $\displaystyle \frac{\partial s}{\partial x} = 0$ beide $= 0$ sind, so werden in Folge der Differentialgleichungen $r$, $s$ und $w$ Constanten. \medbreak \centerline{3.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Um die Aufgabe zu l\"{o}sen, muss nun zun\"{a}chst $w$ als Function von $r$ und $s$ so bestimmt werden, dass sie der Differentialgleichung \begin{equation} \label{eqn-3.1} \frac{\partial^2 w}{\partial r \, \partial s} - m \left( \frac{\partial w}{\partial r} + \frac{\partial w}{\partial s} \right) = 0 \end{equation} und den Anfangsbedingungen gen\"{u}gt, wodurch sie bis auf eine Constante, die ihr offenbar willk\"{u}rlich hinzugef\"{u}gt werden kann, bestimmt ist. Wo und wann ein bestimmter Werth von $r$ mit einem bestimmten Werthe von $s$ zusammentrifft, ergiebt sich dann aus der Gleichung \begin{equation} \label{eqn-3.2} (x - (u + \sqrt{\varphi'(\varrho)}) t) \, dr - (x - (u - \sqrt{\varphi'(\varrho)}) t) \, ds = dw, \end{equation} und hierauf findet man schliesslich $u$ und $\varrho$ als Functionen von $x$ und $t$ durch Hinzuziehung der Gleichungen \begin{equation} \label{eqn-3.3} f(\varrho) + u = 2r,\quad f(\varrho) - u = 2s. \end{equation} In der That folgen, wenn nicht etwa in einer endlichen Strecke $dr$ oder $ds$ Null und folglich $r$ oder $s$ constant ist, aus (2) die Gleichungen \begin{eqnarray} \label{eqn-3.4} x - (u + \sqrt{\varphi'(\varrho)}) t &=& \frac{\partial w}{\partial r},\\ \label{eqn-3.5} x - (u - \sqrt{\varphi'(\varrho)}) t &=& - \frac{\partial w}{\partial s}, \end{eqnarray} durch deren Verbindung mit (\ref{eqn-3.3}) man $u$ und $\varrho$ in $x$ und $t$ ausgedr\"{u}ckt erh\"{a}lt. Wenn aber $r$ anfangs in einer endlichen Strecke denselben Werth $r'$ hat, so r\"{u}ckt diese Strecke allm\"{a}hlich zu gr\"{o}sseren Werthen von $x$ fort. Innerhalb dieses Gebietes, wo $r = r'$, kann man dann aus der Gleichung (\ref{eqn-3.2}) den Werth von $x - (u + \sqrt{\varphi'(\varrho)}) t$ nicht ableiten, da $dr = 0$; und in der That l\"{a}sst die Frage, wo und wann dieser Werth $r'$ einem bestimmten Werthe von $s$ begegnet, dann keine bestimmte Antwort zu. Die Gleichung (\ref{eqn-3.4}) gilt dann nur an den Grenzen dieses Gebietes und giebt an, zwischen welchen Werthen von $x$ zu einer bestimmten Zeit der constante Werth $r'$ von $r$ stattfindet, oder auch, w\"{a}hrend welches Zeitraums $r$ an einer bestimmten Stelle diesen Werth beh\"{a}lt. Zwischen diesen Grenzen bestimmen sich $u$ und $\varrho$ als Functionen von $x$ und $t$ aus dem Gleichungen (\ref{eqn-3.3}) und (\ref{eqn-3.5}). Auf \"{a}hnlichem Wege findet man diese Functionen, wenn $s$ den Werth $s'$ in einem endlichen Gebiete besitzt, w\"{a}hrend $r$ ver\"{a}nderlich ist, sowie auch wenn $r$ und $s$ beide constant sind. In letzterem Falle nehmen sie zwischen gewissen durch (\ref{eqn-3.4}) und (\ref{eqn-3.5}) bestimmten Grenzen constante aus (\ref{eqn-3.3}) fliessende Werthe an. \medbreak \centerline{4.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Bevor wir die Integration der Gleichung (\ref{eqn-3.1}) des vor.\ Art.\ in Angriff nehmen, scheint es zweckm\"{a}ssig, einige Er\"{o}rterungen vorauszuschicken, welche die Ausf\"{u}hrung dieser Integration nicht voraussetzen. Ueber die Function $\varphi(\varrho)$ ist dabei nur die Annahme n\"{o}thig, dass ihre Derivirte bei wachsendem $\varrho$ nicht abnimmt, was in der Wirklichkeit gewiss immer der Fall ist; und wir bemerken gleich hier, was in folgenden Art.\ mehrfach angewandt werden wird, dass dann \[ \frac{\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2)}{\varrho_1 - \varrho_2} = \int\limits_0^1 \varphi'(\alpha \varrho_1 + (1 - \alpha) \varrho_2) \, d\alpha,\] wenn nur eine der Gr\"{o}ssen $\varrho_1$ und $\varrho_2$ sich \"{a}ndert, entweder constant bleibt oder mit dieser Gr\"{o}sse zugleich w\"{a}chst und abnimmt, woraus zugleich folgt, dass der Werth dieses Ausdrucks stets zwischen $\varphi'(\varrho_1)$ und $\varphi'(\varrho_2)$ liegt. Wir betrachten zun\"{a}chst den Fall, wo die anf\"{a}ngliche Gleichgewichtsst\"{o}rung auf ein endliches durch die Ungleichheiten $a < x < b$ begrenztes Gebiet beschr\"{a}nkt ist, so dass ausserhalb desselben $u$ und $\varrho$ und folglich auch $r$ und $s$ constant sind; die Werthe dieser Gr\"{o}ssen f\"{u}r $x < a$ m\"{o}gen durch Anh\"{a}ngung des Index~$1$, f\"{u}r $x > b$ durch den Index~$2$ bezeichnet werden. Das Gebiet, in welchem $r$ ver\"{a}nderlich ist, bewegt sich nach Art.~1 allm\"{a}hlich vorw\"{a}rts und zwar seine hintere Grenze mit der Geschwindigkeit $\sqrt{\varphi'(\varrho_1)} + u_1$, w\"{a}hrend die vordere Grenze des Gebiets, in welchem $s$ ver\"{a}nderlich ist, mit der Geschwindigkeit $\sqrt{\varphi'(\varrho_2)} - u_2$ r\"{u}ckw\"{a}rts geht. Nach Verlauf der Zeit \[ \frac{b - a}{\sqrt{\varphi'(\varrho_1)} + \sqrt{\varphi'(\varrho_2)} + u_1 - u_2} \] fallen daher beide Gebiete auseinander, und zwischen ihnen bildet sich ein Raum, in welchem $s = s_2$ und $r = r_1$ ist und folglich die Gastheilchen wieder im Gleichgewicht sind. Von der anfangs ersch\"{u}tterten Stelle gehen also zwei nach entgegengesetzten Richtungen fortschreitende Wellen aus. In der vorw\"{a}rtsgehenden ist $s = s_2$; es ist daher mit einem bestimmten Werthe $\varrho$ der Dichtigkeit stets die Geschwindigkeit $u = f(\varrho) - 2s_2$ verbunden, und beide Werthe r\"{u}cken mit der constanten Geschwindigkeit \[ \sqrt{\varphi'(\varrho)} + u = \sqrt{\varphi'(\varrho)} + f(\varrho) - 2 s_2 \] vorw\"{a}rts. In der r\"{u}ckw\"{a}rtslaufenden ist dagegen mit der Dichtigkeit $\varrho$ die Geschwindigkeit $-f(\varrho) + 2 r_1$ verbunden, und diese beiden Werthe bewegen sich mit der Geschwindigkeit $\sqrt{\varphi'(\varrho)} + f(\varrho) - 2 r_1$ r\"{u}ckwarts. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit ist f\"{u}r gr\"{o}ssere Dichtigkeiten eine gr\"{o}ssere, da sowohl $\sqrt{\varphi'(\varrho)}$, als $f(\varrho)$ mit $\varrho$ zugleich w\"{a}chst. Denkt man sich $\varrho$ als Ordinate einer Curve f\"{u}r die Abscisse~$x$, so bewegt sich jeder Punkt dieser Curve parallel der Abscissenaxe mit constanter Geschwindigkeit fort und zwar mit desto gr\"{o}sserer, je gr\"{o}sser seine Ordinate ist. Man bemerkt leicht, dass bei diesem Gesetze Punkte mit gr\"{o}sseren Ordinaten schliesslich voraufgehende Punkte mit kleineren Ordinaten \"{u}berholen w\"{u}rden, so dass zu einem Werthe von $x$ mehr als ein Werth von $\varrho$ geh\"{o}ren w\"{u}rde. Da nun dieses in Wirklichkeit nicht stattfinden kann, so muss ein Umstand eintreten, wodurch dieses Gesetz ung\"{u}ltig wird. In der That liegt nun der Herleitung der Differentialgleichungen die Voraussetzung zu Grunde, dass $u$ und $\varrho$ stetige Functionen von $x$ sind und endliche Derivirten haben; diese Voraussetzung h\"{o}rt aber auf erf\"{u}llt zu sein, sobald in irgend einem Punkte die Dichtigkeitscurve senkrecht zur Abscissenaxe wird, und von diesem Augenblicke an tritt in dieser Curve eine Discontinuit\"{a}t ein, so dass ein gr\"{o}sserer Werth von $\varrho$ einem kleineren unmittelbar nachfolgt; ein Fall, der im n\"{a}chsten Art.\ er\"{o}rtert werden wird. Die Verdichtungswellen, d.~h.\ die Theile der Welle, in welchen die Dichtigkeit in der Fortpflanzungsrichtung abnimmt, werden demnach bei ihrem Fortschreiten immer schm\"{a}ler und gehen schliesslich in Verdichtungsst\"{o}sse \"{u}ber; die Breite der Verd\"{u}nnungswellen aber w\"{a}chst best\"{a}ndig der Zeit proportional. Es l\"{a}sst sich, wenigstens unter Voraussetzung des \emph{Poisson}'schen (oder \emph{Boyle}'schen) Gesetzes, leicht zeigen, dass auch dann, wenn die anf\"{a}ngliche Gleichgewichtsst\"{o}rung nicht auf ein endliches Gebiet beschr\"{a}nkt ist, sich stets, von ganz besonderen F\"{a}llen abgesehen, im Laufe der Bewegung Verdichtungsst\"{o}sse bilden m\"{u}ssen. Die Geschwindigkeit, mit welcher ein Werth von $r$ vorw\"{a}rts r\"{u}ckt, ist bei dieser Annahme \[ \frac{k + 1}{2} r + \frac{k - 3}{2} s;\] gr\"{o}ssere Werthe werden sich also durchschnittlich mit gr\"{o}sserer Geschwindigkeit bewegen, und ein gr\"{o}sserer Werth $r'$ wird einen voraufgehenden kleineren Werth $r''$ schliesslich einholen m\"{u}ssen, wenn nicht der mit $r''$ zusammentreffende Werth von $s$ durchschnittlich um \[ (r' - r'') \frac{1 + k}{3 - k} \] kleiner ist, als der gleichzeitig mit $r'$ zusammentreffende. In diesem Falle w\"{u}rde $s$ f\"{u}r ein positiv unendliches $x$ negativ unendlich werden, und also f\"{u}r $x = +\infty$ die Geschwindigkeit $u = +\infty$ (oder auch statt dessen \emph{Boyle}'schen Gesetz die Dichtigkeit unendlich klein) werden. Von speciellen F\"{a}llen abgesehen, wird also immer der Fall eintreten m\"{u}ssen, dass ein um eine endliche Gr\"{o}sse gr\"{o}sserer Werth von $r$ einem kleineren unmittelbar nachfolgt; es werden folglich, durch ein Unendlichwerden von $\displaystyle \frac{\partial r}{\partial x}$, die Differentialgleichungen ihre G\"{u}ltigkeit verlieren und vorw\"{a}rtslaufende Verdichtungsst\"{o}sse entstehen m\"{u}ssen. Ebenso werden fast immer, indem $\displaystyle \frac{\partial s}{\partial x}$ unendlich wird, r\"{u}ckw\"{a}rtslaufende Verdichtungsst\"{o}sse sich bilden. Zur Bestimmung des Zeiten und Orte, f\"{u}r welche $\displaystyle \frac{\partial r}{\partial x}$, oder $\displaystyle \frac{\partial s}{\partial x}$ unendlich wird und pl\"{o}tzliche Verdichtungen ihren Anfang nehmen, erh\"{a}lt man aus den Gleichungen (\ref{eqn-2.1}) und (\ref{eqn-2.2}) des Art.~2, wenn man darin die Function~$w$ einf\"{u}hrt, \begin{eqnarray*} \frac{\partial r}{\partial x} \left( \frac{\partial^2 w}{\partial r^2} + \left( \frac{d \log \sqrt{\varphi'(\varrho)}}{d \log \varrho} + 1 \right) t \right) &=& 1,\\ \frac{\partial s}{\partial x} \left( - \frac{\partial^2 w}{\partial s^2} - \left( \frac{d \log \sqrt{\varphi'(\varrho)}}{d \log \varrho} + 1 \right) t \right) &=& 1. \end{eqnarray*} \medbreak \centerline{5.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Wir m\"{u}ssen nun, da sich pl\"{o}tzliche Verdichtungen fast immer einstellen, auch wenn sich Dichtigkeit und Geschwindigkeit anfangs allenthalben stetig \"{a}ndern, die Gesetze f\"{u}r das Fortschreiten von Verdichtungsst\"{o}ssen aufsuchen. Wir nehmen an, dass zur Zeit~$t$ f\"{u}r $x = \xi$ eine sprungweise Aenderung von $u$ und $\varrho$ stattfinde, und bezeichnen die Werthe dieser und der von ihnen abh\"{a}ngigen Gr\"{o}ssen f\"{u}r $x = \xi - 0$ durch Anh\"{a}ngung des Index~$1$ und f\"{u}r $x = \xi + 0$ durch die Index~$2$; die relativen Geschwindigkeiten, mit welchen das Gas sich gegen die Unstetigkeitsstelle bewegt, \[ u_1 - \frac{d\xi}{dt},\quad u_2 - \frac{d\xi}{dt},\] m\"{o}gen durch $v_1$ und $v_2$ bezeichnet werden. Die Masse, welche durch ein Element~$\omega$ der Ebene, wo $x = \xi$, in Zeitelement $dt$ in positiver Richtung hindurchgeht, ist dann $= v_1 \varrho_1 \omega \, dt = v_2 \varrho_2 \omega \, dt$; die ihr eingedr\"{u}ckte Kraft $(\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2)) \omega \, dt$ und der dadurch bewirkte Zuwachs an Geschwindigkeit $v_2 - v_1$; man hat daher \[ (\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2)) \omega \, dt = (v_2 - v_1) v_1 \varrho_1 \omega \, dt \quad\mbox{und}\quad v_1 \varrho_1 = v_2 \varrho_2,\] woraus folgt \[ v_1 = \mp \sqrt{ \frac{\varrho_2}{\varrho_1} \frac{\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2)}{ \varrho_1 - \varrho_2} },\] also \begin{equation} \label{eqn-5.1} \frac{d\xi}{dt} = u_1 \pm \sqrt{ \frac{\varrho_2}{\varrho_1} \frac{\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2)}{ \varrho_1 - \varrho_2} } = u_2 \pm \sqrt{ \frac{\varrho_1}{\varrho_2} \frac{\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2)}{ \varrho_1 - \varrho_2} }. \end{equation} F\"{u}r einen Verdichtungsstoss muss $\varrho_2 - \varrho_1$ dasselbe Zeichen, wie $v_1$ und $v_2$, haben, und zwar f\"{u}r einen vorw\"{a}rtslaufenden das negative, f\"{u}r einen r\"{u}ckw\"{a}rtslaufenden das positive. Im ersten Falle gelten die oberen Zeichen und $\varrho_1$ ist gr\"{o}sser als $\varrho_2$; es ist daher, bei der zu Anfang des vorigen Artikels gemachten Annahme \"{u}ber die Function $\varphi(\varrho)$ \begin{equation} \label{eqn-5.2} u_1 + \sqrt{\varphi'(\varrho_1)} > \frac{d\xi}{dt} > u_2 + \sqrt{\varphi'(\varrho_2)}, \end{equation} und folglich r\"{u}ckt die Unstetigkeitsstelle langsamer fort als die nachfolgenden und schneller als die voraufgehenden Werthe von $r$; $r_1$ und $r_2$ sind also in jedem Augenblicke durch die zu beiden Seiten der Unstetigkeitsstelle geltenden Differentialgleichungen bestimmt. Dasselbe gilt, da die Werthe von $s$ sich mit der Geschwindigkeit $\sqrt{\varphi'(\varrho)} - u$ r\"{u}ckw\"{a}rts bewegen, auch f\"{u}r $s_2$ und folglich f\"{u}r $\varrho_2$ und $u_2$, aber nicht f\"{u}r $s_1$. Die Werthe von $s_1$ und $\displaystyle \frac{d\xi}{dt}$ bestimmen sich aus $r_1$, $\varrho_2$ und $u_2$ eindeutig durch die Gleichungen (\ref{eqn-5.1}). In der That gen\"{u}gt der Gleichung \begin{equation} \label{eqn-5.3} 2(r_1 - r_2) = f(\varrho_1) - f(\varrho_2) + \sqrt{ \frac{(\varrho_1 -\varrho_2) (\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2))}{\varrho_1 \varrho_2} } \end{equation} nur ein Werth von $\varrho_1$; denn die rechte Seite nimmt, wenn $\varrho_1$ von $\varrho_2$ an in's Unendliche w\"{a}chst, jeden positiven Werth nur einmal an, da sowohl $f(\varrho_1)$ als auch die beiden Factoren \[ \sqrt{ \frac{\varrho_1}{\varrho_2} } - \sqrt{ \frac{\varrho_2}{\varrho_1} } \quad\mbox{und}\quad \sqrt{ \frac{\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2)}{ \varrho_1 - \varrho_2 } },\] in welche sich das letzte Glied zerlegen l\"{a}sst, best\"{a}ndig wachsen oder doch nur der letztere Factor constant bleibt. Wenn aber $\varrho_1$ bestimmt ist, erh\"{a}lt man durch die Gleichungen (\ref{eqn-5.1}) offenber v\"{o}llig bestimmte Werthe f\"{u}r $u_1$ und $\displaystyle \frac{d\xi}{dt}$. Ganz Aehnliches gilt f\"{u}r einen r\"{u}ckw\"{a}rtslaufenden Verdichtungsstoss. \medbreak \centerline{6.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Wir haben eben gefunden, dass in einem fortschreitenden Verdichtungsstosse zwischen den Werthen von $u$ und $\varrho$ zu beiden Seiten desselben stets die Gleichung \[ (u_1 - u_2)^2 = \frac{(\varrho_1 -\varrho_2) (\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2))}{\varrho_1 \varrho_2} \] stattfindet. Es fragt sich nun, was eintritt, wenn zu einer gegebenen Zeit an einer gegebenen Stelle beliebig Unstetigkeiten vorhanden sind. Es k\"{o}nnen dann von dieser Stelle, je nach den Werthen von $u_1$, $\varrho_1$, $u_2$, $\varrho_2$, entweder zwei nach entgegengesetzten Seiten laufende Verdichtungsst\"{o}sse ausgehen, oder ein vorw\"{a}rtslaufender, oder ein r\"{u}ckw\"{a}rtslaufender, oder endlich kein Verdichtungsstoss, so dass die Bewegung nach den Differentialgleichungen erfolgt. Bezeichnet man die Werthe, welche $u$ und $\varrho$ hinter oder zwischen den Verdichtungsst\"{o}ssen im ersten Augenblicke ihres Fortschreitens annehmen, durch Hinzuf\"{u}gung eines Accents, so ist im ersten Falle $\varrho' > \varrho_1$ und $> \varrho_2$, und man hat \begin{equation} \label{eqn-6.1} \begin{array}{l} \displaystyle u_1 - u' = \sqrt{ \frac{(\varrho' - \varrho_1) (\varphi(\varrho') - \varphi(\varrho_1))}{\varrho' \varrho_1} }, \\[12 pt] \displaystyle u' - u_2 = \sqrt{ \frac{(\varrho' - \varrho_2) (\varphi(\varrho') - \varphi(\varrho_2))}{\varrho' \varrho_2} }; \end{array} \end{equation} \begin{equation} \label{eqn-6.2} u_1 - u_2 = \sqrt{ \frac{(\varrho' - \varrho_1) (\varphi(\varrho') - \varphi(\varrho_1))}{\varrho' \varrho_1} } + \sqrt{ \frac{(\varrho' - \varrho_2) (\varphi(\varrho') - \varphi(\varrho_2))}{\varrho' \varrho_2} }. \end{equation} Es muss also, da beide Glieder der rechten Seite von (\ref{eqn-6.2}) mit $\varrho'$ zugleich wachsen, $u_1 - u_2$ positiv sein und \[ (u_1 - u_2)^2 > \frac{(\varrho_1 -\varrho_2) (\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2))}{\varrho_1 \varrho_2}; \] und umgekehrt giebt es, wenn diese Bedungungen erf\"{u}llt sind, stets ein und nur ein den Gleichungen (\ref{eqn-6.1}) gen\"{u}gendes Werthenpaar von $u'$ und $\varrho'$. Damit der letzte Fall eintritt und also die Bewegung sich den Differentialgleichungen gem\"{a}ss bestimmen l\"{a}sst, ist es nothwending und hinreichend, dass $r_1 \leq r_2$ und $s_1 \geq s_2$ sei, also $u_1 - u_2$ negativ und $(u_1 - u_2)^2 \geq (f(\varrho_1) - f(\varrho_2))^2$. Die Werthe $r_1$ und $r_2$, $s_1$ und $s_2$ treten dann, da der voraufgehende Werth mit gr\"{o}sserer Geschwindigkeit fortr\"{u}ckt, im Fortschreiten auseinander, so dass die Unstetigkeit verschwindet. Wenn weder die ersteren, noch die letzteren Bedungungen erf\"{u}llt sind, so gen\"{u}gt den Anfangswerthen \emph{Ein} Verdichtungsstoss, und zwar ein vorw\"{a}rts oder r\"{u}ckw\"{a}rts laufender, je nachdem $\varrho_1$ gr\"{o}sser oder kleiner als $\varrho_2$ ist. In der That ist dann, wenn $\varrho_1 > \varrho_2$, \[ 2(r_1 - r_2) \quad\mbox{oder}\quad f(\varrho_1) - f(\varrho_2) + u_1 - u_2 \] positiv,---weil $(u_1 - u_2)^2 < ( f(\varrho_1) - f(\varrho_2) )^2$ ---, und zugleich \[ \leq f(\varrho_1) - f(\varrho_2) + \sqrt{ \frac{(\varrho_1 -\varrho_2) (\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2))}{\varrho_1 \varrho_2} } \] weil \[ (u_1 - u_2)^2 \leq \frac{(\varrho_1 -\varrho_2) (\varphi(\varrho_1) - \varphi(\varrho_2))}{\varrho_1 \varrho_2}; \] es l\"{a}sst sich also f\"{u}r die Dichtigkeit $\varrho'$ hinter dem Verdichtungsstoss ein der Bedingung (\ref{eqn-5.3}) des vor.\ Art.\ gen\"{u}gender Werth finden und dieser ist $\leq \varrho_1$. Folglich wird, da $s' = f(\varrho') - r_1$, $s_1 = f(\varrho_1) - r_1$, auch $s' \leq s_1$, so dass die Bewegung hinter dem Verdichtungsstosse nach den Differentialgleichungen erfolgen kann. Der andere Fall, wenn $\varrho_1 < \varrho_2$, ist offenbar von diesem nicht wesentlich verschieden. \medbreak \centerline{7.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Um das Bisherige durch ein einfaches Beispiel zu erl\"{a}utern, wo sich die Bewegung mit den bis jetzt gewonnenen Mitteln bestimmen l\"{a}sst, wollen wir annehmen, dass Druck und Dichtigkeit von einander nach dem \emph{Boyle}'schen Gesetz abh\"{a}ngen und anfangs Dichtigkeit und Geschwindigkeit sich bei $x = 0$ sprungweise \"{a}ndern, aber zu beiden Seiten dieser Stelle constant sind. Es sind dann nach dem Obigen vier F\"{a}lle zu unterscheiden. I. Wenn $u_1 - u_2 > 0$, also die beiden Gasmassen sich einander entgegen bewegen und \[ \left( \frac{u_1 - u_2}{a} \right)^2 > \frac{(\varrho_1 - \varrho_2)^2}{\varrho_1 \varrho_2},\] so bilden sich sich zwei entgegengesetzt laufende Verdichtungsst\"{o}sse. Nach Art.~6 (\ref{eqn-6.1}) ist, wenn $\displaystyle \root 4 \of {\frac{\rho_1}{\rho_2}}$ durch $\alpha$ und durch $\theta$ die positive Wurzel der Gleichung \[ \frac{u_1 - u_2}{\displaystyle a \left( \alpha + \frac{1}{\alpha} \right)} = \theta + \frac{1}{\theta} \] bezeichnet wird, die Dichtigkeit zwischen den Verdichtungsst\"{o}ssen \[ \varrho' = \theta \theta \sqrt{ \varrho_1 \varrho_2 },\] und nach Art.~5 (\ref{eqn-5.1}) hat man f\"{u}r den vorw\"{a}rtslaufenden Verdichtungsstoss \[ \frac{d\xi}{dt} = u_2 + a \alpha \theta = u' + \frac{a}{\alpha \theta},\] f\"{u}r den r\"{u}ckw\"{a}rtslaufenden \[ \frac{d\xi}{dt} = u_1 - a \frac{\theta}{\alpha} = u' - a \frac{\alpha}{\theta};\] die Werthe der Geschwindigkeit und Dichtigkeit sind also nach Verlauf der Zeit~$t$, wenn \[ \left( u_1 - a \frac{\theta}{\alpha} \right) t < x < (u_2 + a \alpha \theta ) t,\] $u'$ und $\varrho'$, f\"{u}r ein kleineres $x$ $u_1$ und $\varrho_1$ und f\"{u}r ein gr\"{o}sseres $u_2$ und $\varrho_2$. II. Wenn $u_1 - u_2 < 0$, folglich die Gasmassen sich aus einander bewegen, und zugleich \[ \left( \frac{u_1 - u_2}{a} \right)^2 \geq \left( \log \frac{\varrho_1}{\varrho_2} \right)^2,\] so gehen von der Grenze nach entgegengesetzten Richtungen zwei allm\"{a}hlich breiter werdende Verd\"{u}nnungswellen aus. Nach Art.~4 ist zwischen ihnen $r = r_1$, $s = s_2$, $u = r_1 - s_2$. In der vorw\"{a}rtslaufenden ist $s = s_2$ und $x - (u + a) t$ eine Function von $r$, deren Werth, aus den Anfangwerthen $t = 0$, $x = 0$, sich $= 0$ findet; f\"{u}r die r\"{u}ckw\"{a}rtslaufende dagegen hat man $r = r_1$ und $x - (u - a) t = 0$. Die eine Gleichung zur Bestimmung von $u$ und $\varrho$ ist also, wenn \[ (r_1 - s_2 + a) t < x < (u_2 + a) t,\quad u = - a + \frac{x}{t},\] f\"{u}r kleinere Werthe von $x$ $r = r_1$ und f\"{u}r gr\"{o}ssere $r = r_2$; die andere Gleichung ist, wenn \[ (u_1 - a)t < x < (r_1 - s_2 - a)t,\quad u = a + \frac{x}{t},\] f\"{u}r ein kleineres $x$ $s = s_1$ und f\"{u}r ein gr\"{o}sseres $s = s_2$. III. Wenn keiner dieser beiden F\"{a}lle stattfindet und $\varrho_1 > \varrho_2$, so entsteht eine r\"{u}ckw\"{a}rtslaufende Verd\"{u}nnungswelle und ein vorw\"{a}rtsschreitender Verdichtungsstoss. F\"{u}r letzteren findet sich aus Art.~5 (\ref{eqn-5.3}), wenn $\theta$ die Wurzel der Gleichung \[ \frac{2(r_1 - r_2)}{a} = 2 \log \theta + \theta - \frac{1}{\theta} \] bezeichnet $\varrho' = \theta \theta \varrho_2$ und aus Art.~5 (\ref{eqn-5.1}) \[ \frac{d\xi}{dt} = u_2 + a \theta = u' + \frac{a}{\theta}.\] Nach Verlauf der Zeit~$t$ ist demnach vor dem Verdichtungsstosse, also wenn $x > (u_2 + a \theta) t$, $u = u_2$, $\varrho = \varrho_2$, hinter dem Verdichtungsstosse aber hat man $r = r_1$ und ausserdem, wenn \[ (u_1 - a) t < x < (u' - a) t,\quad u = a + \frac{x}{t},\] f\"{u}r ein kleineres $x$ $u = u_1$ und f\"{u}r ein gr\"{o}sseres $u = u'$. IV. Wenn endlich die beiden ersten F\"{a}lle nicht stattfinden und $\varrho_1 < \varrho_2$, so ist der Verlauf ganz wie in III., nur der Richtung nach entgegengesetzt. \medbreak \centerline{8.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Um unsere Aufgabe allgemein zu l\"{o}sen, muss nach Art.~3 die Function~$w$ so bestimmt werden, dass sie der Differentialgleichung \begin{equation} \label{eqn-8.1} \frac{\partial^2 w}{\partial r \, \partial s} - m \left( \frac{\partial w}{\partial r} + \frac{\partial w}{\partial s} \right) = 0 \end{equation} und den Anfangsbedingungen gen\"{u}gt. Schliessen wir den Fall aus, dass Unstetigkeiten eintreten, so sind offenbar nach Art.~1 Ort und Zeit oder die Werthe von $x$ und $t$, f\"{u}r welche ein bestimmter Werth~$r'$ von $r$ mit einem bestimmten Werthe~$s'$ von $s$ zusammentrifft, v\"{o}llig bestimmt, wenn die Anfangswerthe von $r$ und $s$ f\"{u}r die Strecke zwischen den beiden Werthen $r'$ von $r$ und $s'$ von $s$ gegeben sind und \"{u}berall in dem Gr\"{o}ssengebiet $(S)$, welches f\"{u}r jeden Werth von $t$ die zwischen den beiden Werthen, wo $r = r'$ und $s = s'$, liegenden Werthe von $x$ umfasst, die Differentialgleichungen (\ref{eqn-1.3}) des Art.~1 erf\"{u}llt sind. Es ist also auch der Werth von $w$ f\"{u}r $r = r'$, $s = s'$ v\"{o}llig bestimmt, wenn $w$ \"{u}berall in dem Gr\"{o}ssengebiet $(S)$ der Differentialgleichung~(\ref{eqn-8.1}) gen\"{u}gt und f\"{u}r die Anfangswerthe von $r$ und $s$ die Werthe von $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r}$ und $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s}$, also, bis auf eine additive Constante, auch von $w$ gegeben sind und diese Constante beliebig gew\"{a}hlt worden ist. Denn diese Bedingungen sind mit den obigen gleichbedeutend. Auch folgt aus Art.~3 noch, dass $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r}$ zwar zu beiden Seiten eines Werthes $r''$ von $r$, wenn dieser Werth in einen endlichen Strecke stattfindet, verschiedene Werthe annimmt, sich aber allenthalben stetig mit $s$ \"{a}ndert; ebenso \"{a}ndert sich $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s}$ mit $r$, die Function~$w$ selbst aber sowohl mit $r$, als mit $s$ allenthalben stetig. Nach diesen Vorbereitungen k\"{o}nnen wir nun an die L\"{o}sung unserer Aufgabe gehen, an die Bestimmung des Werthes von $w$ f\"{u}r zwei beliebige Werthe, $r'$ und $s'$, von $r$ und $s$. Zur Veranschaulichung denke man sich $x$ und $t$ als Abscisse und Ordinate eines Punkts in einer Ebene und in dieser Ebene die Curven gezogen, wo $r$ und wo $s$ constante Werthe hat. Von diesen Curven m\"{o}gen die ersteren durch $(r)$ die letzteren durch $(s)$ bezeichnet und in ihnen die Richtung, in welcher $t$ w\"{a}chst, als die positive betrachtet werden. Das Gr\"{o}ssengebiet $(S)$ wird dann repr\"{a}sentirt durch ein St\"{u}ck der Ebene, welche begrenzt ist durch die Curve $(r')$, die Curve $(s')$ und das zwischen beiden liegende St\"{u}ck der Abscissenaxe, und es handelt sich darum, den Werth von $w$ in dem Durchschittspunkte der beiden ersteren aus den in letzterer Linie gegebenen Werthen zu bestimmen. Wir wollen die Aufgabe noch etwas verallgemeinern und annehmen, dass die Gr\"{o}ssengebiet $(S)$, statt durch die letztere Linie, durch eine beliebige Curve~$c$ begrenzt werde, welche keine der Curven $(r)$ und $(s)$ mehr als einmal schneidet, und dass f\"{u}r die dieser Curve angeh\"{o}rigen Werthenpaare von $r$ und $s$ die Werthe von $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r}$ und $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s}$ gegeben seien. Wie sich der Aufl\"{o}sung der Aufgabe ergeben wird, unterliegen auch dann diese Werthe von $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r}$ und $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s}$ nur der Bedingung, sich stetig mit dem Ort in der Curve zu \"{a}ndern, k\"{o}nnen aber \"{u}brigens willk\"{u}rlich angenommen werden, w\"{a}hrend diese Werthe nicht von einander unabh\"{a}ngig sein w\"{u}rden, wenn die Curve~$c$ eine der Curven $(r)$ oder $(s)$ mehr als einmal schnitte. Um Functionen zu bestimmen, welche linearen partiellen Differentialgleichungen und linearen Grenzbedingungen gen\"{u}gen sollen, kann man ein ganz \"{a}hnliches Verfahren anwenden, wie wenn man zur Aufl\"{o}sung eines Systems von linearen Gleichungen s\"{a}mmtliche Gleichungen, mit unbestimmten Factoren multiplicirt, addirt und diese Factoren dann so bestimmt, dass aus der Summe alle unbekannten Gr\"{o}ssen bis auf eine herausfallen. Man denke sich das St\"{u}ck $(S)$ der Ebene durch die Curven $(r)$ und $(s)$ in unendlich kleine Parallelogramme zerschnitten und bezeichne durch $\delta r$ und $\delta s$ die Aenderungen, welche die Gr\"{o}ssen $r$ und $s$ erleiden, wenn die Curvenelemente, welche die Seiten dieser Parallelogramme bilden, in positiver Richtung durchlaufen werden; man bezeichne ferner durch $v$ eine beliebige Function von $r$ und $s$, welche allenthalben stetig ist und stetige Derivirten hat. In Folge der Gleichung~(\ref{eqn-8.1}) hat man dann \begin{equation} \label{eqn-8.2} 0 = \int v \left( \frac{\partial^2 w}{\partial r \, \partial s} - m \left( \frac{\partial w}{\partial r} + \frac{\partial w}{\partial s} \right) \right) \, \delta r \, \delta s \end{equation} \"{u}ber die ganze Gr\"{o}ssengebiet (S) ausgedehnt. Es muss nun die rechte Seite dieser Gleichung nach den Unbekannten geordnet, d.~h.\ hier, als Integral durch partielle Integration so umgeformt werden, dass es ausser bekannten Gr\"{o}ssen nur die gesuchte Function, nicht ihre Derivirten enth\"{a}lt. Bei Ausf\"{u}hrung dieser Operation geht das Integral zun\"{a}cht \"{u}ber in das \"{u}ber (S) ausgedehnte Integral \[ \int w \left( \frac{\partial^2 v}{\partial r \, \partial s} + \frac{\partial mv}{\partial r} + \frac{\partial mv}{\partial s} \right) \, \delta r \, \delta s \] und ein einfaches Integral, welches sich, weil sich $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r}$ mit $s$, $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s}$ mit $r$ und $w$ mit beiden Gr\"{o}ssen stetig \"{a}ndert, nur \"{u}ber die Begrenzung von $(S)$ erstrecken wird. Bedeuten $dr$ und $ds$ die Aenderungen von $r$ und $s$ in einem Begrenzungselement, wenn die Begrenzung in der Richtung durchlaufen wird, welche gegen die Richtung nach Innen ebenso liegt, wie die positive Richtung in den Curven $(r)$ gegen die positive Richtung in den Curven $(s)$, so ist dies Begrenzungsintegral \[ = - \int \left( v \left( \frac{\partial w}{\partial s} - m w \right) \, ds + w \left( \frac{\partial v}{\partial r} + m v \right) \, dr \right).\] Das Integral durch die ganze Begrenzung von $S$ ist gleich der Summe der Integrale durch die Curven $c$, $(s')$, $(r')$, welche diese Begrenzung bilden, also, wenn ihre Durchschnittspunkte durch $(c, r')$, $(c,s')$, $(r', s')$ bezeichnet werden, \[ = \int\limits_{c,r'}^{c,s'} + \int\limits_{c,s'}^{r',s'} + \int\limits_{s',r'}^{c,r'}.\] Von diesen drei Bestandtheilen enth\"{a}lt der erste ausser der Function~$v$ nur bekannte Gr\"{o}ssen, der zweite enth\"{a}lt, da in ihm $ds = 0$ ist, nur die unbekannte Function~$w$ selbst, nicht ihre Derivirten; der dritte Bestandtheil aber kann durch partielle Integration in \[ (vw)_{r',s'} - (vw)_{c,r'} + \int\limits_{s',r'}^{c,r'} w \left( \frac{\partial v}{\partial s} + mv \right) \, ds \] verwandelt werden, so dass in ihm ebenfalls nur die gesuchte Function~$w$ selbst vorkommt. Nach diesen Umformungen liefert die Gleichung~(\ref{eqn-8.2}) offenbar den Werth der Function~$w$ im Punkte $(r',s')$, durch bekannte Gr\"{o}ssen ausgedr\"{u}ckt, wenn man die Function~$v$ den folgenden Bedingungen gem\"{a}ss bestimmt: \begin{equation} \label{eqn-8.3} \begin{array}{ll} \mbox{1)\enspace allenthalben in $S$:} &\displaystyle \frac{\partial^2 v}{\partial r \, \partial s} + \frac{\partial mv}{\partial r} + \frac{\partial mv}{\partial s} = 0,\\[12pt] \mbox{2)\enspace f\"{u}r $r = r'$:} &\displaystyle \frac{\partial v}{\partial s} + mv = 0,\\[12pt] \mbox{3)\enspace f\"{u}r $s = s'$:} &\displaystyle \frac{\partial v}{\partial r} + mv = 0,\\[12pt] \mbox{4)\enspace f\"{u}r $r = r'$, $s = s'$:} &v = 1. \end{array} \end{equation} Man hat dann \begin{equation} \label{eqn-8.4} w_{r',s'} = (vw)_{c,r'} + \int\limits_{c,r'}^{c,s'} \left( v \left( \frac{\partial w}{\partial s} - mw \right) \, ds + w \left( \frac{\partial v}{\partial r} + mv \right) \, dr \right). \end{equation} \medbreak \centerline{9.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Durch das eben angewandte Verfahren wird die Aufgabe, eine Function~$w$ einer linearen Differentialgleichung und linearen Grenzbedingungen gem\"{a}ss zu bestimmen, auf die L\"{o}sung einer \"{a}hnlichen, aber viel einfacheren Aufgabe f\"{u}r eine andere Function~$v$ zur\"{u}ckgef\"{u}hrt; die Bestimmung dieser Function erreicht man meistens am Leichtesten durch Behandlung eines speciellen Falls jener Aufgabe nach dem \emph{Fourier}'schen Methode. Wir m\"{u}ssen uns hier begn\"{u}gen, diese Rechnung nur anzudeuten und das Resultat auf anderem Wege zu beweisen. F\"{u}hrt man in der Gleichung~(\ref{eqn-8.1}) des vor.\ Art.\ f\"{u}r $r$ und $s$ als unabh\"{a}ngig ver\"{a}nderliche Gr\"{o}ssen $\sigma = r + s$ und $u = r - s$ ein und w\"{a}hlt man f\"{u}r die Curve~$c$ eine Curve, in welcher $\sigma$ constant ist, so l\"{a}sst sich die Aufgabe nach den Regeln \emph{Fourier}'s behandeln, und man erh\"{a}lt durch Vergleichung des Resultats mit der Gleichung~(\ref{eqn-8.4}) des vor.\ Art., wenn $r' + s' = \sigma'$, $r' - s' = u'$ gesetzt wird, \[ v = \frac{2}{\pi} \int\limits_0^\infty \cos \mu (u - u') \frac{d\varrho}{d\sigma} (\psi_1(\sigma') \psi_2(\sigma) - \psi_2(\sigma') \psi_1(\sigma)) \, d\mu,\] worin $\psi_1(\sigma)$ und $\psi_2(\sigma)$ zwei solche particulare L\"{o}sungen der Differentialgleichung \[ \psi'' - 2 m \psi' + \mu \mu \psi = 0 \] bezeichnen, dass \[ \psi_1 \psi_2' - \psi_2 \psi_1' = \frac{d\sigma}{d\varrho}.\] Bei Voraussetzung des \emph{Poisson}'schen Gesetzes, nach welchem \[ m = \left( \frac{1}{2} - \frac{1}{k - 1} \right) \frac{1}{\sigma},\] kann man $\psi_1$ und $\psi_2$ durch bestimmte Integrale ausdr\"{u}cken, so dass man f\"{u}r $v$ ein dreifaches Integral erh\"{a}lt, durch dessen Reduction sich ergiebt \[ v = \left( \frac{r' + s'}{r + s} \right)^{\frac{1}{2} - \frac{1}{k-1}} F \left( \frac{3}{2} - \frac{1}{k-1}, \frac{1}{k-1} - \frac{1}{2},1, - \frac{(r - r')(s - s')}{(r + s)(r' + s')} \right).\] Man kann nun die Richtigkeit dieses Ausdrucks leicht beweisen, indem man zeigt, dass er wirklich den Bedingungen~(\ref{eqn-8.3}) des vor.\ Art.\ gen\"{u}gt. Setzt man \[ v = e^{-\int\limits_{\sigma'}^\sigma m \, d\sigma} y,\] so gehen diese f\"{u}r $y$ \"{u}ber in \[ \frac{\partial^2 y}{\partial r \, \partial s} + \left( \frac{dm}{d\sigma} - m m \right) y = 0 \] und $y = 1$ sowohl f\"{u}r $r = r'$, als f\"{u}r $s = s'$. Bei der \emph{Poisson}'schen Annahme kann man aber diesen Bedingungen gen\"{u}gen, wenn man annimmt, dass $y$ eine Function von \[ z = - \frac{(r - r')(s - s')}{(r + s)(r' + s')} \] sei. Denn es wird dann, wenn man $\displaystyle \frac{1}{2} - \frac{1}{k-1}$ durch $\lambda$ bezeichnet, $\displaystyle m = \frac{\lambda}{\sigma}$, also \[ \frac{dm}{d\sigma} - m m = - \frac{\lambda + \lambda^2}{\sigma^2} \] und \[ \frac{\partial^2 y}{\partial s \, \partial r} = \frac{1}{\sigma^2} \left( \frac{d^2 y}{d \log z^2} \left( 1 - \frac{1}{z} \right) + \frac{dy}{d \log z} \right).\] Es ist folglich $\displaystyle v = \left( \frac{\sigma'}{\sigma} \right)^\lambda y$ und $y$ eine L\"{o}sung der Differentialgleichung \[ (1 - z) \frac{d^2 y}{d \log z^2} - z \frac{dy}{d \log z} + (\lambda + \lambda^2) z y = 0 \] oder nach der in meiner Abhandlung \"{u}ber die \emph{Gauss}'sche Reihe eingef\"{u}hrten Bezeichnung eine Function \[ P \left( \begin{array}{ccc} 0 & -\lambda & 0 \\ 0 & 1 + \lambda & 0 \end{array} z \right) \] und zwar diejenige particulare L\"{o}sung, welche f\"{u}r $z = 0$ gleich $1$ wird. Nach den in jener Abhandlung entwickelten Transformationsprincipien l\"{a}sst sich $y$ nicht bloss durch die Functionen $P(0, 2\lambda + 1, 0)$, sondern auch durch die Functionen $P( \frac{1}{2}, 0, \lambda + \frac{1}{2} )$, $P( 0, \lambda + \frac{1}{2} , \lambda + \frac{1}{2} )$ ausdr\"{u}cken; man erh\"{a}lt daher f\"{u}r $y$ eine grosse Menge von Darstellungen durch hypergeometrische Reihen und bestimmte Integrale, von denen wir hier nur die folgenden \begin{eqnarray*} y &=& F( 1 + \lambda, - \lambda, 1, z ) = (1 - z)^\lambda F \left( - \lambda, - \lambda, 1, \frac{z}{z - 1} \right) \\ &=& (1 - z)^{- 1 - \lambda} F \left( 1 + \lambda, 1 + \lambda, 1, \frac{z}{z - 1} \right) \end{eqnarray*} bemerken, mit denen man in allen F\"{a}llen ausreicht. Um aus diesen f\"{u}r das \emph{Poisson}'sche Gesetz gefundenen Resultaten die f\"{u}r das \emph{Boyle}'sche geltenden abzuleiten, muss man nach Art.~2 die Gr\"{o}ssen $r$, $s$, $r'$, $s'$, um $\displaystyle\frac{a \surd k}{k - 1}$ vermindern und dann $k = 1$ werden lassen, wodurch man erh\"{a}lt $\displaystyle m = - \frac{1}{2\alpha}$ und \[ v = e^{\frac{1}{2\alpha} (r - r' + s - s')} \sum_0^\infty \frac{(r - r')^n (s - s')^n}{n! n! (2a)^{2n}}.\] \medbreak \centerline{10.} \setcounter{equation}{0} \nobreak\medskip Wenn man den im vor.\ Art.\ gefundenen Ausdruck f\"{u}r $v$ in die Gleichung~(\ref{eqn-8.4}) des Art.~8 einsetzt, erh\"{a}lt man den Werth von $w$ f\"{u}r $r = r'$, $s = s'$ durch die Werthe von $w$, $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r}$ und $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s}$ in der Curve~$c$ ausgedr\"{u}ckt; da aber bei unserm Problem in dieser Curve immer nur $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r}$ und $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s}$ unmittelbar gegeben sind und $w$ erst durch eine Quadratur aus ihnen gefunden werden m\"{u}sste, so ist es zweckm\"{a}ssig, den Ausdruck f\"{u}r $w_{r',s'}$ so umzuformen, dass unter dem Integralzeichen nur die Derivirten von $w$ vorkommen. Man bezeichne die Integrale der Ausdr\"{u}cke \[ - mv \, ds + \left( \frac{\partial v}{\partial r} + mv \right) \, dr \] und \[ \left( \frac{\partial v}{\partial s} + mv \right) \, ds - mv \, dr,\] welche in Folge der Gleichung \[ \frac{\partial^2 v}{\partial r \, \partial s} + \frac{\partial mv}{\partial r} + \frac{\partial mv}{\partial s} = 0 \] vollst\"{a}ndige Differentiale sind, durch $P$ und $\Sigma$ und das Integral von $P \, dr + \Sigma \, ds$, welcher Ausdruck wegen \[ \frac{\partial P}{\partial s} = - m v = \frac{\partial \Sigma}{\partial r} \] ebenfalls ein vollst\"{a}ndiges Differential ist, durch $\omega$. Bestimmt man nun die Integrationsconstanten in diesen Integralen so, dass $\omega$, $\displaystyle \frac{\partial \omega}{\partial r}$ und $\displaystyle \frac{\partial \omega}{\partial s}$ f\"{u}r $r = r'$, $s = s'$ verschwinden, so gen\"{u}gt $\omega$ den Gleichungen \[ \frac{\partial \omega}{\partial r} + \frac{\partial \omega}{\partial s} + 1 = v,\quad \frac{\partial^2 \omega}{\partial r \, \partial s} = - m v \] und sowohl f\"{u}r $r = r'$, als f\"{u}r $s = s'$ der Gleichung $\omega = 0$ und ist, beil\"{a}ufig bemerkt, durch diese Grenzbedingung und die Differentialgleichung \[ \frac{\partial^2 \omega}{\partial r \, \partial s} + m \left( \frac{\partial \omega}{\partial r} + \frac{\partial \omega}{\partial s} + 1 \right) = 0 \] v\"{o}llig bestimmt. F\"{u}hrt man nun in dem Ausdrucke von $w_{r',s'}$ f\"{u}r $v$ die Function~$\omega$ ein, so kann man ihn durch partielle Integration in \begin{equation} \label{eqn-10.1} w_{r',s'} = w_{c,r'} + \int\limits_{c,r'}^{c,s'} \left( \left( \frac{\partial \omega}{\partial s} + 1 \right) \frac{\partial w}{\partial s} \, ds - \frac{\partial \omega}{\partial r} \frac{\partial w}{\partial r} \, dr \right) \end{equation} umwandeln. Um die Bewegung des Gases aus dem Anfangszustande zu bestimmen, muss man f\"{u}r $c$ die Curve, in welcher $t = 0$ ist, nehmen; in dieser Curve hat man dann $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial r} = x$, $\displaystyle \frac{\partial w}{\partial s} = - x$, und man erh\"{a}lt durch abermalige partielle Integration \[ w_{r',s'} = w_{c,r'} + \int\limits_{c,r'}^{c,s'} (\omega \, dx - x \, ds),\] folglich nach Art.~3, (\ref{eqn-3.4}) und (\ref{eqn-3.5}) \begin{equation} \label{eqn-10.2} \begin{array}{ll} \displaystyle (x - (\sqrt{\varphi'(\varrho)} + u) t)_{r',s'} = x_{r'} + \int\limits_{x_{r'}}^{x_{s'}} \frac{\partial \omega}{\partial r'} \, dx \\[12 pt] \displaystyle (x + (\sqrt{\varphi'(\varrho)} - u) t)_{r',s'} = x_{s'} - \int\limits_{x_{r'}}^{x_{s'}} \frac{\partial \omega}{\partial s'} \, dx. \end{array} \end{equation} Diese Gleichungen (\ref{eqn-10.2}) dr\"{u}cken aber die Bewegung nur aus, so lange \[ \frac{\partial^2 w}{\partial r^2} + \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} + 1 \right) t \] und \[ \frac{\partial^2 w}{\partial s^2} + \left( \frac{d \log \surd \varphi'(\varrho)}{d \log \varrho} + 1 \right) t \] von Null verschieden bleiben. Sobald eine dieser Gr\"{o}ssen verschwindet, entsteht ein Verdichtungsstoss, und die Gleichung~(\ref{eqn-10.1}) gilt dann nur innerhalb solcher Gr\"{o}ssengebiete, welche ganz auf einer und derselben Seite dieses Verdichtungsstosses liegen. Die hier entwickelten Principien reichen dann, wenigstens im Allgemeinen, nicht aus, um aus dem Anfangszustande die Bewegung zu bestimmen; wohl aber kann man mit H\"{u}lfe der Gleichung~(\ref{eqn-10.1}) und der Gleichungen, welche nach Art.~5 f\"{u}r den Verdichtungsstoss gelten, die Bewegung bestimmen, wenn der Ort der Verdichtungsstosses zur Zeit~$t$, also $\xi$ als Function von $t$, gegeben ist. Wir wollen indess dies nicht weiter verfolgen und verzichten auch auf die Behandlung des Falles, wenn die Luft durch eine feste Wand begrenzt ist, da die Rechnung keine Schwierigkeiten hat und eine Vergleichung der Resultate mit der Erfahrung gegenw\"{a}rtig noch nicht m\"{o}glich ist. \end{document} .